Sebastian Kurz | Bildquelle: dpa

Coronavirus in Österreich "Bleiben Sie zu Hause"

Stand: 16.03.2020 03:39 Uhr

Bundeskanzler Kurz schwört seine Landsleute auf tiefe Einschnitte in ihrem Alltag vor. Die Bewegungsfreiheit werde massiv eingeschränkt, denn die Ausbreitung des Virus treffe das Land hart.

Von Clemens Verenkotte, ARD-Studio Wien

Diese Woche werde für Österreich eine herausfordernde Zeit. Mit diesen Worten stimmte Bundeskanzler Sebastian Kurz seine Landsleute auf die weitgehenden Einschränkungen der Bewegungsfreiheit und des öffentlichen Lebens ein, die ab heute in Kraft treten.

In einer Sondersendung des ORF betonte Kurz: "Ja, die Schulen werden geschlossen, aber es gibt Betreuung. Ja, die Geschäfte werden geschlossen, aber die Lebensmittelversorgung ist sichergestellt. Ja, es gibt keine Möglichkeit mehr, Veranstaltungen durchzuführen und ja, es gibt auch Einschränkungen der Bewegungsfreiheit."

Polizeikontrollen in Parks

"Bleiben Sie zuhause", appellierte der Kanzler zum wiederholten Male. Nur drei Gründe würden es rechtfertigen, die eigenen vier Wände zu verlassen: Um nicht aufschiebbare Arbeit zu leisten, Versorgungsgüter einzukaufen und anderen Personen zu helfen.

Sport- und Spielplätze sowie Parks würden geschlossen, ab heute werde die Polizei kontrollieren, ob die neuen Vorschriften befolgt würden. Spaziergänge draußen an der frischen Luft sollten alleine oder nur mit denjenigen unternommen werden, mit denen man zusammenlebe.

"Der Schritt Deutschlands kam nicht überraschend"

Kurz kündigte ebenfalls an, den Flugverkehr von und nach Österreich bald weitgehend einzustellen und rief Landsleute im Ausland zur raschen Rückkehr aus ihren Urlaubsorten auf: "Der Flughafen ist jetzt schon auf einen Betrieb von 20 Prozent heruntergefahren. Österreicherinnen und Österreicher, die im Ausland sind, können jetzt noch heimgeholt werden. Wir versuchen, alle heimzuholen, die auch wollen, aber es ist sicherlich davon auszugehen, dass wir das nach einer gewissen Zeit abgeschlossen haben und dann auch der Flugverkehr ausschließlich zum Erliegen kommen wird."

Die Entscheidung Berlins, ab heute die Grenzen für den Personenverkehr zu mehreren Nachbarländern weitgehend zuzumachen, auch zu Österreich, bewerte Sebastian Kurz im ORF mit den Worten: "Der Schritt Deutschlands kam nicht überraschend. Auch wir schließen unsere Grenzen. Das ist ja vollkommen normal. Es würde ja keinen Sinn machen, wenn wir in Österreich auf Notbetrieb herunterfahren, alles tun, dass sich die Krankheit nicht weiter ausbreitet, und gleichzeitig die Krankheit aus dem Ausland importieren und hereinschleppen."

"Unglaubliche Härte"

Die Ausbreitung des Coronavirus treffe Österreich und die Europäische Union mit einer "unglaublichen Härte", in Italien stehe das Gesundheitssystem vor dem Zusammenbruch. Sterbende müssten sich per Telefon von ihren Angehörigen verabschieden. Er sage dies nicht, um Angst zu machen, sondern weil es der Wahrheit entspreche und immer noch Menschen gebe, auch in Entscheidungsfunktionen, die versuchten, die Situation zu verharmlosen.

Österreich im Notbetrieb - weitgehende Einschränkung der Bewegungsfreiheit
Clemens Verenkotte, ARD Wien
16.03.2020 07:04 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL am 16. März 2020 um 03:10 Uhr.

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