Urlauber am Strand von Magaluf | REUTERS

Urlaub unter Corona-Bedingungen Sonne, Strand - und Delta?

Stand: 03.07.2021 03:20 Uhr

Spanien gehört zu den Haupt-Reisezielen der Deutschen. Und die deutschen Urlauber sind wichtig für die spanische Wirtschaft. Doch wie klappt das mit dem Urlaub unter Corona-Bedingungen?

Von Oliver Neuroth, ARD-Studio Madrid

An der Playa de Palma auf Mallorca herrscht auf den ersten Blick wieder Normalbetrieb: Der berühmte Strand östlich der Inselhauptstadt ist gut gefüllt, die Außenbereiche der Bars und Restaurants auf der Promenade dahinter sind es ebenfalls. Hier und da bilden sich sogar Warteschlangen von Urlaubern, die auf einen freien Tisch warten.

Oliver Neuroth ARD-Studio Madrid

Auch die "Sauftouristen" sind wieder da

Für die Gastronomie auf der Insel gelten kaum noch Beschränkungen. Frank Winkler kann das Treiben in der Touristenhochburg von seiner Wohnung aus beobachten. Der Berliner ist Sprecher des Nachbarschaftsvereins Playa de Palma. "Der ganze Fächer des Tourismus ist schon wieder da", sagt er. "Wir haben natürlich Familien, die sind herzlich willkommen. Was nicht so willkommen ist, ist dieser Sauftourismus. Aber der ist auch schon voll im Gange.“

Auch wenn Discos und Clubs auf Mallorca erst Mitte Juli wieder öffnen sollen, die ersten Partyexzesse gab es schon: Urlaubergruppen haben mit kräftig Alkohol nachts an der Strandmeile gefeiert - alles andere als Corona-konform.

Inzidenzwert auf Mallorca steigt wieder

"Die Engländer, die Holländer und die deutschen Touristen - zumindest einige von denen - geben das Level vor", sagt Winkler. "Und die spanische Jugend steht da nicht hinterher."

Gerade junge Spanier sorgen auf Mallorca für Schlagzeilen: Sie haben in großen Gruppen ihre Schulabschlüsse auf der Insel gefeiert und damit für einen Corona-Ausbruch gesorgt. Mehr als 2000 junge Leute sind inzwischen positiv auf das Virus getestet worden, die meisten nach ihrer Rückkehr aufs Festland.

Aber auch auf Mallorca und den anderen Balearen-Insel selbst steigen die Corona-Zahlen immer schneller an, die Sieben-Tage-Inzidenz liegt bei rund 70. Allein von Mittwoch auf Donnerstag haben die Behörden mehr als 300 neue Corona-Fälle verzeichnet. Es ist ein Rückschlag für die Regionalregierung. Sie hatte in den vergangenen Monaten die Corona-Einschränkungen nur langsam gelockert, um die wichtige Sommersaison nicht zu gefährden. Doch wenn der Trend anhält, droht genau das.

Einstufung Kataloniens hat kaum Konsequenzen

Die Region Katalonien steht ab Sonntag wieder auf der deutschen Liste der Corona-Risikogebiete. Für Urlauber hat das kaum Konsequenzen: Sie müssen vor ihrer Rückkehr nach Deutschland sowieso einen Corona-Test machen, damit entfällt die Quarantänepflicht. Allerdings bedeutet die Einstufung als Risikogebiet, dass das Auswärtige Amt von Reisen abrät.

Auch auf den Kanaren entwickelt sich die Corona-Lage ungünstig. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt bei etwa 65. Das touristische Leben auf Gran Canaria, Teneriffa und Co. läuft aber weitgehend normal. Kanaren-Präsident Angel Victor Torres hofft, dass kein Urlauber kurzfristig seine Reise storniert. "Unsere Inseln sind jetzt besonders schön. Im Winter hat es kräftig geregnet, viele Inseln sind daher grün, an den Stränden hat sich die Fauna erholt. Wir bieten 365 Tage im Jahr Temperaturen von mindestens 20 Grad."

Tourismus wichtig für Spaniens Wirtschaft

Spanien wirbt massiv um Urlauber, sind sie doch das wirtschaftliche Standbein des Landes. Die Regierung hat die Maskenpflicht im Freien weitgehend gekippt und die Einreiseregeln gelockert: Wer aus Deutschland kommt, muss keinen negativen Corona-Test mehr vorlegen.

Britische Touristen dagegen schon: Spanien will so möglichst verhindern, dass die in Großbritannien stark verbreitete und gefährlichere Delta-Variante des Coronavirus eingeschleppt wird. In der zweiten Juni-Hälfte lag ihr Anteil in Spanien bei etwa 30 Prozent. Da in spanischen Labors aber vergleichsweise selten die Proben sequenziert werden, also der Coronavirus-Typ ermittelt wird, gehen Fachleute von einer höheren Quote aus.

Wenn Deutschland Spanien als Virusvariantengebiet einstufen sollte, hieße das: Zwangsquarantäne für Rückkehrer - und das wäre ein Totalschaden für den Tourismussommer.

Die Corona-Varianten und ihre Namen

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) setzt ab sofort auf neutrale Bezeichnungen für die Varianten des Coronavirus. Sie sollen nicht mehr nach den Ländern benannt werden, in denen sie zuerst entdeckt wurden. Damit will die WHO Diskriminierung und Stigmatisierung verhindern.

Alpha heißt die zuerst in Großbritannien aufgetauchte Variante B.1.1.7.

Beta lautet der Name für die in Südafrika entdeckte Variante B.1.351.

Gamma steht für die in Brasilien nachgewiesene Variante P.1.

Delta bezeichnet die zunächst in Indien gefundene Variante B.1.617.2.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. Juli 2021 um 08:39 Uhr.