In Paris demonstrieren Menschen gegen den Corona-Gesundheitspass, den die französische Regierung einführen will. | REUTERS

Frankreich, Italien, Griechenland Proteste gegen Corona-Maßnahmen

Stand: 25.07.2021 13:23 Uhr

Gegen den Gesundheitspass, gegen Impfungen, gegen Einschränkungen - in mehreren europäischen Städten gingen am Wochenende Zehntausende auf die Straße. Die größten Proteste gab es in Frankreich. Einige Randalierer wurden festgenommen.

In Frankreich, Italien und Griechenland haben am Wochenende Zehntausende Menschen gegen schärfere Corona-Regeln und gegen Einschränkungen für Ungeimpfte demonstriert. Die Regierungen in allen drei Ländern haben zuletzt die Corona-Maßnahmen angesichts steigender Infektionszahlen wieder verschärft. In Frankreich wurde eine Impfpflicht für Gesundheitspersonal auf den Weg gebracht, in Griechenland ist eine solche bereits verfügt worden.

Zudem planen die Regierungen in Italien und Frankreich, den Zugang zu vielen Örtlichkeiten an den Nachweis einer Corona-Impfung, eines negativen Testergebnisses oder einer Genesung zu koppeln. In Frankreich könnten solche Nachweise bald etwa für Fernzüge und Einkaufszentren zur Pflicht werden, in Italien müssen entsprechende Nachweise ab dem 6. August etwa für den Besuch von Innenbereichen von Gaststätten und Fitnessstudios vorgelegt werden.

Mehr als 160.000 Demonstranten in Frankreich

Nach Behördenangaben gingen in Frankreich landesweit mehr als 160.000 Menschen auf die Straße. In Paris skandierten die Demonstranten unter anderem "Freiheit, Freiheit" und riefen zum Sturz von Präsident Emmanuel Macron auf, den sie als "Tyrannen" bezeichneten. Nach einer Versammlung auf dem Place de la Bastille marschierten sie durch den Osten von Paris.

Tausende schlossen sich zudem einer Kundgebung nahe der Seine und dem Eiffelturm an, die ein früherer Funktionär von Marine Le Pens rechter Partei Rassemblement National organisiert hatte. Unter den Teilnehmern fanden sich auch Anhänger der sogenannten Gelbwesten-Bewegung. Beobachtern zufolge wollen sie sich nun die Wut über das geplante Pandemiegesetz zunutze machen, um die Bewegung wieder anzufachen.

Anhänger der Gelbwesten-Bewegung protestieren in Paris gegen die Corona-Maßnahmen der Regierung. | REUTERS

Die sogenannte Gelbwesten-Bewegung versucht, die Corona-Proteste für sich zu nutzen. Bild: REUTERS

Zusammenstöße mit der Polizei

Die Proteste verliefen zwar weitgehend ruhig, doch kam es am Rande des Marschs zu Tumulten. Bereitschaftspolizisten setzten Tränengas gegen Teilnehmer ein, nachdem jemand einen Stuhl auf einen Beamten geschleudert hatte. In einem Video vom Vorfall waren auch andere Wurfgeschosse zu sehen. Auch Wasserwerfer feuerte die Polizei auf gewalttätige Protestierende ab. Innenminister Gérald Darmanin verurteilte im Kurzbotschaftendienst Twitter die Gewalt.

Damarins Angaben zufolge gab es neun Festnahmen in der Hauptstadt. Proteste fanden darüber hinaus in mehr als hundert weiteren französischen Städten statt, darunter Toulouse, Lyon, Straßburg, Lille, Nizza, Montpellier und Marseille. Bereits am Wochenende zuvor war es in Frankreich zu Protesten gekommen.

