Die Krankenhäuser in Italien sind am Limit. | Bildquelle: AP

Corona-Ausbreitung Italiens Kliniken schlagen Alarm

Stand: 11.03.2020 15:10 Uhr

"Wir können nicht mehr lange so weitermachen": Angesichts des rasanten Anstiegs der Zahl der Covid-19-Kranken in Italien schlagen die überforderten Kliniken nun Alarm. Die Regierung beschloss ein Milliarden-Hilfspaket.

Das deutsche Gesundheitssystem kommt bislang einigermaßen klar mit der Corona-Epidemie. Anders in Italien, wo auch die Zahl der Covid-19-Kranken viel höher ist. Hier schlagen die überforderten Kliniken nun Alarm.

Politiker, Fachleute und Ärzte äußern sich mit ernsten Warnungen. "Wir bewirken gerade Wunder, aber wir können nicht mehr lange so weitermachen", zitierte die Zeitung "Corriere della Sera" den Koordinator für Intensivstationen im Krisenstab der Lombardei, Antonio Pesenti. Man habe die Zahl der Betten in den Intensivstationen in der besonders betroffenen Lombardei schon erhöht. Aber es bestehe die Gefahr, dass die Zahl der Patienten in Kürze die Kapazitäten der Krankenhäuser übersteige.

Ein Arzt spricht von "Krieg" und Schlachten"

"Wenn die Epidemie sich weiter in dem Tempo ausbreitet, hält das (Gesundheits-)System das nicht lange aus", sagte auch der Regionalpräsident der Lombardei, Attilio Fontana, der Zeitung. "Also ist die einzige Waffe, die wir haben, die Epidemie zu verlangsamen: Die Kontakte zwischen Menschen reduzieren", führte Fontana aus. Daher hätten er und die Bürgermeister der wichtigsten Städte der Lombardei der Regierung in Rom "geschrieben, um noch drastischer Maßnahmen zu fordern". Fontana gehört der rechtsradikalen Lega an, die in Opposition zur Demokratischen Partei und zur Fünf-Sterne-Bewegung stehen, die Italien gemeinsam regieren.

Im Internet und in Medien sorgt ein Brandbrief eines aufgebrachten Arztes aus Bergamo ebenfalls in der Lombardei seit Tagen für Aufmerksamkeit. Er warnt, dass der Notstand in den Hospitälern weiter unterschätzt werde. Er sprach von "Krieg" und "Schlachten", die die Helfer in seinem Haus erlebten. Sein Schreiben auf Facebook wurde bis Mittwoch bald 36.000 Mal geteilt.

Notsituation in vielen Kliniken

Der Präsident der Region Abruzzen, Marco Marsilio, wandte sich ebenfalls mit drastischen Worten an die Öffentlichkeit: Die Krankenzahlen in seiner Region östlich von Rom, die bisher noch nicht im Fokus stand, stiegen in diesen Tagen schnell. "Wir sind bei der Aufnahmefähigkeit der Hospitäler schon an der Grenze angelangt, einige Stationen mussten geschlossen oder verkleinert werden, weil sich Ärzte und Sanitäter angesteckt haben, sie waren wie stets an vorderster Front", schrieb er auf Facebook.

Infolge der Coronavirus-Epidemie sind in Italien bislang mehr als 630 Menschen gestorben. Am schlimmsten betroffen ist der Norden, und hier die Lombardei. Die Gesamtzahl der gemeldeten Infizierten mit dem Erreger Sars-CoV-2 übersprang in Italien diese Woche die 10.000er-Marke.

Regierung beschließt Milliardenhilfen

Die Regierung in Rom beschloss ein Milliarden-Hilfspaket, das auch zur Stärkung des Gesundheitswesens eingesetzt werden soll. Besonders die Intensivstationen sollen gestärkt werden. Zudem seien Mittel für notleidende Branchen der italienischen Wirtschaft eingeplant. "Wir haben eine außerordentliche Summe von 25 Milliarden eingeplant, die nicht als Ganzes sofort verwendet werden soll, aber sie könnte nötig werden, um die Probleme dieses Notfalls in den Griff zu bekommen", sagte Premierminister Giuseppe Conte. Diese Summe ist höher als die zehn bis 13 Milliarden Euro, die im Vorfeld erwartet worden waren.

Finanzminister Roberto Gualtieri ergänzte, dass bis Ende der Woche ein Dekret über Finanzhilfen von rund zwölf Milliarden Euro auf den Weg gebracht werden solle. Über Schulden, die für die Maßnahmen notwendig würden in Höhe von 20 Milliarden Euro, sei Rom mit Brüssel im Gespräch. Von der EU-Kommission hatte das Land bereits Rückendeckung wegen der erwarteten höheren Neuverschuldung bekommen.

AS Rom darf nicht nach Spanien fliegen

Italien zählt zu den Ländern, die weltweit am stärksten vom neuartigen Coronavirus betroffen sind. Kein Land in Europa hat höhere Fallzahlen. Deswegen erklärte Regierungschef Conte das ganze Land in der Nacht zum Dienstag zur "Schutzzone" mit umfangreichen Reisebeschränkungen und Versammlungsverboten. So sind Reisen nur noch aus dringenden beruflichen oder gesundheitlichen Gründen erlaubt, alle kulturellen, religiöse und Sportveranstaltungen wurden untersagt. Die Schulen und Hochschulen des Landes wurden schon vorher geschlossen.

Auch der Profi-Fußball ist betroffen: So wird der AS Rom wegen der Coronavirus-Sperren in Italien nicht nach Sevilla zum Europa League-Spiel reisen. Das Flugzeug aus Italien habe keine Erlaubnis bekommen, in Spanien zu landen, teilte der italienische Erstligist auf Twitter mit. Das Achtelfinal-Hinspiel hätte am Donnerstag stattfinden sollen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. März 2020 um 15:00 Uhr.

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