Ein Mitarbeiter des Gesundheitswesens bereitet sich in Südafrika auf die Durchführung von Coronatests vor. | dpa

Modellrechnungen Omikron könnte Delta schon bald ablösen

Stand: 02.12.2021 16:46 Uhr

Schon in wenigen Monaten könnte die neue Variante des Coronavirus in Europa vorherrschend sein. Das ergaben Modellrechnungen der EU-Krankheitsbekämpfungsbehörde ECDC. Auch in Afrika wächst diese Sorge.

Die EU-Krankheitsbekämpfungsbehörde ECDC rechnet damit, dass Omikron in ein paar Monaten zur vorherrschenden Corona-Variante in Europa werden könnte. "Auf Grundlage der mathematischen Modellrechnungen der ECDC gibt es Hinweise, dass Omikron binnen weniger Monate mehr als die Hälfte aller Sars-CoV-2-Infektionen in der EU/im Europäischen Wirtschaftsraum verursachen könnte", heißt es in einem Bericht der EU-Behörde zur Einschätzung der Bedrohungslage. Derzeit herrscht die Delta-Variante in Europa vor.

Südafrikanische Wissenschaftler hatten die neue Corona-Variante vor einer Woche erstmals nachgewiesen. Sie weist bisher 32 Mutationen auf, sodass zu befürchten ist, dass sie leichter übertragbar ist.

Massiver Anstieg der Fallzahlen in Afrika

In Afrika nehmen derweil die Infektionszahlen deutlich zu. Mit Botsuana, Ghana, Nigeria und Südafrika sei Omikron mittlerweile in vier Ländern des Kontinents nachgewiesen, sagte am John Nkengasong von der Gesundheitsorganisation der Afrikanischen Union (Africa CDC).

In ganz Afrika seien in der vergangenen Woche 52.300 Neuinfektionen gezählt worden - das ist ein Anstieg um 105 Prozent im Vergleich zur Vorwoche. 31.000 Neuinfektionen entfielen auf Südafrika.

Überstandene Infektion wohl kein Schutz vor Omikron

Fast 80 Prozent aller DNA-sequenzierten Corona-Testergebnisse in Südafrika zeigten eine Infektion mit der Omikron-Variante an, sagte Anne von Gottberg, Mikrobiologin am Nationalen Institut für übertragbare Krankheiten in Johannesburg. "Es sieht daher so aus, als ob Omikron im Land vorherrscht." Zudem deuteten erste Analysen darauf hin, dass die Anzahl der Reinfektionen in Südafrika ansteige. "Wir schließen daraus, dass die Bevölkerung anfälliger für Omikron als Delta sein könnte", so Gottberg.

Nach vorläufigen Einschätzung schütze eine überstandene Corona-Infektion nicht vor einer Infektion mit der neuen Omikron-Variante, so Gottberg. Die Frage werde weiter erforscht. Es gebe allerdings Anzeichen, dass der Krankheitsverlauf bei Omikron weniger schwerwiegend sei, wenn es sich um eine Reinfektion handele oder der Patient geimpft sei.

Fälle auch in Norwegen, Frankreich und Indien

Aus immer mehr Ländern werden Omikron-Infektionen gemeldet. So infizierten sich in der norwegischen Hauptstadt Oslo mindestens 50 Menschen mit der Coronavirus-Variante. Laut Stadtverwaltung gingen die Fälle auf die Weihnachtsfeier eines Unternehmens in einem Restaurant zurück. Mit weiteren Infektionen werde gerechnet.

Frankreichs Gesundheitsbehörden meldeten den ersten bestätigten Fall auf dem französischen Festland. Die regionale Behörde Île-de-France teilte mit, dass ein zwischen 50 und 60 Jahre alter Mann aus Paris nach der Rückkehr von einer Reise nach Nigeria positiv getestet worden sei.

In Indien wurden zwei Infektionsfällle mit der Omikron-Variante entdeckt. Infiziert haben sich zwei ausländische Männer im südlichen Bundesstaat Karnataka, wie Mitarbeiter des Gesundheitsministeriums mitteilten. Der 66-Jährige und der 46-Jährige seien im November im indischen "Silicon Valley" Bengaluru eingereist und würden überwacht.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 02. Dezember 2021 um 20:00 Uhr.