"Diamond Princess" | REUTERS

Coronavirus 99 neue Fälle auf "Diamond Princess"

Stand: 07.12.2020 12:29 Uhr

Japan hat 99 weitere Corona-Fälle an Bord der "Diamond Princess" bestätigt. Außerhalb Chinas ist das Kreuzfahrtschiff damit weltweit der Ort mit den meisten bekannten Fällen der Erkrankung Covid-19.

Die Zahl der bestätigen Corona-Fälle ist erneut gestiegen: Die Zahl der infizierten Passagiere auf dem Kreuzfahrtschiff "Diamond Princess" hat sich um 99 auf 454 erhöht. Diese Zahl beinhaltet auch bereits vom Schiff heruntergeholte Erkrankte. Das Schiff liegt seit zwei Wochen im Hafen von Yokohama fest, Passagiere und Besatzungsmitglieder wurden auf das Virus getestet.

Rückholaktion der USA

Ein erster Flug mit US-Bürgern, die an Bord des Schiffes waren, ist in den USA gelandet. Die in Japans Hauptstadt Tokio gestartete Maschine landete auf dem Militärstützpunkt Travis nordöstlich von San Francisco, wie der Lokalsender CBS SF berichtete.

An Bord seien auch 14 Passagiere gewesen, die in den vergangenen zwei bis drei Tagen positiv auf das Coronavirus getestet worden seien, hatten zuvor das US-Außenministerium und das Gesundheitsministerium in einer gemeinsamen Erklärung mitgeteilt. Sie saßen demnach isoliert von den anderen Passagieren in dem Flugzeug.

Passagiere, die an Bord Symptome entwickelten sowie die bereits positiv Getesteten würden nach ihrer Rückkehr in die USA in geeignete Einrichtungen gebracht und dort isoliert behandelt, hieß es in der Mitteilung weiter. Alle anderen werden den US-Ministerien zufolge nun für 14 Tage unter Quarantäne gestellt.

Die Karte zeigt die aktuelle Verbreitung des Coronavirus am 17.2.2020.

Die Karte zeigt die aktuelle Verbreitung des Coronavirus weltweit am 17.2.2020.

Die Karte zeigt die aktuelle Verbreitung des Coronavirus in Europa am 17.2.2020.

Die Karte zeigt die aktuelle Verbreitung des Coronavirus in Europa am 17.2.2020.

Das US-Außenministerium bot insgesamt mehr als 300 US-Bürgern, die sich auf dem Kreuzfahrtschiff befanden, eine freiwillige Rückreise in die USA an.

Auch Kanada, Hongkong, Australien und Israel bereiten sich offenbar darauf vor, ihre eigenen Landsleute von Bord des Schiffes in Japan zurückzuholen. Gegenwärtig befinden sich noch rund 3000 Menschen auf dem Kreuzfahrtschiff. Außer den zwei infizierten Deutschen sind noch acht andere Bundesbürger an Bord.

Die "Westerdam" im Hafen von Sihnoukville in Kambodscha | REUTERS

Das Kreuzfahrtschiff "Westerdam" liegt im Hafen von Sihanoukville in Kambodscha. Bild: REUTERS

Sorgen um Deutsche auf "Westerdam"

Nach der Entdeckung einer Infektion unter den Passagieren des Kreuzfahrtschiffs "Westerdam", die zum Teil schon in Kambodscha an Land gegangen waren, sind nach Angaben der Reederei bislang zumindest keine Symptome der Covid-19 genannten Lungenkrankheit aufgetreten.

Allerdings gibt es eine Inkubationszeit von bis zu 14 Tagen, bis sich Symptome zeigen, und Infizierte können dann auch schon ansteckend sein. Zuvor war eine 83-jährige Amerikanerin bei der Weiterreise in Malaysia positiv getestet und ins Krankenhaus gebracht worden, wie die malaysische Gesundheitsbehörde mitteilte.

Thailand verschärft Einreise

Die Gesundheitsbehörden im Nachbarland Thailand gaben bekannt, dass sie das Virus-Screening auf Reisende aus Japan und Singapur sowie auf Reisende aus dem chinesischen Festland, Hongkong und Taiwan ausweiten werden.

Darüber hinaus will Thailand keine Einreise von Ausländern zulassen, die Passagiere der "Westerdam" waren.

Japan holt weitere Bürger heim

Unterdessen setzte Japan seine Rückholaktionen von Staatsbürgern und Angehörigen aus der schwer von dem Virus heimgesuchten Stadt Wuhan in Zentralchina fort. Eine fünfte Chartermaschine der japanischen Regierung landete mit 36 Landsleuten und 29 ihrer chinesischen Familienmitglieder auf Tokios Flughafen Haneda.

Japan hatte zuvor bereits 763 Landsleute aus Wuhan ausgeflogen.

SARS, MERS und das neuartige Coronavirus im Vergleich

Inzwischen sind an dem neuartigen Coronavirus mehr Menschen gestorben als bei der weltweiten SARS-Pandemie.

Ausnahmezustand in China

Mit einem Fahrverbot für privaten Autoverkehr waren in der ohnehin weitgehend von der Außenwelt abgeschotteten Krisenregion am Vortag neue radikale Beschränkungen der Bewegungsfreiheit der Menschen erlassen worden. In Städten der Provinz dürfen nur noch Dienst- und Notfallfahrzeuge sowie Transporte mit Waren des täglichen Bedarfs auf die Straßen. Ende Januar waren bereits Flüge, Zugverbindungen und Fernbusse eingestellt worden.

Mittlerweile ist die Anzahl erfasster Infektionen in China auf über 70.500 gestiegen. 1770 Menschen starben bislang an der Lungenkrankheit Covid-19. Die chinesische Führung plant nun wegen der Epidemie die Verschiebung der Jahrestagung des Parlaments. Es ist das erste Mal in der jüngeren Geschichte der Volksrepublik, dass die Sitzung des nationalen Volkskongresses verlegt wird.

Das wichtigste politische Ritual hätte am 5. März in Peking beginnen sollen. Formell soll am nächsten Montag darüber entschieden werden. Der Führungskreis des Ständigen Ausschusses halte die Verschiebung des Volkskongresses auf einen angemessenen Zeitpunkt für "notwendig", berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua.

Rund 6000 Abgeordnete des Volkskongresses und Mitglieder der parallel tagenden beratenden Konsultativkonferenz hätten aus allen Provinzen in die Hauptstadt kommen müssen. Die ungewöhnliche Verschiebung wurde auch damit begründet, dass viele der Abgeordneten "an vorderster Front" gegen das Virus kämpfen.

Während die Zahl der Infektionen und Todesfälle durch das neue Coronavirus in China weiter steigt, hat sich am Wochenende die Lage in Deutschland entspannt. Im pfälzischen Germersheim endete am Sonntag die Quarantäne für rund 120 China-Rückkehrer. In Bayern wurden Corona-Patienten als geheilt entlassen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. Februar 2020 um 10:00 Uhr.