Leute warten in Italien vor Supermarkt | Bildquelle: ANDREA CANALI/EPA-EFE/Shuttersto

Kampf gegen Corona Italien übt sich im Dornröschenschlaf

Stand: 13.03.2020 04:48 Uhr

"Alles hat zu" - in Italien ist das Leben größtenteils zum Stillstand gekommen. Der Gang zum Supermarkt wird zum Höhepunkt des Tages. Ansonsten heißt es: Daheim bleiben und die Pandemie aussitzen.

Von Jörg Seisselberg, ARD-Studio Rom

Die 75 Jahre alte Maria steht in Rom vor ihrem Stamm-Supermarkt in der Via delle Fornaci und wundert sich.

"Eigentlich bin ich hier immer rein und raus, ganz schnell, ohne Probleme. Und heute das hier. Ich muss Schlange stehen. Wahrscheinlich wegen der Verschärfungen, die sie gestern Abend beschlossen haben."

Die verschärften Vorschriften, mit denen die Regierung die weitere Ausbreitung des Coronavirus verhindern will. Supermärkte gehören seitdem zu den wenigen Orten im Land, wo noch etwas los ist. Davor Warteschlangen, die Menschen stehen in circa zwei Meter Abstand voneinander - der Reflex des Distanzhaltens ist in den Köpfen der Menschen angekommen. Alle paar Minuten öffnet der Betreiber die Tür, weil stets nur eine geringe Zahl an Kunden gleichzeitig im Laden sein darf.

Einkäufe Höhepunkt des gesellschaftlichen Lebens

Noch ein bisschen gedulden muss sich der 19 Jahre alte Kosmas, der deutsche Eltern hat und in Rom aufgewachsen ist.

"Ich stehe schon seit einer halben Stunde. Aber man macht halt das, was man kann, um zu verhindern, dass sich das Virus weiterverbreitet."

Corona-Virus: Was sonst noch geschah bei unseren Nachbarn und im Sport
tagesthemen 22:15 Uhr, 12.03.2020, Peter Jagla, NDR

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Trotz der langen Warteschlagen: Hamsterkäufe gibt es bislang nicht. Aber es muss halt genug Espresso und Pasta zu Hause sein, da Bars und Restaurants seit heute komplett geschlossen sind. Alle sollen nur aus dem Haus gehen, wenn es wirklich nötig ist, sagt Ministerpräsident Conte, die Einkäufe im Supermarkt werden so plötzlich zum Höhepunkt des gesellschaftlichen Lebens.

"Wir machen das in der Rotation. Heute gehe ich, morgen meine Mutter, dann geht mein Vater. Und ansonsten sitzen wir einfach zu Hause und hoffen, dass die Situation schnell vorbei ist."

"Alles hat zu"

Diese Hoffnung teil Kosmas mit seinem Warteschlage-Nachbarn Francesco. Dem 33 Jahre alten Universitätsmitarbeiter fehlt der Kino- und Theaterbesuch, sein Leben beschränkt sich jetzt weitgehend auf die 50 Quadratmeter daheim.

"Seit zwei Tagen bin ich zu Hause. So gut es geht, versuche ich ein bisschen per Internet zu arbeiten. Alles hat zu, auch die kulturellen Orte. Daher bleibe ich zu Hause, mir bleibt nichts anderes übrig."

Zwar sieht man Spaziergänger und Jogger im Park. Aber bereits wer einen Spaziergang durch sein Stadtviertel macht, kann nach den jetzt beschlossenen strengen Regeln von der Polizei angehalten werden. Der Gang zum Supermarkt ist eine akzeptierte Begründung, um draußen zu sein, wie auch der Weg zur Arbeit oder zum Arzt.

Rom während Corono | Bildquelle: AFP
galerie

Menschenleer ist es zurzeit in den Sehenswürdigkeiten der italienischen Hauptstadt.

Zustimmung für Entscheidung der Regierung

Das Leben sei komplett umgekrempelt, meint Francesco, trotzdem findet er die Entscheidung der Regierung zur Bekämpfung des Virus richtig.

"Wenn der Wissenschaftliche Rat mit seinen erfahrenen Personen das empfiehlt, dann vertraue ich ihnen. Da gibt es überhaupt keine Zweifel dran."

Abseits des Supermarkts ist auf der Straße kaum jemand unterwegs. Weiter die Via delle Fornaci runter hat ein einsames Geschäft geöffnet, die Zweiradwerkstatt von Giovanni.

"Ja, die bleibt weiter offen. Aber ich glaube, das hat keinen Sinn. Wenn keine Leute unterwegs sind, habe ich natürlich keine Arbeit. Daher ist unsinnig, dass ich weiter geöffnet habe."

Dornröschenschlaf soll noch mindestens zwei Wochen dauern

Supermärkte und Apotheken, Zeitungskioske und Werkstätte sind ausgenommen - fast alle anderen Geschäfte müssen geschlossen bleiben. Neben der Zweirad-Werkstatt räumt der 52 Jahre alte Daniele seine Pizzeria auf.

"Ich bin hier, um sauberzumachen - und Sachen wegzuwerfen, die jetzt schlecht werden. Zum Beispiel die Mozzarella hier, die sich ja immer nur kurz hält. Und alle anderen Sachen, die in diesen Tagen ablaufen."

Rom und ganz Italien üben sich im Dornröschenschlaf, der noch mindestens zwei Wochen dauern soll.

Kampf gegen Corona: Italien übt sich im Dornröschenschlaf
Jörg Seisselberg, ARD Rom
13.03.2020 10:39 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. März 2020 um 23:16 Uhr.

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