Männer in Schutzanzügen tragen einen in Folie eingewickelten Sarg auf einem Friedhof in Malaysia. | dpa

Corona in Südostasien Vom Virus eingeholt

Stand: 29.05.2021 14:42 Uhr

Bestatter im Dauereinsatz in Malaysia - Impfrückstand in Indonesien. Viele Länder Südostasiens kämpfen inzwischen gegen dramatisch steigende Infektionszahlen. Im vergangenen Jahr galten sie teils noch als Vorzeigeregionen.

Von Lena Bodewein, ARD-Studio Singapur

Myanmar meldet Rekordzahlen: 96 Neuinfektionen sind es nach offiziellen Angaben, die tatsächliche Zahl wird aber viel höher geschätzt. Gleichzeitig befindet sich ein Großteil der Ärzteschaft noch im Streik. Nach dem Militärputsch im Februar haben viele sich aus Protest der Bewegung des Zivilen Ungehorsams angeschlossen - in einem Land, dessen medizinische Versorgung schon vorher kritisch war, kann die Kombination von Putsch und Pandemie fatal werden.

Im Nachbarland Thailand zeigt sich die dritte Welle besonders deutlich in den Gefängnissen. Die sind voll, sagt der Generaldirektor der Vollzugsanstalten, Aryut Sinthoppan. "Die Zellen sind alt und überfüllt, wir quellen über vor Gefangenen." Denn die Regierung von Premierminister Prayut Chan-o-cha hat in den vergangenen Monaten in einer harten Kampagne viele ihrer Kritiker, meist junge Demonstranten, inhaftiert. "Während der ersten Welle hatten wir kaum Fälle unter den Insassen oder den Vollzugsbeamten. Während des zweiten Ausbruchs wurde es zweistellig, und jetzt sind es Tausende", beschreibt Sinthoppan die Folgen.

Leere Liegestühle an einem Strand auf der Insel Bali. | EPA

Wie hier am Strand von Kuta sah es monatelang auf der Ferieninsel Bali aus. Touristen konnten nicht einreisen und die Einnahmen blieben aus. Bild: EPA

Kaum Einnahmen durch Tourismus

Thailand hatte im vergangenen Jahr einen strikten Lockdown verhängt, seine Grenzen dichtgemacht, um unbeschadet durch die Pandemie zu kommen - und damit auch seinen Tourismus geopfert. Doch jetzt verzeichnet das Land insgesamt rund 145.000 Fälle, davon 3759 neue Infektionen am Freitag. Allein 1294 in den Gefängnissen, wie der Sprecher der thailändischen Regierung bekanntgab.

Der neue Ausbruch zeigt sich auch bei den Arbeitsmigranten aus Myanmar, Kambodscha, Laos und Vietnam. Mehr als 10.000 von ihnen sind positiv getestet. Die Regierung hält sie jetzt in ihren Massenunterkünften oder an ihren Arbeitsplätzen fest, fern vom Rest der Gesellschaft. Doch derart zusammengepfercht, breitet sich das Virus unter ihnen weiter aus. Und ähnlich wie im vergangenen Jahr in Singapur wird die unwürdige Behandlung der Arbeitsmigranten mit als Grund für die rasante Ausbreitung der dritten Welle gesehen.

Hilfen der Regierung bleiben aus

"Ich stehe hier und bitte um Hilfe, wir haben kaum etwas zu essen," sagt eine Bewohnerin in Kambodschas Hauptstadt Phnom Penh. Der Tourismus ist in Kambodscha ebenfalls als wichtige Einnahmequelle weggefallen, die Wirtschaft liegt lahm, und auch hier steigen die Fallzahlen nach einem glimpflichen Jahr rapide an. Von 560 Fällen im gesamten Vorjahr auf 22.000 seit Februar. Die medizinische Versorgung war schon vor Corona derart kritisch, dass Patienten zuhause behandelt werden sollen - was eine Ansteckung weiter fördert. Und auch hier sind die Gefängnisse voll, die Infektionen dort breiten sich aus.

Die Regierung hat einen strikten Lockdown für die betroffenen Viertel der Hauptstadt verhängt und Hilfen versprochen. Doch die kommen nicht an. "Ich habe auf dem Bau gearbeitet, aber wegen Covid-19 habe ich nicht genug zu essen. Wir bekommen keine Lebensmittel. Das ganze Viertel braucht Hilfe."

Impfkampagne kommt nur schleppend voran

In Malaysia sind die Bestatter im Dauereinsatz. Unterstützt von Freiwilligen, müssen sie 30-mal so viele Menschen beerdigen als vor einem Jahr. In dem Land mit mehrheitlich muslimischer Bevölkerung müssen die Toten eigentlich innerhalb eines Tages gereinigt, eingehüllt und bestattet werden. Doch seit die Infektionszahlen so stark steigen, gelingt das nicht immer - mehr als 8000 Fälle täglich, mehr als 60 Tote. Jetzt geht das Land für zwei Wochen in den kompletten Lockdown, lediglich wichtige Wirtschaftsbereiche sollen weiterarbeiten dürfen.

Allen betroffenen Ländern Südostasiens, ob Vietnam, Indonesien oder die Philippinen haben eines gemeinsam: Die Impfkampagnen sind noch nicht weit fortgeschritten. Vielleicht ein oder zwei Prozent, allerhöchstens fünf Prozent der Bevölkerung sind geimpft. Ausnahme ist Singapur, dort hatten 28 Prozent der Bewohner schon die zweite Impfung. Ein vergleichsweise harmloses Pandemie-Jahr hat die Dringlichkeit womöglich nicht deutlich genug gemacht. Und alle Regierungen der einstigen Vorzeigeregion kämpfen jetzt darum, sich genügend Impfstoff zu sichern.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 29. Mai 2021 um 11:05 Uhr.

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