Zwei Männer schieben eine Bahre mit Leiche vor einen Lkw | Bildquelle: AFP

Corona-Pandemie in den USA El Paso - ein Ort zum Sterben

Stand: 18.11.2020 11:10 Uhr

Corona hat Amerika fest im Griff. In Texas streiten Gouverneur und lokale Verwaltungen über den richtigen Umgang mit der Pandemie. Im Ergebnis steigt die Zahl der Kranken und Verstorbenen massiv.

Von Nicole Markwald. ARD-Studio Los Angeles, zzt. Austin

Laverna Rivers kann die Tränen nicht zurückhalten: "Seit April arbeite ich mit Patienten, die an Corona erkrankt sind. Doch so etwas wie in El Paso, Texas, habe ich noch nicht erlebt." Die 44-Jährige war im Einsatz im Universitätsklinikum von El Paso und beschrieb in einem Facebook-Video fürchterliche Zustände. Todkranke Patienten, die in einem bestimmten Bereich gebracht werden, der vom Personal nur "the pit - die Grube" genannt wird - ein Ort zum Sterben.

Die Stadt forderte inzwischen zehn mobile Kühllaster an, um die vielen Toten aufzubewahren. Auf einem Parkplatz am Universitätsklinikum wurden Zelte aufgestellt, um Kranke zu betreuen. Ein Messezentrum der Stadt beherbergt ein Feldlazarett.

Kühlcontainer vor Krankenhaus in El Paso | Bildquelle: AFP
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Die Leichen werden teilweise in Kühlcontainern zwischengelagert.

Jeder verfügbare Kraft wird eingesetzt

Dutzende Patienten von der Intensivstation wurden in Krankenhäuser anderer Städte geflogen. Mehr als 1400 medizinische Kräfte kamen aus anderen Bundesstaaten nach El Paso, um zu helfen. Sogar Gefängnisinsassen wurden herangezogen, um die Todesopfer in die Kühltransporter zu laden. Der Journalist Bob Moore, hier geboren und aufgewachsen, sagt: "Da gibt es nichts schönzureden. El Paso erlebt seit einem Monat eine Katastrophe, und die Zahlen nehmen exponentiell zu."

Die Corona-Krise hat die USA fest im Griff. In fast allen Bundesstaaten steigt die Zahl der Infektionen. Die Stadt El Paso im Westen von Texas direkt an der Grenze zu Mexiko, ist einer der Hotspots. 840.000 Menschen leben hier, und das Coronavirus frisst sich wie ein Waldbrand durch die Stadt. So beschreibt Bob Moore die Situation im Podcast "What's next": "Es gibt zwei Möglichkeiten, einen Waldbrand zu bekämpfen, ihn einzugrenzen und zu löschen oder ihn einfach brennen zu lassen, bis die Flammen keine Nahrung mehr finden. In El Paso hat er Letzteres getan."

Streit verhindert effektive Maßnahmen

Allein in der ersten Novemberhälfte verzeichnete die Stadt mehr als 25.000 neue Corona-Infektionen - schon jetzt mehr als im ganzen Oktober. Und weniger als 20 Prozent der Infizierten sind über 60 Jahre alt. Mehr als 1100 Bewohner der Stadt liegen im Krankenhaus.

Doch während andere US Bundesstaaten wie Kalifornien oder Michigan die Maßnahmen für ihre Bewohner wieder verschärfen, streiten in Texas Bürgermeister, Gouverneur und lokale Verwaltungen über den richtigen Umgang. So erließ der demokratische Bezirksrichter von El Paso einen Lockdown. Behörden und lokale Restaurantbesitzer klagten dagegen und gewannen. Restaurants, Geschäfte oder Friseursalons können weiter geöffnet bleiben. Auch Familienzusammenkünfte sind erlaubt.

Kommende Woche wird in den USA das Erntedankfest Thanksgiving gefeiert - auch in El Paso. Die Krankenhäuser machen sich auf einen weiteren Anstieg der Infektionen gefasst.

Eine "Katastrophe": Corona in El Paso, Texas
Nicole Markwald, ARD Los Angeles zzt. Austin
18.11.2020 09:19 Uhr

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Über dieses Thema berichtete WDR5 im Mittagsecho am 18. November 2020 um 13:15 Uhr.

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