Ein Impfstofffläschchen vor dem Firmenschriftzug Johnson & Johnson | REUTERS

Johnson & Johnson-Impfstoff Nur eine Spritze, aber weniger wirksam

Stand: 29.01.2021 17:22 Uhr

Der Impfstoff, an dem der US-Konzern Johnson & Johnson arbeitet, hat einen großen Vorteil: Er muss nur einmal gespritzt werden. Die Firma hat nun Daten zur Wirksamkeit vorgelegt. Die sorgen allerdings nicht für Jubel.

Bei der Herstellung eines Corona-Impfstoffes, der nur einmal verabreicht werden muss, hat die Firma Janssen einen wichtigen Schritt gemacht. Die Pharmasparte des US-Konzerns Johnson & Johnson gab ein Zwischenergebnis ihrer Phase-III-Studie mit rund 44.000 Probanden bekannt. Demnach bietet der Impfstoff vier Wochen nach Verabreichung einen 66-prozentigen Schutz vor mittleren oder schweren Covid-19-Krankheitsverläufen.

Schwere Erkrankungen vermeide der Impfstoff zu 85 Prozent, teilte das Unternehmen mit. Die Prozentzahlen bedeuten, dass es in der geimpften Probandengruppe entsprechend weniger Fälle gab als in der Probandengruppe, die nur ein Placebo erhalten hatte - also ein Scheinmedikament ohne Wirkstoff.

Die Veröffentlichung der Daten ist notwendig, um die Zulassung bei den Behörden zu beantragen. In den USA will Johnson & Johnson Anfang Februar einen Antrag auf eine Notfallzulassung stellen.

"Nicht so überzeugend, dass man gleich jubeln kann"

Auch die EU ist an dem Impfstoff interessiert: Die Kommission hat 200 Millionen Dosen vorbestellt plus Option auf weitere 200 Millionen Dosen. Im Gegensatz zu den Impfstoffen von BioNTech/Pfizer und von Moderna handelt es sich um einen Vektorimpfstoff, der bei Kühlschranktemperatur transportiert und gelagert werden kann. Außerdem muss er nur einmal gespritzt werden - das gilt als großer Vorteil.

Bei den Konkurrenzprodukten, die in der EU bereits verimpft werden und im Abstand von mehreren Wochen zwei Mal gespritzt werden, ist die Wirksamkeit Studienergebnissen zufolge allerdings höher.

Unter Gesundheitspolitikern war die Reaktion auf die Veröffentlichung entsprechend verhalten: Leider seien die Daten von Johnson & Johnson "nicht so überzeugend, dass man gleich jubeln kann", sagte der gesundheitspolitische Sprecher der EVP-Fraktion im Europaparlament, Peter Liese. Unter anderem die Experten der europäischen Arzneimittelagentur EMA müssten das ganze nun "sehr genau prüfen und dann muss entschieden werden, ob und in welcher Form der Impfstoff eingesetzt werden kann", so der CDU-Politiker.

Womöglich weniger wirksam gegen Mutante

Das Mainzer Unternehmen BioNTech und sein US-Partner Pfizer sowie das US-Pharmaunternehmen Moderna geben die Wirksamkeit ihrer Impfstoffe mit rund 95 Prozent an. Das britisch-schwedische Pharma-Unternehmen AstraZeneca spricht bei seinem Wirkstoff von rund 70 Prozent. Die EMA hat sich inzwischen auch für die Zulassung des AstraZeneca-Impfstoffs in der EU ausgesprochen.

Die Studie zu dem Johnson & Johnson-Impfstoff läuft in den USA, Lateinamerika und Südafrika. Dabei hat sich gezeigt, dass er womöglich bei der Mutante des Virus, die zunächst in Südafrika aufgetreten war, weniger wirksam ist. Bei den klinischen Tests in Südafrika betrug die Wirksamkeit nur 57 Prozent. Dort gingen 95 Prozent aller Covid-19-Erkrankungen auf die südafrikanische Variante B.1.351 zurück. Höher lag die Wirksamkeit in den USA mit 72 Prozent und in Lateinamerika mit 66 Prozent. 

Über dieses Thema berichtete der BR in der "Frankenschau aktuell" am 07. Januar 2021 um 17:30 Uhr.