Menschen, die rund um den Xinfadi-Großhandelsmarkt in Peking leben, werden in einem Stadion in Peking auf Corona getestet. | AP

Corona in China Größter Anstieg seit zwei Monaten

Stand: 14.06.2020 13:42 Uhr

In China sorgt ein deutlicher Anstieg neuer Coronavirus-Fälle für Beunruhigung. Die Zahl der neu Infizierten ist so hoch wie seit zwei Monaten nicht mehr. Tausende Menschen werden nun getestet.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Den Xinfadi-Großmarkt im Süden Pekings haben die Behörden inzwischen abgesperrt. Auf dem riesigen Gelände mit zahlreichen Hallen und Freiflächen soll der neue Coronavirus-Ausbruch seinen Ursprung haben. Die staatlichen Medien berichten heute ausführlich darüber, dass die Versorgung der Hauptstadt mit Obst, Gemüse und anderen Lebensmitteln auf jeden Fall sichergestellt sei.

Steffen Wurzel ARD-Studio Shanghai

Der Xinfadi-Markt ist normalerweise der wichtigste Umschlagpunkt für Lebensmittel in Peking. Ein Lkw-Fahrer sagt dem staatlichen Sender CCTV: "Mein Laster war voll beladen mit Gemüse für Peking. Wir standen vor dem Xinfadi-Markt im Stau, kamen nicht aufs Gelände, wussten erst gar nicht, was los ist. Aber man hat uns nun hier zu diesem Ausweichgelände geschickt. Man hat uns die Lage erklärt und jetzt können wir die Ware hier verkaufen. Die haben das alle sehr gut geregelt."

Gemüsehändler bringen ihre Ware zum Xinfadi-Großhandelsmarkt in Peking. | AFP

Händler müssen ihre Waren nun auf einem Ausweichgelände verkaufen. Bild: AFP

Mit Berichten wie diesem will die Pekinger Stadtverwaltung zusätzliche Aufregung vermeiden. Offenkundig soll vermittelt werden: Die Versorgung der mehr als 20 Millionen Einwohner und Einwohnerinnen Pekings ist sichergestellt.

Landesweit 60 Neuinfektionen

Tatsächlich haben die landesweit fast 60 bestätigten Neuinfektionen mit dem Coronavirus für großes Aufsehen gesorgt - in China, vor allem aber in Peking. Denn allein in der Hauptstadt wurden 36 Neuinfektionen nachgewiesen.

Das ist insofern bemerkenswert, weil seit rund zwei Monaten die Zahl der täglichen neuen Coronafälle in China immer im einstelligen Bereich lag. Entsprechend schien das Schlimmste überstanden. Die Coronavirus-Krise spielte schon seit einigen Wochen kaum noch eine Rolle im Leben der meisten Chinesinnen und Chinesen.

Was außerdem aufhorchen lässt: Bei den meisten neuen Fällen handelt sich nicht um "importierte Fälle", also um aus dem Ausland zurückgekehrte infizierte Chinesinnen und Chinesen.

Elf Wohnviertel abgesperrt

Um weitere mögliche Fälle aufzuspüren, sollen nun Tausende Menschen, die zuletzt auf dem Marktgelände waren, getestet werden. Der für den betroffenen Stadtteil Fengtai zuständige Behördenchef Chu Junwei erklärte, dass elf kleinere Wohnviertel abgesperrt wurden. Außerdem würden drei Grundschulen und sechs Kindertagesstätten in der Gegend geschlossen, sagte Chu.

Polizisten sperren den Xinfadi-Großhandelsmarkt in Peking ab. | dpa

Der Xinfadi-Großhandelsmarkt in Peking ist abgesperrt. Er gilt derzeit als Ursprungsort für den aktuellen Ausbruch. Bild: dpa

Fisch als Ursache eher unwahrscheinlich

Was genau die neue Quelle des Coronavirus ist, ist unklar. Eine zunächst in den Medien geäußerte These, aus dem Ausland importierter Fisch könne Schuld sein, wurde von Wissenschaftlern als sehr unwahrscheinlich zurückgewiesen. Chinesische Medien hatten berichtet, dass das Virus auf dem Großmarkt auf einem Schneidebrett, auf dem Lachs verarbeitet wurde, nachgewiesen wurde.

Klar ist: Zumindest in Peking ist die Wachsamkeit gegenüber dem Coronavirus innerhalb von 48 Stunden wieder enorm gestiegen. In mehreren anderen Landesteilen Chinas haben die Behörden die Menschen aufgefordert, bis auf Weiteres nicht in die Hauptstadt zu reisen. Von einer zweiten Welle kann aber noch nicht die Rede sein.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 13. Juni 2020 um 23:15 Uhr.