Der neue Chef der britischen Labour-Partei, Keir Starmer | Bildquelle: dpa

Starmer zur Corona-Krise "Es sind schwere Fehler gemacht worden"

Stand: 05.04.2020 16:18 Uhr

Er ist seit gestern Chef der britischen Labour-Partei. Die erste Amtshandlung Starmers: massive Kritik an Premier Johnson für dessen Agieren in der Corona-Krise. Die jüngsten Zahlen bleiben alarmierend.

Der frisch gewählte Chef der britischen Labour-Partei, Keir Starmer, macht Premierminister Boris Johnson große Vorwürfe wegen dessen Krisenmanagement in der Coronavirus-Pandemie. "Es sind schwere Fehler gemacht worden", schrieb Starmer in einem Gastbeitrag in der "Sunday Times".

Der neue Oppositionschef beklagt, die konservative Regierung habe zu spät eingestanden, dass Großbritannien bei der Zahl der Tests hinter anderen Ländern hinterherhinke. Nun müsse das Versprechen, täglich 100.000 Tests durchzuführen, rasch eingelöst werden. Vor allem Krankenhausmitarbeiter müssten getestet und mit der notwendigen Schutzkleidung ausgerüstet werden, forderte Starmer.

alt Keir Starmer  | Bildquelle: AP

Zur Person: Keir Starmer

Der 57-jährige Keir Starmer ist neuer Chef der britischen Labour-Partei und tritt damit die Nachfolge des Parteilinken Jeremy Corbyn an. Der gebürtige Londoner hat sich selbst zum Ziel gesetzt, den linken Labour-Flügel mit den gemäßigteren Kräften zu versöhnen. Starmer stammt als Sohn eines Werkzeugmachers und einer Krankenschwester aus einfachen Verhältnissen. Er kann auf eine beeindruckende Karriere als Jurist zurückblicken. Als Menschenrechtsanwalt war er ein Mitbegründer der Kanzlei Doughty Street Chambers, für die auch Staranwältin Amal Clooney, die Frau des Hollywood-Schauspielers George Clooney, tätig ist. Später leitete Starmer die Ermittlungsbehörde Crown Prosecution Service und wurde dafür zum Ritter geschlagen.

Schutzkleidung auch in Großbritannien Mangelware

Er bezog sich damit auf eine aktuelle Umfrage des Royal College of Physicians, wonach derzeit rund 20 Prozent des medizinischen Personals in Großbritannien der Arbeit fernbleibt. Als Grund dafür nannten die meisten eine vermutete, aber nicht bestätigte Covid-19-Erkrankung bei sich selbst oder bei Angehörigen. Knapp ein Viertel der Befragten gab zudem an, keinen ausreichenden Zugang zu Schutzkleidung zu haben.

Trotz seiner Kritik an der Regierung machte Starmer deutlich, dass er die Corona-Krise nicht dafür nutzen will, um politisch zu punkten. "Ich will, dass die Regierung erfolgreich ist, um Leben zu retten und den Lebensunterhalt der Bürger zu sichern. Das ist eine nationale Anstrengung, und wir sollten uns alle fragen, was wir zusätzlich beitragen können", schrieb Starmer.

Johnson unter Druck, Queen mit Rede an die Nation

Starmer forderte auch Klarheit über die Pläne der Regierung für eine schrittweise Aufhebung der Einschränkungen in dem Land. Bereits jetzt müsse zudem an der Infrastruktur gearbeitet werden, um die Bevölkerung mit einem Impfstoff zu immunisieren, sobald dieser verfügbar sei.

Die konservative Regierung von Johnson steht angesichts der rapide wachsenden Zahl von Corona-Todesfällen unter großem Druck. Die Zahl der Toten durch die Lungenkrankheit Covid-19 in Großbritannien stieg am Sonntag abermals massiv von 4313 um 621 auf 4934. Insgesamt wurden im Vereinigten Königreich 47.806 Menschen positiv auf SARS-CoV-2 getestet. Sogar die Königin sah sich genötigt, sich in der Krise ans Volk zu wenden: Königin Elizabeth II. hielt eine außergewöhnlichen Ansprache, in der sie die britischen Werte hochhielt und eiserne Disziplin von ihren Landsleuten forderte.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. April 2020 um 14:00 Uhr.

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