Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) und Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) im Rahmen einer Pressekonferenz nach einer Videokonferenz der Bundesregierung mit den Landeshauptleuten im Bundeskanzleramt in Wien | Bildquelle: dpa

Steigende Infektionszahlen Österreich verschärft Corona-Regeln

Stand: 19.10.2020 15:47 Uhr

Österreich will einen zweiten Lockdown verhindern. Nachdem die Corona-Infektionszahlen in einigen Regionen in den letzten Wochen stark gestiegen sind, gelten deshalb ab Freitag schärfere Regeln.

Von Wolfgang Vichtl, ARD-Studio Wien

In den letzten drei Wochen hat sich die Zahl der Infizierten in Österreich verdoppelt. Und es ist dieser Trend, der die österreichische Bundesregierung jetzt zum Handeln treibt. Denn wenn das so weitergeht, könnten es im Dezember 6000 neue Fälle sein - pro Tag. Bezogen auf die Einwohnerzahl entspräche das in Deutschland einem Wert von rund 55.000 Neuinfizierten.

Damit wäre ein zweiter Lockdown fällig, mit allen negativen Folgen für Österreichs Wirtschaft, vor allem für die anstehende Wintersaison in den Skigebieten. Das will Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz auf jeden Fall verhindern. Deshalb hat er jetzt etwas schärfere Regeln angekündigt. "Unpopuläre Maßnahmen", wie Kurz selbst sagte, doch "leider notwendig", weil "viele zu leichtsinnig geworden sind".

Ein Blick auf die Hänge am Stubaier Gletscher in Tirol. | Bildquelle: dpa
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Ein Blick auf die Hänge am Stubaier Gletscher in Tirol. Durch die strengeren Corona-Maßnahmen soll die anstehende Ski-Saison gerettet werden.

Ein "rot-weiß-roter" Kraftakt

Die kommenden Monate würden ein "rot-weiß-roter Kraftakt" werden, "schlicht und ergreifend, weil wir alle in Österreich und in Europa Corona-müde sind, es aber noch Monate dauern kann, bis wir einen Durchbruch erzielen und eine Trendwende einleiten können", so Kurz.

Den ganzen Sonntag hatte der Bundeskanzler mit den Landeshauptleuten telefoniert, um am Ende eine "gemeinsame Geschichte", erzählen zu können. Sprich: Bundesweit einheitliche Verschärfungen durchsetzen zu können.

Die Bevölkerung stimmte er mit einer Facebook-Ansprache am Sonntagvormittag ein: Die Lage sei Ernst, so der Tenor. Am Montagmorgen dann nochmal letzte Abstimmungen mit den Bundesländern. Österreichs Kanzler Kurz ist da in einer ähnlichen Rolle wie Bundeskanzlerin Angela Merkel, er braucht die Mitarbeit der Bundesländer.

Maske ist fast überall Pflicht

Nun gilt ab kommenden Freitag: Nur noch maximal sechs Personen dürfen sich drinnen treffen, maximal zwölf Personen im Freien. Bitte immer mit Maske. Das gilt fast überall: Im Restaurant, beim Yoga-Kurs, in der Tanzschule, bei Geburtstagsfeiern. Ausnahme sind Begräbnisse.

Bei Großveranstaltungen gilt: Künftig dürfen nur noch 1000 Besucher in die Halle oder den Konzertsaal, ins Stadion maximal 1500. Alle ausschließlich mit Maske, keine Getränke, kein Essen. Die geltenden Regeln bleiben bestehen, Abstand und Maske, wo immer möglich.

Spielraum für die Bundesländer

Die Bundesländer, so sieht es das geltende Covid-Maßnahmen-Gesetz vor, können diese Regeln jederzeit verschärfen, regional begrenzt, wenn es nötig ist. Das kann heißen: Regionale Alkoholverbote und frühe Sperrstunden.

Österreichweit gab es dazu offenbar keine Einigung, weil sich beispielsweise Wiens Bürgermeister Michael Ludwig sperrte. Sein Argument: Im Restaurant gebe es wenigstens ein Sicherheitskonzept. Wenn die Leute zu Hause weiter trinken, gebe es das nicht.

 

Österreich: Schärfere Corona-Regeln ab Freitag
Wolfgang Vichtl, ARD Wien
19.10.2020 14:34 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell im Hörfunk am 19. Oktober 2020 um 15:51 Uhr.

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