Ein fast leeres Kino in Northern Virginia, USA | Bildquelle: JIM LO SCALZO/EPA-EFE/Shuttersto

Corona-Krise in Hollywood Angst vor Pleiten und kaum Perspektiven

Stand: 19.11.2020 11:45 Uhr

Die Pandemie hat die US-Filmbranche erschüttert. Kinos leiden unter Auflagen, Filme werden verschoben, das Virus erschwert Dreharbeiten. Kinobetreiber hoffen auf Milliardenhilfen - sonst sehen sie keine Zukunft für sich.

Von Katharina Wilhelm, ARD-Studio Los Angeles

Heute startet der Martial-Arts-Film "Jiu Jitsu" in den amerikanischen Kinos. Ein ziemlich actiongeladener Kampf-Film mit Nicolas Cage und Frank Grillo, es geht um Außerirdische, die mittels asiatischer Kampfkunst besiegt werden müssen - solides Popcornkino für Actionfilmfans. Kein Oscarpreisträger vielleicht, aber immerhin einer der wenigen Filme, die derzeit überhaupt ins Kino gelangen.

Doch es ist fraglich, ob er von vielen Menschen gesehen wird, sagt auch Regisseur Dimitri Logothetis im ARD-Interview: "Das ist die Schlüsselfrage: Können die Menschen ins Kino gehen? Ich drehe alle meine Filme mit der Vorstellung im Kopf, dass sie erst einmal im Kino landen."

Ein Desaster für die großen Filmstudios

Doch die Realität ist: Viele Kinos in den USA sind noch immer oder wieder geschlossen. Das ist nicht nur für das Kinopublikum beklagenswert, sondern ein finanzielles Desaster vor allem für die großen Studios, weiß auch Regisseur Logothetis: "Das größte Problem für die Studios ist: Wenn sie einen Blockbuster für 200 oder 300 Millionen US-Dollar drehen - so viel kosten die Filme mittlerweile - hängen deren Einnahmen immer noch viel an den Kinos. Und die Milliardeneinnahmen an den Kinokassen wird es in den nächsten zwei bis drei Jahren nicht geben."

Viele Filme auf 2021 verschoben

Aus diesem Grund wurden Blockbuster wie der neue James Bond-Film "Keine Zeit zu sterben", der Marvel-Actionstreifen "Black Widow" oder jüngst die Neuverfilmung des Science-Fiction Film "Dune - Der Wüstenplanet" ins kommende Jahr verschoben. Dann hofft man auf mehr geöffnete Kinos und höhere Einnahmen.

Seit dem frühen Herbst hat die "Traumfabrik" wieder angefangen, Filme zu drehen - unter strengen Auflagen. Schauspieler müssen zum Teil selbst Hand anlegen, ihre Mikrofone verkabeln, Make-up und Styling werden auf ein Minimum reduziert. Dazu kommt, dass Filmcrews in mindestens zwei Teams eingeteilt werden, die sich aus dem Weg gehen. Und dann wird natürlich regelmäßig getestet - dafür gibt es mobile Labore an Sets und auf den Studiogeländen.

Infektionen auch am Filmset

Und trotzdem kommt es immer wieder zu Infektionen. Beispielsweise am Set des neuen "Batman"-Films. Da war Hauptdarsteller Robert Pattinson selbst an Covid-19 erkrankt. Das Problem: Die Dreharbeiten müssen zwangsweise lange pausieren - die Crew drumherum in Quarantäne. Das ist kostspielig und nervenaufreibend.

Wenig planbar scheint dieses Kinojahr 2020 zu sein - und auch auf den letzten Metern ist ungewiss, ob rund um das sonst so wichtige Weihnachtsgeschäft klassische Familien und Blockbusterfilme laufen werden.

Für die Comic-Verfilmung "Wonder Woman 1984" wurde nach langem Hin und Her ein Mittelweg gefunden - es bleibt beim Kinostart an Weihnachten, doch gleichzeitig erscheint der Film auf der Streaminglattform HBO Max. Das wiederum ist ein riesiges Problem für alle Kinobetreiber - denn die Coronavirus-Krise hat den Trend zum Streamen ohnehin verstärkt.

Kinos hoffen auf Milliardenhilfe

Die Vereinigung der Kinobetreiber in den USA hat sich bereits an den amerikanischen Kongress gewandt - mit der Bitte um 15 Milliarden US-Dollar an Hilfen für ihre Industrie. Die Sorge ist, dass sie das Jahr 2020 nicht überleben, wenn es weitergeht wie bisher.

In mehrfacher Hinsicht wächst der Druck auf die Lichtspielhäuser: Entweder verdienen sie durch Schließungen kein Geld oder es sind keine Filme da, die das Publikum anlocken. Und die großen Studios drängen darauf, Vereinbarungen zu ändern, wonach die Kinos das exklusive Vorführrecht nur noch für wenige Wochen haben.

Kürzere Exklusivrechte für Kinos

Universal hatte bereits mit der weltweit größten Kinokette AMC einen entsprechenden Deal abgeschlossen, nun kommt auch noch Cinemark dazu. Beide Kinounternehmen haben zugestimmt, dass sie Filme von Universal nur noch rund zwei Wochen exklusiv zeigen können, danach kann das Studio die Filme beispielsweise als Video on Demand anbieten. 

Von solchen Entwicklungen ist Regisseur Dimitri Logothetis nicht begeistert: "Man ist überrascht, wie wenig Menschen auf der Welt dann doch keinen Zugang zu Downloads und Streaming haben - diese Leute gehen ins Kino."

Wann und wie sein Film "Jiu Jitsu" in die deutschen Kinos kommt, ist übrigens noch unklar.

Corona-Pandemie: Wie Hollywood durch die Krise manövriert
Katharina Wilhelm, ARD Los Angeles
19.11.2020 10:52 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 19. November 2020 um 08:55 Uhr.

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