Ärzte in Schutzkleidung betreuen einen Patienten auf einer Intensivstation für Covid-19-Patienten in Moskau. | Bildquelle: dpa

Corona in Russland Neuinfektionen auf Rekordhöhe

Stand: 07.05.2020 16:29 Uhr

Mehr als 11.200 Menschen haben sich innerhalb eines Tages in Russland mit dem Coronavirus infiziert. Ein neuer Rekord. Die Gesamtzahl stieg damit auf mehr als 177.000. Dennoch wird die Lockerung von Maßnahmen geplant.

Die Coronavirus-Arbeitsgruppe in Russland hat mit den neuen Fallzahlen einen neuen Rekord verkünden müssen. Demnach sind 11.231 Neuinfektionen registriert worden - so viele wie nie zuvor an einem Tag. Die Gesamtzahl der nachgewiesenen Ansteckungsfälle stieg binnen 24 Stunden auf 177.160. Mindestens 88 Menschen starben. Die Zahl der Toten liegt nach Angaben der Johns-Hopkins-University nun insgesamt bei 1625, gut 23.800 wurden wieder gesund. Moskau ist am stärksten von der Pandemie betroffen. Allein in der Hauptstadt wurden 6703 Neuinfektionen bestätigt.

Die russischen Behörden erklären die seit einer Woche stark steigenden Infektionszahlen mit einer Zunahme der Tests. Dadurch würden nun auch viele symptomfreie Fälle nachgewiesen.

Kritiker bezweifeln Angaben zur Sterberate

Mit diesen Werten liegt Russland bei der Zahl der Fälle jetzt weltweit auf dem fünften Platz und im europäischen Vergleich auf Rang vier.

Die Zahl der offiziell angegebenen Corona-Todesopfer ist mit insgesamt 1625 in Russland im internationalen Vergleich sehr niedrig. Laut Behördenangaben liegt die Sterberate bei lediglich 0,9 Prozent - in Deutschland, das im internationalen Vergleich eine sehr niedrige Rate hat, liegt sie dagegen bei 4,2 Prozent. Die russischen Behörden führen dies auf die schnelle Schließung der Grenzen und strikte Isolationsmaßnahmen zurück. Kritiker bezweifeln jedoch, dass die offiziellen Zahlen die Realität widerspiegeln.

Masken- und Handschuhpflicht in Moskaus Bussen und Bahnen

Der Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin verkündete eine Masken- und Handschuhpflicht in den öffentlichen Verkehrsmitteln. Da Fabriken und Bauwirtschaft am kommenden Dienstag die Arbeit wieder aufnähmen, werde der Andrang im Nahverkehr unweigerlich steigen, sagte er zur Begründung.

Präsident Wladimir Putin hatte die Gouverneure der Regionen am Mittwoch aufgefordert, Pläne zu einer Lockerung der Corona-Maßnahmen zu entwerfen. Gleichzeitig mahnte er zur Vorsicht: "Der Preis selbst des kleinsten Fehlers ist die Sicherheit, das Leben und die Gesundheit unseres Volkes."

Russland holt Experten zurück

Das russische Militär sollte am Donnerstag mit dem Abzug von Experten beginnen, die auf dem Höhepunkt der Corona-Welle in Italien in das Land geschickt worden waren. Die Spezialisten-Teams zum Schutz vor atomaren, chemischen und biologischen Bedrohungen würden nach Russland zurückverlegt, erklärte Verteidigungsminister Sergej  Schoigu. 

Moskau hatte sie sowie diverse Ausrüstung zur Eindämmung des Coronavirus nach Italien, China und in die USA entsandt. Dies hatte der Regierung im eigenen Land den Vorwurf eingebracht, dringend benötigte Ressourcen zu opfern. Zu Beginn des Programms im März hatte die russische Regierung erklärt, rund 100 im Umgang mit Ebola und dem Schweinefieber erfahrene Spezialisten und Schutzausrüstung würden nach Italien verlegt. Italienische Medien berichteten seinerzeit, große Teile der bereit gestellten Ausrüstung sei im Einsatz gegen das Coronavirus nutzlos.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. Mai 2020 um 13:00 Uhr.

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