Die Karlsbrücke in Prag | Bildquelle: dpa

Corona-Krise Tschechien macht wieder ein bisschen auf

Stand: 06.04.2020 20:21 Uhr

Tschechien fährt seine restriktiven Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie ein Stück weit zurück. Einige Läden können wieder öffnen, einige Sportarten sind wieder erlaubt. Kritiker bemängeln, dass der Ausnahmezustand andauern soll.

Tschechien lockert seine restriktiven Maßnahmen im Kampf gegen das neuartige Coronavirus ein wenig. Erste Geschäfte dürfen öffnen, die im Kampf gegen die Pandemie geschlossen worden waren, darunter Hobby- und Baumärkte, der Eisenwarenhandel sowie Fahrradwerkstätten, wie das Minderheitskabinett aus populistischer ANO und Sozialdemokraten in Prag beschloss.

Doch zugleich werden die Hygieneregeln für den Einzelhandel verschärft. Der Mindestabstand zwischen Kunden muss zwei Meter betragen, am Eingang müssen Desinfektionsmittel und Einweghandschuhe bereitgestellt werden.

Das Betreiben von Individualsport wie Tennis oder Golf wird dagegen wieder erlaubt.

Tschechien hatte wie kaum ein Land in Europa schnell und konsequent den Kampf gegen das Corona-Virus aufgenommen: Zehn Tage nach der ersten bekanntgewordenen Infektion wurde der Kultur-und Freizeitsektor heruntergefahren. Am Tag elf Tagen wurde der Ausnahmezustand verhängt und am Tag 15 wurden die Grenzen geschlossen. Seit Mitte März ist der Alltag auf das absolute Minimum reduziert. Es gelten drastische Ausgangsbeschränkungen. Nach draußen darf man nur noch maximal zu zweit und mit Mundschutz

Ein- und Ausreisestopp gelockert

Nun stellte die Regierung in Aussicht, dass tschechische Bürger ab dem 14. April für unerlässliche Reisen das Land wieder verlassen dürfen. Dazu zählen Geschäftsreisen sowie Arzt- und Verwandtenbesuche, wie Industrieminister Karel Havlicek erläuterte. Nach der Rückkehr ist eine 14-tägige Quarantäne Pflicht.

In Tschechien verzeichneten die Behörden bislang mehr als 4500 bestätigte Fälle. 72 Menschen, die mit dem Virus infiziert waren, starben.

Die tschechische Regierung und ihre Spezialisten orientieren sich bei der Bekämpfung des Coronavirus an Taiwan und Südkorea. Die Zahl der täglichen Tests soll mit Hilfe von 33 Armeelabors deutlich erhöht werden: Von derzeit 6000 auf bis zu 20.000. Und: die Smart Quarantäne, die Ermittlung von Infektionen mittels der Daten von Handys und Kreditkarten, wird auf weitere Regionen ausgeweitet.

Sorge wegen Ausnahmezustand

Ungeachtet der Lockerungen will die Regierung des Ministerpräsidenten und Multimilliardärs Andrej Babis den Ausnahmezustand um 30 Tage verlängern. Sie braucht dafür allerings die Zustimmung des Parlaments. Frühere Dissidenten der Gruppe Charta 77 riefen die Regierung dazu auf, sich ausdrücklich zu Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zu bekennen.

"Krisensituationen bergen stets das Risiko, dass autoritäre Tendenzen verstärkt werden", heißt es der Agentur CTK zufolge in dem Aufruf. Zu den Unterzeichnern zählen Ex-Premier Petr Pithart sowie der katholische Weihbischof Vaclav Maly.

Ausnahmezustand wird verlängert, aber vorsichtiger Optimismus
Peter Lange, ARD Prag
07.04.2020 09:26 Uhr

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Mit Informationen von Peter Lange, ARD-Studio Prag

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. April 2020 um 23:00 Uhr.

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