Konzertbesucher in einem Konzertsaal bei einem Konzert der Band Indochine | Anthony Ghnassia / Indochine

Testkonzert in Paris Endlich wieder live!

Stand: 30.05.2021 12:19 Uhr

Feiernde, tanzende Menschen bei einem Livekonzert, das gab es in Paris wegen der Corona-Pandemie schon länger nicht mehr. 5000 hatten das Glück, für einen Feldversuch ausgelost zu werden.

Von Sabine Wachs, ARD-Studio Paris

Es ist ein Gänsehautmoment in der Accor-Arena in Paris. Schon bei DJ-Set, der Vorband. 5000 Menschen stehen dicht an dicht im Innenraum des Konzertsaals, tanzen, klatschen feiern, es ist knallvoll. Normalerweise passen 6500 Leute hier rein, der Saal ist fast normal besetzt. Der Beat geht von der kleinen Zehe direkt bis in den Bauch. Die maskierte Menge geht mit - im Takt. In diesem Moment kommt ein lange verloren geglaubtes Gefühl zurück - mit Wucht.

Sabine Wachs ARD-Studio Paris

"Man kann einfach vergessen, was da draußen los ist"

"Das war super, das war ein Hammer-Konzert", sagt Jean. "Selbst mit der Maske, kein Problem. Ich hätte nicht gedacht, dass ich sie die ganze Zeit trage, aber nach einer Minute war sie vergessen". "Man kann einfach vergessen, was da draußen los ist. Das war toll", sagt Baptiste. Die beiden gehören zu den 5000 Probanden, die für das Pariser Corona-Test-Konzert ausgelost wurden. Mehr als 20.000 Menschen hatten sich beworben.

Gut drei Stunden vor Konzertbeginn, der wegen der noch immer geltenden Ausgangsperre auf 18 Uhr gelegt wurde, sammeln sich die Menschen vor der Arena. Ordner fordern sie auf, ihr negatives Testergebnis parat zu halten - die Kontrolle braucht Zeit. Abgesehen davon achten sie draußen noch auf die Abstände, die drinnen nicht mehr gelten. Einige Konzertbesucher, wie die 19-jährige Lucie sind sich noch nicht ganz sicher, wie sie das denn finden: "Das ist schon ein bisschen komisch. Man könnte sich da ja schon leicht Corona einfangen. Aber wir sind ja alle mehrfach getestet. Von daher wird das schon gehen."

Bei einer Konzertbesucherin wird ein Coronatest durchgeführt. | Jean-Louis Carli / Aléa / PRODISS

Vor dem Konzert wird diese Besucherin auf das Coronavirus getestet. Bild: Jean-Louis Carli / Aléa / PRODISS

Künstler hoffen auf Konzerte im Herbst

Wie schon bei anderen Testkonzerten in Europa wurden auch die Menschen in Paris drei Tage vor und am Tag des Konzerts selbst getestet. Sieben Tage nach dem Konzert müssen sie einen Speicheltest an die Pariser Krankenhausgesellschaft APHP schicken. Eine Vergleichsgruppe von 2500 Menschen schaut das Konzert zu Hause, auch sie muss den Speicheltest eine Woche später verschicken.

Anders aber als bei einem Test-Konzert in Barcelona Ende März, muss das Publikum keine FFP2-Masken tragen. Die medizinische Maske reiche, erklärt Angelo Gopee von der Künstlergewerkschaft Prodisse, die das Konzert zusammen mit der APHP durchführt: "Wir haben Kameras, die filmen und wir können sehen, wie die Menschen die Maske tragen, wann und wie oft sie sie abnehmen. Wir hoffen, dass die Studie zeigen wird, dass Konzertsäle unter bestimmten Bedingungen keine Übertragungsorte sind und dass wir im Herbst auch drinnen wieder loslegen können."

Konzertbesucher mit Gesichtsmaske tanzen. | Jean-Louis Carli / Aléa / PRODISS

Getestet und mit Maske tanzten 5000 Besucherinnen und Besucher. Bild: Jean-Louis Carli / Aléa / PRODISS

Staatlich finanzierter Feldversuch

Die französische Rockband "Indochine" hatte sich schon Ende vergangenen Jahres bereit erklärt, bei einem Test aufzutreten. Sie spielt an diesem Abend kostenlos. Aber auch ohne Gage für die Künstler ist das Konzert ein teurer Spaß. 1,4 Millionen Euro, unter anderem finanziert vom Staat, der Stadt Paris und der Region Ile de France. 900.000 Euro davon allein für die Corona-Tests.

Geld, das sich - sollte das Experiment positiv ausfallen - lange nicht jeder Konzertveranstalter leisten kann, ohne die Ticketpreise zu erhöhen. Staatliche Unterstützung wäre auch weiter nötig. Trotzdem könnte es ein erster Schritt in Richtung Normalität sein. Wie sehr die gefehlt hat, spürt man an diesem Abend im Saal. Emotion pur auf und vor der Bühne. Eine Band, die nicht nur alles gibt, sondern sich überschwänglich bei ihrem Publikum bedankt und Konzertbesucher, die auch nach Ende des Konzerts, draußen vor der Arena nicht mehr aufhören wollen zu jubeln.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 30. Mai 2021 um 12:10 Uhr in der Sendung "Studio 9 kompakt".