Essensausgabe in Kapstadt | Bildquelle: AFP

Corona-Krise in Südafrika Lockerungen und Hilfspakete

Stand: 24.04.2020 13:25 Uhr

Die Corona-Pandemie trifft das wirtschaftlich angeschlagene Südafrika hart. Unter dem schon vierwöchigen Lockdown leidet besonders die arme Bevölkerung. Jetzt kündigte Präsident Ramaphosa erste Lockerungen an.

Feuerwerk, Vuvuzelas und Jubelschreie: Die Nachricht von ersten zaghaften Lockerungen in Südafrika nach den vierwöchigen, harten Ausgangssperren hat im Land für Erleichterung gesorgt. Präsident Cyril Ramaphosa entschied sich zu diesem Schritt, obwohl die Zahl der Corona-Fälle weiter ansteigt. Fast 4000 Infektionen sind dort bislang bestätigt, 75 Menschen starben an Covid-19. Es solle viel getestet und auf dieser Grundlage entschieden werden, sagte Ramaphosa.

Die Regierung will die Lockerungen vom 1. Mai an schrittweise durchsetzen. Viele Industriezweige und Geschäfte dürfen unter strengen Vorschriften wieder öffnen. Es sollten aber so viele Menschen wie möglich von zuhause aus arbeiten. Alle sollten Masken tragen, sagte Ramaphosa, der nach der Ansprache selbst eine bunte Maske aufsetzte. Die Menschen dürften auch wieder draußen Sport treiben. "Wir haben der gesamten Welt gezeigt, was eine Nation mit Mut, Entschlossenheit und Solidarität erreichen kann", teilte Ramaphosa auf Twitter mit.

Die meisten halten sich an die Regeln

Die Regierung hatte wochenlang Durchhaltepoarolen verbreitet. Und es scheint, als wäre die Botschaft tatsächlich bei den meisten Menschen angekommen. Doch viele sorgen sich um die Folgen für die Wirtschaft, "Wir sind alle verzweifelt. Wenn man sieht, was hier passiert und dass wir schon vorher in der Rezession waren, dann spürt man, dass die Situation ernst ist", sagte Sizwe Pamla von COSATU, dem größten Gewerkschafts-Dachverband in Südafrika.

Die Wirtschaft hatte tatsächlich schon vor dem Virus keinen guten Stand. Keine Rating-Agentur hält das Land mehr für kreditwürdig. Trotzdem hat die Regierung ein gewaltiges Hilfspaket aufgelegt in Höhe von zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Es soll in soziale Bereiche fließen und den Bedürftigen helfen, aber auch den Unternehmen - den kleinen und den großen.

"Das ist unsere Chance"

Wieviel Rückhalt Präsident Ramaphosa diesbezüglich in seiner Partei, dem ANC, hat, ist nicht klar. Ian Kirk vom großen Versicherungskonzern Sanlam stimmt das auf jeden Fall optimistisch: "Ich bin absolut davon überzeugt, dass wir wissen, was zu tun ist." Es gehe darum, "die richtigen Leute im richtigen Job mit der richtigen Unterstützung" zu haben, sagt er. "Das ist unsere Chance, die Wirtschaft auf ganz neue Beine zu stellen und sie für Wachstum zu rüsten. Wir waren bisher noch nicht so fürchterlich erfolgreich, aber jetzt ist das die Möglichkeit für uns."

Südafrika hat die Ansteckungskurve beispiellos gering gehalten. Sogar die Weltgesundheitsorganisation zog den Hut vor der Republik. Die Regeln sind hart, man darf das Haus nicht verlassen, der Verkauf von Alkohol ist verboten und Lieferdienste dürfen nur notwenige Dinge vor die Tür stellen - Essen etwa, Putzmittel oder Windeln.

Arme sind auf Lebensmittelspenden angewiesen

Das zentrale Problem in Südafrika ist aber die grassierende Armut. Viele Menschen könnten gar kein Geld ausgeben. Sie sind auf Lebensmittelhilfe angewiesen, und diese kommt: zum Beispiel von der Organisation Foodforward Südafrika. Andy du Plessis macht die Dimension der Hilfe klar:

"In Südafrika ist es so, dass Millionen von Haushalten nicht genug zu essen haben. Das kann nicht einer allein schaffen, weder die Regierung noch eine Organisation wie unsere - einer allein kann nicht alle Bedürfnisse erfüllen."

Deshalb investiert die Regierung auch enorme Summen. Nichtregierungsorganisationen liefern Lebensmittelpakete aus, Bauern verteilen Teile ihrer Ernte, Firmen beteiligen sich an Sozialfonds, Privatpersonen spenden Nahrungsmittel, und auch in den Medien laufen Sammelaktionen für die Bedürftigen. Trotzdem reicht es nicht für alle. Manchmal werden Lastwagen, die Lebensmittel liefern sollen, auch überfallen und ausgeraubt. Und doch wird das große Ziel des Lockdowns wohl erreicht: Die Regierung spielt auf Zeit, um das Gesundheitssystem vorzubereiten.

Ein Soldat verteilt Handzettel mit den Corona-Richtlinien an Bewohner von Soweto in Südafrika | Bildquelle: AP
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Wie hier in Soweto verteilen Soldaten Zettel mit den Corona-Regeln der Regierung an die Bevölkerung.

Erfahrung und das Spiel auf Zeit

Das ist gut so, sagt Glenda Davison, Gesundheitsexpertin von der Universität Kapstadt: "Ich glaube, es läuft gut hier. Ich denke, es ist ganz wunderbar, wie die privaten und die öffentlichen Krankenhäuser zusammen arbeiten. Das ist neu für Südafrika, und wir können davon für die Zukunft lernen."

Intensivbetten werden organisiert, Beatmungsgeräte gebaut und Gesichtsmasken genäht. Südafrika rüstet auf und ist dabei keineswegs unerfahren. Vielleicht, sagt Norman Mbazima vom globalen Bergbaukonzern Anglo-American Platinum, profitiert das Land von Krisen der Vergangenheit: "Wir sind doch in einer glücklichen Lage, weil wir die Strukturen schon haben. Wir gehen mit HIV, Tuberkulose und Berufserkrankungen schon jahrelang um. Deshalb stehen wir ganz gut da, wenn wir mit dem neuen Virus umgehen müssen."

Mit Informationen von Jana Genth, ARD-Studio Johannesburg

Privatleute und die Wirtschaft: Auswirkungen von vier Wochen Lockdown
Jana Genth, ARD Johannesburg
24.04.2020 12:23 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. April 2020 um 05:40 Uhr.

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