Großbritanniens Premierminister Boris Johnson bei einer Fernsehansprache  | AP

Johnson zu Coronakrise "Wir müssen jetzt Maßnahmen ergreifen"

Stand: 22.09.2020 21:57 Uhr

In einer emotionalen Fernsehansprache hat Premier Johnson die Briten darauf eingeschworen, die neuen Corona-Regeln einzuhalten. So könne auch das Wirtschaftsleben des Landes erhalten werden.

Nach der Vorstellung schärferer Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie hat sich der britische Premier Boris Johnson an die Menschen in seinem Land gewandt. Der Kampf gegen die Epidemie sei "die größte Krise, die die Welt in meiner Lebenszeit zu bewältigen hat", sagte er in einer Fernsehansprache.

Johnson forderte die Briten auf, sich an die neuen Regeln zu halten, die er zuvor dem Parlament dargelegt hatte. Die Wirtschaft sehe er durch die neuen Corona-Beschränkungen gefährdet: "Wir müssen jetzt Maßnahmen ergreifen", sagte er, "auf diese Weise können wir Menschen in Arbeit halten, unsere Geschäfte und Schulen offen halten und unser Land in Bewegung halten, während wir zusammenarbeiten, um das Virus zu unterdrücken". Dafür sei gesunder Menschenverstand die wirksamste Waffe.

Johnson erwägt Militäreinsatz

Zuvor hatte Johnson im Parlament erklärt, er wolle zur Kontrolle schärferer Corona-Maßnahmen in England möglicherweise auch das Militär einsetzen. Man werde die schärferen Corona-Maßnahmen streng überprüfen und bei Verstößen Geldstrafen verhängen, verkündete er. Die Polizei werde dabei präsenter in den Straßen des Landes sein, gegebenenfalls könne zur Verstärkung auch das Militär eingesetzt werden.

Für England verschärfte der Premier die Schutzvorkehrungen: Pubs und Restaurants sollen von Donnerstag an spätestens um 22 Uhr schließen. Außerdem wird nur noch Service am Tisch erlaubt sein. Zudem wird die Maskenpflicht weiter ausgeweitet: Auch in Taxis oder Geschäften soll das Maskentragen künftig verpflichtend sein, genauso wie in Pubs oder Restaurants, wenn man sich gerade nicht an seinem Sitzplatz befindet. Hochzeiten sind nur noch mit 15 Teilnehmern erlaubt.

Außerdem forderte Johnson Arbeitnehmer wieder auf, wenn möglich von Zuhause zu arbeiten - eine Kehrtwende, nachdem er wochenlang eine große "Back to Office"-Kampagne ("Zurück ins Büro") propagiert hatte.

Regeln erst einmal für sechs Monate

Die neuen Vorgaben sollen voraussichtlich sechs Monate lang gelten. "Diese Regeln werden nur funktionieren, wenn sich alle daran halten", betonte Johnson. Für den Fall, dass die Infektionszahlen weiter ansteigen, stellte der konservative Politiker eine Verschärfung der Maßnahmen in Aussicht.

Die neuen Maßnahmen gelten für England, da in Schottland, Nordirland und Wales die regionalen Regierungen darüber bestimmen. Nach einem Treffen mit den Ministern der anderen Landesteile kündigte Johnson jedoch an, dort würden ähnliche Maßnahmen getroffen. Nordirland und Schottland gehen allerdings noch einen deutlich Schritt weiter: Dort sollen sich Angehörige verschiedener Haushalte bis auf wenige Ausnahmen nicht mehr besuchen dürfen.

Über dieses Thema berichtete am 22. September 2020 tagesschau24 um 15:00 Uhr und die tagesschau um 20:00 Uhr.