Eine Frau bekommt in London eine Impfung in einem Nachtclub, der zum Impfzentrum umfunktioniert wurde. | AP

Britische Corona-Studie Impfschutz nimmt nach einigen Monaten ab

Stand: 25.08.2021 20:40 Uhr

Eine großangelegte britische Studie legt nahe, dass eine dritte Impfung sinnvoll sein könnte: Die Forscher fanden heraus, dass der Schutz vor einer Ansteckung nach einem halben Jahr sinkt. Über ein höheres Risiko für schwere Verläufe macht die Studie keine Aussage.

Der Schutz vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus lässt einer britischen Studie zufolge bereits einige Monate nach der vollständigen Impfung etwas nach. Das unterstreiche die Notwendigkeit von Auffrischungsimpfungen, betonte Tim Spector, Epidemiologe am King's College London und Leiter der "Zoe-Covid-Studie". "Wir können nicht einfach zusehen, wie der Schutz langsam nachlässt, während die Fallzahlen und auch die Wahrscheinlichkeit einer Infektion noch hoch sind", sagte er der BBC. "Wir müssen dringend Pläne für Auffrischungsimpfungen machen."

Allerdings macht die Studie keine Aussagen über symptomatische Erkrankungen, schwere Verläufe oder das Risiko, an Covid-19 zu sterben. Die abnehmende Schutzwirkung bezieht sich allein auf das Risiko, sich überhaupt zu infizieren. Bekannt ist bereits, dass der Schutz vor einem schweren Verlauf noch deutlich höher ist als der vor der reinen Infektion.

Rückgang von 88 auf 74 Prozent

Untersucht wurde in der "Zoe-Covid-Studie", inwieweit die beiden Impfstoffe von BioNTech/Pfizer und AstraZeneca vor einer Infektion schützen. Bei beiden Vakzinen sind für den vollständigen Schutz zwei Dosen nötig.

Laut der Studie ließ der Schutz des BioNTech/Pfizer-Impfstoffs fünf bis sechs Monate nach der zweiten Dosis von 88 auf 74 Prozent nach. Beim AstraZeneca-Impfstoff sank die Wirksamkeit nach vier bis fünf Monaten von 77 auf 67 Prozent. Die abnehmende Schutzwirkung sei aber ausdrücklich kein Grund, sich nicht impfen zu lassen, betonten die Forscher. Die Impfstoffe seien für die Mehrheit der Bevölkerung noch immer ein hochwirksamer Schutz gegen Covid-19.

Daten von 1,2 Millionen Probanden ausgewertet

Für die Studie wurden die Testergebnisse von mehr als 1,2 Millionen Probanden ausgewertet, die zwischen Dezember 2020 und Juli 2021 geimpft wurden. Die Teilnehmenden registrierten ihre Impfungen über die sogenannte Zoe-Covid-App, über die Freiwillige zu Forschungszwecken auch Erkrankungen und Covid-Symptome melden können. Bei den ausgewerteten Infektionen beziehen sich die Forscher auf positive Testergebnisse zwischen dem 26. Mai und Ende Juli. So lassen sich die Ergebnisse auf die seitdem in Großbritannien vorherrschende, hochansteckende Delta-Variante beziehen.

Viele Menschen noch völlig ohne Impfung

In Großbritannien wird - wie in Deutschland - derzeit darüber diskutiert, ob, wann und für wen eine dritte Impfung nötig sein könnte. Gegen eine solche Auffrischungsimpfung spricht nach Einschätzung von Experten derzeit vor allem, dass Impfstoff in vielen Ländern der Welt immer noch knapp ist und viele Menschen noch gar keine Impfung bekommen konnten.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) fordert deshalb, vorerst keine dritte Dosis zu verimpfen. Mehrere Länder nehmen aber schon Auffrischungsimpfungen vor - Israel etwa auch schon für Menschen ab 30 Jahren.

Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité vertritt die Auffassung, dass eine dritte Impfung im Herbst nur für alte Menschen und bestimmte Risikopatienten sinnvoll ist. "Nach einem halben Jahr geht das über die Impfung erworbene Antikörper-Level vor allem bei sehr alten Menschen deutlich runter", so Drosten vor kurzem in einem Interview. In Sondersituationen wie Seniorenheimen sei eine Auffrischung daher denkbar. Dies stünde zahlenmäßig kaum im Konflikt mit der internationalen Knappheit von Impfstoff.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 25. August 2021 um 17:00 Uhr.

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Moderation 25.08.2021 • 21:34 Uhr

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