Anthony Fauci | REUTERS

Fauci zur US-Corona-Lage "Entwickelt sich in richtige Richtung"

Stand: 26.01.2022 08:04 Uhr

Der US-Gesundheitsexperte Fauci hat sich angesichts stagnierender Corona-Zahlen vorsichtig optimistisch geäußert. Demnach deute sich eine Trendwende in der Pandemie an. Experten warnen vor vorschneller Sorglosigkeit.

Von Florian Mayer, ARD-Studio Washington

Es ist der Satz, auf den Millionen Amerikaner seit Wochen gewartet haben. "Es sieht gut aus. Es entwickelt sich in die richtige Richtung", sagte US-Präsident Bidens oberster medizinischer Berater, der Immunologe Anthony Fauci, im Nachrichstensender ABC.

Die Omikron-Welle habe ihren Höhepunkt erreicht. Die Fallkurve soll in den nächsten Wochen rapide sinken - landesweit von 5,7 Millionen positiven Fällen in der kommenden Woche auf 3,6 Millionen in vier Wochen. Das meldete die US-Gesundheitsbehörde CDC. 

Fauci sieht positiven Trend

Der Trend zeigt sich laut Fauci zwar aktuell vor allem entlang der Ostküste. So meldeten New York, Colorado, Louisiana, Massachusetts, Pennsylvania und Florida seit einigen Tagen sinkende Fallzahlen. Der Effekt sei trotzdem deutlich und werde sich fortsetzen.

"Wenn sich das so weiterentwickelt, wie wir es andernorts sehen, beispielsweise im Nordosten des Landes, dann glaube ich, werden wir diese Trendwende auch im ganzen Land sehen", so Fauci. Gleiches habe man bei der Omikron-Variante in Südafrika, Großbritannien und Israel beobachten können.

"Wir hoffen, dass wir in den nächsten Wochen und Monaten sehen werden, dass die Infektionsrate so niedrig wird, dass sie in einen Bereich kommt, den ich für kontrollierbar halte. Und der ist groß", so Fauci weiter. Kontrolle meine aber nicht, dass man das Virus auslösche, sondern dass es sich in die typischen Atemwegserkrankungen einreihe.

Experten mahnen weiterhin zur Vorsicht

Mit anderen Worten, die Gesundheitsbehörden der USA sind vorsichtig optimistisch, Corona bis zum Sommer in den Griff zu bekommen. Die Betonung liegt auf "vorsichtig". Denn auch wenn die nächsten Monate Grund zur Hoffnung geben würden, stecke man jetzt noch im Schlimmsten mittendrin, mahnte die Professorin für Notfallmedizin in Rhode Island, Megan Ranney, bei CNN.

"Unser Krankenhäuser und Intensivstationen im ganzen Land sind immer noch an einem kritischen Punkt. Wegen einer Kombination aus Corona-Patienten und Menschen, die aus anderen Gründen schwer krank sind. Die brauchen jetzt Hilfe", sagt Ranney.

Daten der Gesundheitsbehörden, die von der Universität von Minnesota regelmäßig ausgewertet werden, zeigen, dass aktuell 77 Prozent der Krankenhäuser in den Vereinigten Staaten mit einer hohen oder sehr hohen Auslastung zu kämpfen haben. In vielen Krankenhäusern, quer über das Land verteilt, machen demnach Corona-Patienten immer noch mehr als 20 Prozent der belegten Betten aus.

Fauci: "Man sollte sich nie zu sicher sein"

Mit dieser Situation und gleichzeitig der Hoffnung auf ein schnelles Abflachen der Omikron-Welle vor Augen, warnt auch Peter Hotez, Co-Direktor des Impfentwicklungszentrums am Kinderkrankenhaus in Texas, bei CNN vor übereifriger Sorglosigkeit. Vielmehr müsse jetzt dafür gesorgt werden, dass der begonnene Trend nicht ins Stocken gerät.

"Wird das so schnell runtergehen, wie es hoch ging oder mittendrin stecken bleiben wie in der Vergangenheit?", fragt Hotez. Wie die Antwort darauf laute, liege am Ende in der Hand aller US-Amerikaner.

Und auch Fauci warnte am Ende des ABC-Interviews: "Man sollte im Umgang mit dem Virus nie zu sicher sein. Es hat uns schon in der Vergangenheit überrascht."

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 26. Januar 2022 um 11:35 Uhr.