Fußgänger mit Gesichtsmasken im Stadtteil Itaewon in Seoul/Südkorea | Bildquelle: AFP

Corona in Südkorea Schwierige Suche nach Partygängern

Stand: 13.05.2020 10:48 Uhr

Nach dem jüngsten Anstieg der Coronazahlen in Südkorea ist die Suche nach Infizierten mühsam. Bei den betroffenen Clubs handelt es sich um LGBT-Treffpunkte. Viele Clubbesucher fürchten sich vor Stigmatisierung.

Von Kathrin Erdmann, ARD-Studio Tokio

Ausgelassen tanzen die Besucher in einem Nachtclub von Seoul. Eine Bloggerin hat ein Video davon ins Netz gestellt und dabei die Gesichter verpixelt. Der Club ist ein beliebter Treffpunkt für Lesben, Homosexuelle, Bisexuelle und Transgender (LGBT) im Partystadtteil Itaewon - und die Besucher sollen und wollen oft auch nicht erkannt werden. Homosexualität ist in Südkorea nicht verboten, aber dennoch fürchten die Betreffenden eine Stigmatisierung.

Zeitung outete Clubs

Durch die jüngste Infektionswelle ist es mit der Diskretion vorbei, nachdem Medien die Clubbesucher damit in Zusammenhang gebracht hatten.

Für Lee Jong-geol, der sich für Rechte von Homosexuellen einsetzt, ist der Vorgang unfassbar. "Der Bericht in der Zeitung 'Koomin Ilbo' war böswillig und verstieß gegen die Menschenrechte", sagt Lee. "Sie haben öffentlich gemacht, dass es sich um Schwulen- und Lesbenclubs handelte und damit auch dazu beigetragen, dass sich viele nun nicht freiwillig testen lassen." Das sei nicht hilfreich gewesen, um eine Verbreitung einzudämmen.

Fußgänger mit Gesichtsmasken gehen an einem Nachtclub im Nachtleben des Stadtteils Itaewon in Seoul vorbei. | Bildquelle: AFP
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In Südkorea steigen die Infektionszahlen durch einen positiv getesteten Clubgänger weiter an. Sie liegen bereits über 100. Jetzt suchen die Behörden nach möglichen Kontaktpersonen.

Besucher verstecken Identität

Das merken auch die südkoreanischen Behörden. Sie schätzen, dass bis zu 5000 Menschen infiziert sein könnten, doch erst die Hälfte konnte ausfindig gemacht werden, obwohl viele Daten genutzt werden, wie Yoon Tae-Ho vom Seuchenkontrollzentrum sagte. "Wir nutzen Handy- und Kreditkartendaten aus den Bars und Nachtclubs, um knapp 2000 Menschen, die wir bisher nicht erreicht haben, zu finden." Auch Bilder von Überwachungskameras würden ausgewertet.

Das Problem: Einige Besucher haben offensichtlich absichtlich falsche Angaben gemacht - möglicherweise auch, weil sie ihre sexuelle Orientierung geheim halten möchten und in dem südkoreanischen Kontroll- und Überwachungssystem Sorge hatten, durchs Netz zu fallen, wie es bereits einige Male passiert ist.

Klare Worte vom Premierminister

Der Mitarbeiter vom Seuchenkontrollzentrum ist sichtlich um Vertrauensbildung bemüht. Die für die Quarantäne zuständigen Behörden würden alle persönlichen Informationen schützen und respektieren, versichert er. Alle betreffenden Personen könnten sich sicher fühlen und zu Tests beitragen.

Sogar Premierminister Chung Sye-kyun sah sich gezwungen, seinen Landsleuten klar zu machen, dass die Eindämmung des Virus eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist und Diskriminierung nicht weiterführt. "Eine bestimmte Gruppe zu denunzieren, ist nicht hilfreich", sagte Chung. "Jeder, der sich über einen bestimmten Zeitraum in einem geschlossenen Raum aufhält und dort engen Kontakt zu Menschen hat, kann sich infizieren. Wenn Menschen, die solche Kontakte hatten, Angst vor Kritik haben müssen, dann ist das ein Schaden für die ganze Gesellschaft."

Stigmatisierter Stadtteil

Das merken nicht nur die Clubs in Seoul, die jetzt bis auf Weiteres geschlossen bleiben, sondern auch Menschen wie Elektronikhändler Kim. "Es ist doch völlig egal, was das für Clubs waren", sagte er einem Reporter der Agentur AP.

Es sei in Ordnung, dass auch Leute von außen kämen, um in Itaewon Spaß zu haben, sagt Kim. "Das Problem ist nur, dass sie nicht aufgepasst haben und wir, die Ladenbesitzer müssen das jetzt ausbaden." Und nicht nur das: Auch die Oberschulen, die heute nach mehr als zwei Monaten wieder öffnen sollten, bleiben erstmal geschlossen.

Südkoreas Suche nach Partygängern
Kathrin Erdmann, ARD Tokio
13.05.2020 10:18 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk in der Sendung "Informationen am Mittag" am 13. Mai 2020 um 12:10 Uhr.

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