Zwei Menschen mit dunkler Hautfarbe in Chicago tragen Gesichtsmasken | Bildquelle: AP

Viele Covid-19-Tote Afroamerikaner besonders betroffen

Stand: 08.04.2020 07:44 Uhr

Wer sind die Corona-Opfer? In den USA sterben auffällig viele Schwarze. In Chicago ist ihr Sterberisiko sieben Mal höher als das der weißen Bevölkerung.

Von Arthur Landwehr, ARD-Studio Washington

Lauri Lightfoot ist Bürgermeisterin von Chicago. Sie ist entsetzt darüber, was die Statistik über die Corona-Toten in ihrer Stadt sagt: "Infizierte Schwarze sterben sieben Mal so häufig wie jede andere Bevölkerungsgruppe", berichtet Lightfoot.

Lori Lightfoot | Bildquelle: AP
galerie

Die Bürgermeisterin von Chicago, Lori Lightfoot, hat eine Informationskampagne gestartet.

Corona macht soziale Unterschiede sichtbar

Es gibt keine nationale Erhebung darüber, aber die Zahlen aus mehreren Städten zeigen eindeutig: Afroamerikaner erkranken weit überproportional an Covid-19 und sterben häufiger als Weiße in den USA.

Beispiel Louisiana mit der Großstadt New Orleans: 29 Prozent der Bevölkerung sind schwarz, bei den Corona-Toten sind es 70 Prozent. Das hat nichts mit Corona zu tun, sagt Linda Rae Murry, die an der University of Illinois Volksgesundheit lehrt. Corona macht sichtbar, was längst da ist: "Unter Afroamerikanern haben wir mehr Diabetes, hohen Blutdruck, Herz-Kreislauferkrankungen, Krankheiten, die die Menschen verletzlicher machen."

"Dachten, nur ältere und schwache Weiße sterben"

Das wiederum hat mit Bildung zu tun, in welchen Milieus Menschen leben. Wie eng man wohnt, wo man arbeitet, ob man es sich leisten kann, zum Arzt zu gehen, und ob es ein gut ausgestattetes Krankenhaus in der Nachbarschaft gibt. Bei all diesen Punkten geht es Weißen im Durchschnitt besser als Schwarzen. Das bedeutet auch, dass mehr Weiße zu Hause arbeiten, während Schwarze häufiger mit anderen Menschen in Kontakt kommen. Viele der Gerüchte, Falschmeldungen und Verschwörungstheorien haben auch dazu beigetragen.

"Wir haben gedacht, dass an Covid-19 ältere und schwache Weiße sterben. Das war das Bild, das aus der ganzen Welt kam", berichtet ein Passant. Eine Erfahrung, die auch die Bürgermeisterin von Chicago gemacht hat. "Schwarze sind immun gegen Corona", hat sie immer wieder gehört. Doch dann war die erste Tote eine afroamerikanische Frau.

Menschen vor dem Roseland Community Hospital in Chicago | Bildquelle: REUTERS
galerie

Menschen vor dem Roseland Community Hospital in Chicago

Zugang zu Ärzten erleichtern

Deshalb geht es für sie jetzt vor allem darum, so viel wie möglich zu informieren: Sozialarbeiter, Abgeordnete, die einflussreichen Kirchengemeinden, sogar Clubs. Alle sollen helfen. Das sei gut, sagt die Präsidentin der Amerikanischen Medizinischen Gesellschaft, Patrice Harris. Unbedingt. "Aber wir müssen auch dafür sorgen, dass in diesen Gemeinden konsequent getestet wird."

Damit diejenigen, die infiziert sind, isoliert werden können, um keine anderen anzustecken. Denn getestet wurde und wird auf Anweisung von Ärzten. Wer nicht beim Arzt war, wird nicht getestet.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 08. April 2020 um 10:49 Uhr.

Darstellung: