Ortsschild in Ischgl | dpa

Streit um Skisaison Merkel für Schließung der Skigebiete

Stand: 26.11.2020 18:43 Uhr

Kanzlerin Merkel will wegen der Corona-Krise die Skigebiete in Europa geschlossen halten - stößt aber auf Widerstand aus Österreich und der Schweiz. Auch deutsche Liftbetreiber warnen vor großen Einbußen. Frankreich setzt auf eine andere Lösung.

Angesichts der anstehenden Skisaison ist eine Diskussion über Wintersport in der Corona-Krise entbrannt. Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach sich mit Blick auf Winterurlaube dafür aus, alle Skigebiete in Europa zu schließen: "Wir werden uns in Europa um eine Abstimmung bemühen, ob wir alle Skigebiete schließen könnten", sagte Merkel im Bundestag. "Es sieht leider nicht so aus, wenn man die österreichischen Verlautbarungen hört, dass uns das so einfach gelingen könnte, aber wir werden es noch einmal versuchen."

Österreich weist Forderung zurück

Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte hatte wegen der Pandemie vorgeschlagen, Skigebiete mindestens bis zum 10. Januar geschlossen zu halten und damit einen Streit unter den Alpenländern ausgelöst.

Österreichs Regierung wehrt sich vehement gegen eine europaweite Schließung der Skigebiete und weist Merkels Forderung zurück. "Diesem Vorstoß kann ich nichts abgewinnen", sagte Tourismusministerin Elisabeth Köstinger dem "Spiegel". Für eine EU-weite Regelung fehle jegliche Rechtsgrundlage. "Wir geben Frankreich auch keine Ratschläge, wann der Louvre wieder aufgesperrt werden kann. Ebenso wenig schreiben wir Italien oder Deutschland vor, wann Cafés, Restaurants oder Schulen wieder öffnen dürfen", sagte die ÖVP-Politikerin weiter. "Urlaub in Österreich ist sicher."

Kanzler Sebastian Kurz hatte sich bereits am Mittwoch gegen eine europaweite Schließung ausgesprochen. "Das hängt immer mit den Infektionszahlen zusammen, und zwar den Infektionszahlen bei uns in Österreich", so Kurz. "Wenn jemand einen Lift verwendet, dann ist das ähnlich, wie wenn er ein öffentliches Verkehrsmittel verwendet." Anhand dieser Gesichtspunkte müsse man Entscheidungen treffen.

Österreichs Finanzminister Gernot Blümel hatte Entschädigungen in Milliardenhöhe von der EU gefordert, falls Skilifte über die Weihnachtsferien stillstehen sollen. Österreich rechne dadurch mit einem Umsatzausfall von 800 Millionen Euro für jede Ferienwoche.

Auch Schweiz gegen Schließung

Widerstand kam auch aus der Schweiz: "In der Schweiz sind Bundesrat, Behörden und die Tourismusbranche überzeugt, dass der Schweizer Weg - für den Moment - richtig ist und die Wintersaison sicher stattfinden kann", sagte Markus Berger, Sprecher von Schweiz Tourismus. Das Thema sei nicht neu. "Der Ansatz einer europaweit koordinierten Betriebszeit/Saisoneröffnung der Wintersportdestinationen wurde im Kreise der Alpenländer informell bereits im Spätsommer diskutiert und als ungeeignet nicht weiter verfolgt", so Berger. "Wir gehen davon aus, dass dieser Ansatz auch jetzt nicht mehr Erfolg haben wird."

In der Schweiz sind deutsche Urlauber immens wichtig für die Skisaison. Von den 7,8 Millionen Gästen in der Wintersaison 2018/2019 kamen knapp zehn Prozent aus Deutschland. Ähnlich ist die Lage in Österreich.

Söder unterstützt Vorstoß aus Italien

Aber auch die deutschen Liftbetreiber machen Front gegen Merkels Vorstoß: Ein Wintersportverbot wäre für die betroffenen Regionen katastrophal und zudem unverständlich, sagte Matthias Stauch, Vorstand des Verbandes Deutscher Seilbahnen (VDS). Ein Wintersportverbot wäre für viele Betreiber existenzbedrohend. Die Liftbetreiber forderten eine einheitliche Regelung, sagte Strauch. "Es muss eine europäische Lösung geben."

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hingegen unterstützt den italienischen Vorstoß für eine Schließung der Skigebiete. In Bayern dürfen Skilifte, Seilbahnen und die dazugehörige Gastronomie während des Lockdowns ohnehin nicht öffnen. Wer in ein Risikogebiet reist, als das gegenwärtig unter anderem die Alpenländer Österreich, Schweiz und Liechtenstein eingestuft sind, muss bei der Rückkehr nach Bayern zehn Tage in Quarantäne. Das hat das bayerische Kabinett nach Angaben der Staatskanzlei beschlossen. Die neue Regelung gilt ab Dezember auch für Tagestouristen, eine bisher noch geltende Ausnahmegenehmigung soll ab Dezember entfallen.

Frankreich: Skigebiete offen, Lifte geschlossen

Unterdessen sollen in Frankreich zwar die Skilifte während der Festtage stillstehen, die Wintersportorte selbst aber offen sein. "Natürlich wird es für jeden (...) möglich sein, in die Ferienorte zu gehen, um die reine Luft unserer schönen Berge, die Geschäfte, die geöffnet sein werden - außer Bars und Restaurants -, zu genießen", sagte Premierminister Jean Castex. Es sei aber ganz einfach: "Alle Skilifte und öffentlichen Einrichtungen werden für die Öffentlichkeit geschlossen sein."

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 26. November 2020 um 15:50 Uhr.