Mautstation am Brenner-Pass | imago images/kolbert-press
Reportage

Tourismus am Brennerpass Warten auf die Deutschen

Stand: 03.06.2020 13:56 Uhr

Sehnsüchtig hofft die Tourismus-Branche in Italien auf die Rückkehr der Urlauber. Nach der Grenzöffnung haben sich bereits erste deutsche Reisende über den Brennerpass gewagt.

Von Elisabeth Pongratz, ARD-Studio Rom

"Endlich, endlich, wir haben lange gewartet. Jetzt sind die Grenzen offen. Ab nach Italien", sagt Frieder Georg. Am Abend ist Georg in München losgefahren, um pünktlich um Mitternacht die Grenze nach Italien zu überqueren. Mit seiner Frau Viola steht er nun sichtlich fröhlich neben seinem Auto, auf italienischem Boden. "Ich freue mich schon sehr, hier zu sein."

Elisabeth Pongratz ARD-Studio Rom

Seit 20 Jahren besitzen die beiden ein Haus in den Marken in Ostitalien - ein mulmiges Gefühl haben sie bei der Reise dort hin nicht. Italienische Freunde berichteten dem Paar vorab über Lockerungen und wie zum Beispiel die Einkaufssituation vor Ort ist. "Ich mache mir auch nicht viele Sorgen. Vieles ist ja doch sehr ähnlich gestaltet, wie es in Deutschland ist", so Viola Georg.

Ähnliche Regeln wie in Deutschland

Tatsächlich gelten in Italien ähnliche Regeln wie in Deutschland, teilweise verschärft. Die wichtigste Regel lautet: Abstand halten - ob beim Bummel durch die Stadt, bei der Besichtigung oder am Strand. In Innenräumen ist die Atemschutzmaske Pflicht, vielerorts werden die Daten der Besucher notiert, um bei einem möglichen Infektionsfall die Anwesenden kontaktieren zu können. Auch muss man vorher oft reservieren, beispielsweise in den Vatikanischen Museen.

Gerade bei den Hotels ist die Buchung vorher wichtig: Denn viele Unterkünfte hatten wegen der unsicheren Lage bis vor Kurzem geschlossen und können sich erst jetzt auf die Wiedereröffnung vorbereiten.

Trotz der schwierigen Umstände machten sich Deutsche auf den Weg, um die Grenze am Brennerpass mit dem Auto, dem Kombi oder dem Wohnmobil zu passieren, stellt Christian Seehauser von der Autobahnraststätte Lanz in Südtirol fest: "Es scheint, dass es sich normalisiert."

 

Region ist auf Tourismus angewiesen

Der wochenlange Lockdown infolge der Corona-Pandemie hat das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben in Italien fast vollständig heruntergefahren, die Folgen sind schon jetzt gravierend. Viele verloren ihre Arbeit, sind auf Lebensmittelhilfen angewiesen.

Gerade vom Tourismus hängt viel ab. Lorenz Oberhuber vom Sporthotel Gossensaß - das ein paar Kilometer von der Grenze entfernt liegt - darf schon seit dem 11. Mai wieder öffnen, aber: "Allerdings bevor die Grenzen nicht aufmachen, spüren wir auch, dass hier wenig Bewegung ist." Oberhuber hofft darauf, dass sich das mit der Grenzöffnung bessert.

 

Freude über Grenzöffnungen

Etwa knapp 13 Prozent trug der Tourismus in Italien vor der Corona-Pandemie zur wirtschaftlichen Leistung bei. Dies spürt man auch an der Stimmung hier. Fast alle freuen sich über die Grenzöffnung und neue Besucher. Gerade in Südtirol ließ die Politik schon frühzeitig Lockerungen zu, angesichts niedriger Infektionszahlen.

Dabei müssen die Hoteliers bestimmte Vorschriften beachten: "Im Haus selbst gilt die Eins-zu-Zehn-Regel. Zehn Quadratmeter pro Person. Es darf nicht höher ausgelastet werden", so Oberhuber. Darüber hinaus müssten Desinfektionsmittel-Spender in allen zugänglichen öffentlichen Bereichen zur Verfügung gestellt und Mundschutz - wo nötig - getragen werden.

Vor seinem Hotel sitzen bereits einige Gäste, trinken ihren Kaffee. Einheimische. Bald könnten es auch wieder mehr Urlauber aus dem Norden sein. Das hoffen sie hier jedenfalls.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 03. Juni 2020 um 12:00 Uhr.