Krankenhauspersonal demonstriert in Harare/Simbabwe | Bildquelle: AARON UFUMELI/EPA-EFE/Shuttersto

Corona-Pandemie Mehr als 500.000 Infizierte in Afrika

Stand: 08.07.2020 16:33 Uhr

Die Zahl der Kranken in Afrika steigt, Kliniken und Ärzte sind überlastet. Nirgendwo sonst trifft das Virus auf ein so schlecht vorbereitetes Gesundheitssystem wie auf dem afrikanischen Kontinent.

Afrika hat in der Corona-Pandemie mit inzwischen mehr als einer halben Million bestätigte Fälle eine bittere Wegmarke überschritten. Auf dem Kontinent sind mehr als 508.000 Infektionen nachgewiesen worden, wie aus Zahlen des afrikanischen Zentrums für Seuchenkontrolle und Prävention hervorgeht.

Südafrika hatte zuvor an einem Tag mehr als 10.000 neue Fälle registriert. Das Land gilt als einer der aktuellen Brennpunkte der Pandemie. Unklar ist, wie hoch die Zahl der Corona-Fälle unter den rund 1,3 Milliarden Bewohnern des afrikanischen Kontinents mit 54 Ländern tatsächlich ist. Denn es herrscht weiter großer Mangel an Material für Tests.

Auf 1000 Einwohner kommen nur 0,3 Ärzte

Die Afrika-Direktorin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Matshidiso Moeti, sprach von einem "gewaltigen Problem, einer echten Krise", was den Zugang zu Ausstattung anbelange. Bisher wird vor allem in den Hauptstädten auf das Virus getestet, doch hat es sich in vielen Fällen auch auf dem Land ausgebreitet.

Hinzu kommt, dass die Gesundheitssysteme in Afrika so unterfinanziert sind und so wenige medizinische Fachkräfte beschäftigen wie nirgends sonst auf der Welt. Auf 1000 Einwohner auf dem Kontinent kommen laut der WHO gerade einmal 2,2 Angestellte im Gesundheitssektor - und 0,3 Ärzte. Mehr als 2000 medizinische Fachkräfte hätten sich demnach zudem schon mit dem Coronavirus angesteckt.

Pflegepersonal demonstriert für bessere Schutzkleidung

Erst in dieser Woche traten Ärzte und Pflegepersonal in Nigeria, Simbabwe, Kongo und Sierra Leone in den Streik oder demonstrierten für angemessene Schutzbekleidung oder bessere Bezahlung.

Und selbst wenn den Ländern dringend benötigte Ausrüstung wie Beatmungsgeräte bereitgestellt würde, sehen Experten ein weiteres Problem: Es gebe nicht genügend Fachleute, um die Geräte zu bedienen.

Lieferungen von Hilfsgütern stocken

Trotz steigender Corona-Fallzahlen auf dem afrikanischen Kontinent entscheiden sich immer mehr Länder, ihren Luftverkehr wieder für kommerzielle Flüge zu öffnen. Denn auch die Wirtschaft kranke, heißt es aus den Hauptstädten.

Mit monatelangen Grenzschließungen gewannen die Staaten zwar Zeit für die Vorbereitung auf die Pandemie, doch gingen damit auch Lieferungen gegen Hunger und Krankheit zurück.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. Juli 2020 um 19:07 Uhr.

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