Demonstration in Paris gegen die Zwangsimpfung für bestimmte Arbeitnehmer | AFP

Paris: Demonstranten nehmen auf der "Droits de l'homme"-Esplanade am Trocadero-Platz an einem Protest gegen die Impfpflicht für bestimmte Arbeitszweige und den von der Regierung geforderten obligatorischen Impfpass teil. Bild: AFP

Die Demonstranten stehen allerdings nicht für die Mehrheit der Bevölkerung: In einer Umfrage des Instituts Elabe für den Sender BFMTV vom 13. Juli sprachen sich 76 Prozent der Franzosen für die Impfpflicht aus. Auch der Gesundheitspass stößt mehrheitlich auf Zustimmung. Die meisten Erwachsenen in Frankreich sind schon vollständig geimpft.

Widerstand gegen Einführung von "Grünem Pass"

Weit weniger Menschen als in Frankreich beteiligten sich in Italien an Protesten gegen die neuen Corona-Maßnahmen der Regierung. In der Hauptstadt Rom wurden etwa 3000 Demonstranten gezählt. Sie riefen "Freiheit" und "Nieder mit der Diktatur". Mehrheitlich trugen sie keine Masken. Die Proteste fanden außer in Rom auch in Neapel, Turin und Mailand statt. In Genua trugen Demonstranten gelbe Juden-Sterne, auf denen "ungeimpft" stand.

Italien führt am 6. August ebenfalls einen Gesundheitspass für den Zugang zu geschlossenen Räumen wie Bars und Restaurants, aber auch Schwimmbädern, Sporthallen, Museen, Kinos und Theatern sowie Spielhallen ein. Betreibern, die die Maßnahmen nicht umsetzen, drohen empfindliche Strafen. Das als "Grüner Pass" bekannte Dokument wird an Menschen ausgegeben, die ihre erste Impfdosis erhalten haben, aber auch an diejenigen, die von Covid-19 genesen sind oder in den 48 Stunden zuvor negativ getestet wurden.

Proteste gegen die Corona-Politik in Rom | EPA

Die Einführung eines Gesundheitspasses trifft auch in Italien auf Widerstand. Bild: EPA

Seit der Bekanntgabe der Maßnahme am Donnerstag stiegen die Buchungen von Impfterminen in einigen kleineren Regionen nach Behördenangaben um 200 Prozent. Bisher wurde mehr als die Hälfte der italienischen Bevölkerung über zwölf Jahre vollständig geimpft.

Impfgegner randalieren in Athen

Bei Krawallen auf einer Demonstration von Impfgegnern in der griechischen Hauptstadt Athen hat die Polizei 25 Menschen vorübergehend festgenommen. Zuvor hatten sich nach Angaben der Behörden mehrere Tausend Menschen auf dem zentralen Athener Syntagma-Platz versammelt, um gegen die teilweise Corona-Impfpflicht zu protestieren, die es in Griechenland inzwischen gibt.

Nach einer friedlichen Kundgebung eskalierte die Situation, als Demonstranten Brandsätze und Steine auf die Einsatzkräfte warfen und diese Wasserwerfer und Tränengas einsetzten. In Griechenland und auch auf Zypern kommt es derzeit immer wieder zu Demonstrationen gegen die Corona-Impfkampagnen, die zum Teil auch in Gewalt münden. Bei den Impfgegnern handelt es sich zu einem Großteil um religiöse Eiferer und Rechtsextreme. Sie gehen auf die Straße, seit die Regierung angesichts steigender Infektionszahlen den Druck auf ungeimpfte Bürger verstärkt.

So wurde vor zwei Wochen verfügt, dass Mitarbeiter im Pflege- und Gesundheitssektor verpflichtet sind, sich gegen Corona impfen zu lassen. Sie können sonst ohne Gehalt von ihrer Arbeit freigestellt werden. Auch dürfen geschlossene Räume im Gastro- und Kulturbereich, etwa Clubs und Theater, nur noch von Geimpften besucht werden. Auch in Griechenland ist inzwischen mehr als die Hälfte der Bevölkerung gegen Covid-19 geimpft.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 25. Juli 2021 um 11:25 Uhr.