Gegner der Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie demonstrieren in Wien.  | dpa

Corona-Proteste in Österreich Innenminister warnt vor Radikalisierung

Stand: 21.11.2021 16:46 Uhr

Angesichts der Corona-Maßnahmen der Regierung warnt Österreichs Innenminister vor einer weiteren Radikalisierung der Gegner. Am Samstag hatten Zehntausende gegen die neuen Regeln protestiert - darunter auch Neonazis und Hooligans.

Nach den Protesten gegen die neuen Corona-Maßnahmen in Österreich hat Innenminister Karl Nehammer vor einer weiteren Radikalisierung der Gegner gewarnt. Das sei sein Eindruck aufgrund der Kontrollen der 2G-Regel und von Vorkommnissen bei der Demonstration der rund 40.000 Menschen in Wien, sagte der ÖVP-Politiker.

Ein konkretes Beispiel für die Gewaltbereitschaft sei ein Brandanschlag auf ein Polizeiauto in Linz. Die beiden Tatverdächtigen hätten danach zugegeben, dass sie dabei die beiden Polizisten, die sie zuvor kontrolliert hätten, töten wollten. "Das ist ein Ausmaß an Radikalisierung, das in keiner Weise hinnehmbar ist." Es gebe Morddrohungen gegen den Kanzler und den Gesundheitsminister.

Beleidigung der "Millionen Opfer der NS-Diktatur"

Bei der Demonstration hätten die meisten Menschen zwar friedlich ihren Unmut kundgetan, es habe sich aber auch gezeigt, dass "altbekannte Neonazis und Vertreter der neuen rechtsextremen Szene" versuchten, die Stimmung aufzuheizen. Zu den Vorfällen habe die Verharmlosung des Holocausts gehört, indem sich Demonstranten mit Judenstern als "ungeimpft" kenntlich gemacht hätten.

Außerdem sei Kanzler Alexander Schallenberg mit dem KZ-Arzt Josef Mengele verglichen worden. Mengele hatte während des Nazi-Regimes viele Juden durch medizinische Versuche umgebracht. "Das ist nicht nur völlig geschmacklos, sondern verharmlost die Verbrechen der Nationalsozialisten und beleidigt die Millionen Opfer der NS-Diktatur und deren Angehörige", sagte Nehammer.

Zudem wurden während der Demonstration Kamerateams und Journalisten beschimpft und auch angegriffen. Nach Polizeiangaben wurden insgesamt 400 Anzeigen erstattet, mindestens sechs Menschen seien festgenommen worden. Insgesamt waren mehr als 1300 Polizisten aus verschiedenen Bundesländern im Einsatz.

Druck auf Ungeimpfte ist groß

Zu den Protesten hatte unter anderem die rechte FPÖ aufgerufen. FPÖ-Chef Herbert Kickl, der den Demonstrationszug eigentlich anführen wollte, war allerdings nicht dabei. Er hatte sich mit dem Coronavirus infiziert und befindet sich in Quarantäne.

In Österreich ist der Druck auf Ungeimpfte enorm. Es herrschen eine 3G-Regel am Arbeitsplatz, eine 2G-Regel, die Ungeimpfte aus weiten Teilen des öffentlichen Lebens ausschließt, sowie ab Montag ein Lockdown für alle. Während diese Maßnahme für Geimpfte und Genesene am 13. Dezember enden soll, gilt sie danach für Ungeimpfte unbefristet fort.

Das Land leidet unter einer massiven Corona-Welle mit einer Sieben-Tage-Inzidenz weit über 1000 Fällen pro 100.000 Einwohner. Derzeit werden täglich mehr als 15.000 Neuinfektionen gezählt - die Impfrate liegt mit 66 Prozent unter dem europäischen Durchschnitt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 20. November 2021 um 20:00 Uhr.