Boris Johnson nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus | Bildquelle: PIPPA FOWLES/DOWNING STREET/HAND

Umgang mit dem Coronavirus Erstaunliche Einsichten und skurrile Tipps

Stand: 06.10.2020 12:52 Uhr

Vor Trump erkrankten schon andere Staats- und Regierungschefs an Covid-19, die das Virus zuvor verharmlost hatten. Im Umgang mit der Erkrankung finden sich auffällige Parallelen, aber auch Unterschiede. Ein Überblick.

Großbritannien: Einsicht nach Lebensgefahr

Die Parallelen sind erstaunlich: Auch Boris Johnson ließ nach seiner Covid-19-Diagnose als erstes verbreiten, er habe nur milde Symptome und sei in "good spirits", bei guter Stimmung. Er kam nach einer Woche Quarantäne in seinem Amtssitz ins Krankenhaus, und auch da hieß es wörtlich wie bei Donald Trump: reine Vorsichtsmaßnahme. Identische Formulierungen, als stammten sie aus demselben Handbuch der Krisenkommunikation.

Boris Johnson besucht ein Krankenhaus und trägt dabei einen Mundschutz | Bildquelle: dpa
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Nach überstandener Erkrankung räumte Johnson ein, das Coronavirus unterschätzt zu haben.

Mindestens vorübergehend hat die Krankheit die Haltung von Johnson zur Coronakrise verändert. Noch Anfang März alberte der Premierminister jovial herum, er sei gerade erst im Krankenhaus gewesen, habe allen Leuten die Hand geschüttelt, auch Corona-Patienten. Während rundum in Europa bereits Lockdowns verhängt wurden, vermittelte Johnson nur eins: alles nicht so schlimm, Händewaschen reicht. Das änderte sich schlagartig mit seiner eigenen Erkrankung, ab sofort lautete die Botschaft an seine Landsleute, sich doch bitte, bitte an die Einschränkungen zu halten.

Zwei Tage kämpfte der Regierungschef auf der Intensivstation ums Überleben. Danach, während der Erholung auf seinem Landsitz Chequers, sagt er, er wisse, wie schwer die Krankheit ist, er sei nur knapp davongekommen. Erkennbar machte Johnson anschließend den Kampf gegen die Pandemie tatsächlich auch zur Chefsache, tauchte regelmäßig bei den Pressekonferenzen zur aktuellen Lage auf und konnte bei den Einschränkungen, die er übers Land verhängte, zumindest darauf setzen, dass den Leuten klar war: Der weiß, wovon er redet. Und noch ein konkretes politisches Ergebnis hat seine persönliche Corona-Erkrankung gebracht: Johnson führt die Schwere seiner Erkrankung auf sein Übergewicht zurück - und hat jetzt nicht nur selbst abgenommen, sondern auch dem ganzen Land den Kampf gegen die Fettleibigkeit angesagt.

Thomas Spickhofen, ARD-Studio London

Johnson und sein Umgang mit der eigenen Covid19-Erkrankung
Thomas Spickhofen, ARD London
06.10.2020 10:41 Uhr

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Belarus: Wodka, Saunagänge, frische Luft

Für den belarusischen Staatschef, Alexander Lukaschenko, war die Corona-Pandemie lange Zeit nichts weiter als Panikmache. Die Menschen, so warnte er immer wieder, würden viel eher an Psychosen erkranken als an irgendeinem ominösen Virus, weil eine solche Angst verbreitet werde. Statt Schutzmaßnahmen zu ergreifen riet er seinen Bürgern, ihr Immunsystem zu stärken: mit Wodka, regelmäßigen Saunagängen und harter Arbeit an der frischen Luft.

Alexander Lukaschenko besucht im April 2020 eine Textilfabrik in Bobruisk, in der auch Mundschutz-Masken produziert werden. | Bildquelle: AP
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Im April informierte sich Lukaschenko über die Produktion von Mundschutz-Masken. Gegen das Coronavirus setzt er aber auf andere Mittel.

Für sich selbst prägte er gar den Slogan: Lieber stehend sterben, als auf Knien zu leben. Zu diesem Image des "starken Mannes" passt, dass Lukaschenko Ende Juli angab, eine Covid-19-Erkrankung symptomfrei und auf den Beinen überstanden zu haben. Politisch aber hat Corona Konsequenzen - auch für ihn. So war es Lukaschenkos laxer Umgang mit der Pandemie, der die Bürger schon vor der Wahl gegen ihn aufbrachte.

Dass der belarusische Staatschef seinen Ton nun allmählich ändert, hat aber auch damit zu tun, dass er bei der aktuellen innenpolitischen Krise auf die Unterstützung Russlands angewiesen ist - des "großen Bruders", der angeboten hat, den neu entwickelten russischen Corona-Impfstoff "Sputnik V" auch an Belarus zu liefern und dort zu testen. Ein Angebot, dass Lukaschenko in seiner Situation wohl nicht ablehnen konnte und es daher dankend angenommen hat.

Martha Wilczynski, ARD-Studio Moskau

Lukaschenko und Corona: Umdenken aus politischen Gründen
Martha Wilczynski, ARD Moskau
06.10.2020 10:44 Uhr

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Brasilien: Weiter nur "eine kleine Grippe"

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro nahm erst einmal die Maske ab, als er im Juli seine Corona-Infektion bekannt machte. Dabei stand er nur eine gute Armlänge von mehreren Reportern entfernt. Danach blieb er einige Tage im Präsidentenpalast in Isolation, was ihn offenbar ziemlich langweilte. In Erinnerung blieben Bilder, wie er im Park seines Amtssitzes Nandus fütterte und von einem der Laufvögel attackiert wurde.

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro wirft vor Medienvertretern eine Schutzmaske in die Luft. | Bildquelle: AP
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Hält Coronavirus nur für eine vorübergehende Erscheinung: Brasiliens Präsident Bolsonaro.


Auch Bolsonaro konnte es nicht lassen, während der Quarantäne seine Fans vor dem Gebäude zu begrüßen. Anders als Trump ging er allerdings zu Fuß zum Zaun und hielt korrekten Abstand ein. Mit Angestellten sprach er dagegen auch auf kurze Distanz. Schwere Symptome traten bei Bolsonaro offenbar nicht auf. Er sagte nur, er habe sich anfangs ziemlich schlecht gefühlt.

Demonstrativ schluckte er während der Quarantäne vor laufender Kamera Hydroxychloroquin. Bolsonaro ist davon überzeugt, dass dieses Malaria-Medikament ein Geschenk Gottes gegen Covid-19 sei, auch wenn es keine wissenschaftlichen Beweise für die Wirksamkeit gibt. Insgesamt hat Bolsonaro sein Verhalten nicht geändert. Er fühlt sich eher in seiner Haltung bestärkt, Covid-19 sei nur eine "kleine Grippe", die Brasilianern eigentlich nichts anhaben könne. Dabei zählt Brasilien schon fast 150.000 Tote im Zusammenhang mit der Infektion.

Ivo Marusczyk, ARD-Studio Südamerika

Bolsonaros Umgang mit seiner Corona-Infektion
Ivo Marusczyk, ARD Buenos Aires
06.10.2020 10:43 Uhr

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Über dieses Thema berichtete WDR 5 am 06. Oktober 2020 um 06:47 Uhr und 09:17 Uhr im "Morgenecho".

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