Großbritanniens Premierminister Boris Johnson bei einer Fernsehansprache  | AP

Corona-Maßnahmen Vorsichtige Öffnung in Großbritannien

Stand: 10.05.2020 21:03 Uhr

Die Corona-Pandemie hat Großbritannien schwer getroffen, mehr als 31.000 Infizierte sind dort bereits gestorben. Nun kündigte Premier Johnson die ersten Lockerungen der Maßnahmen an. In anderen Landesteilen regt sich Unmut.

Die seit sieben Wochen in Großbritannien geltende strikten Corona-Maßnahmen werden vorsichtig gelockert. "Die Zahl der Todesfälle ist tragisch, das Leiden immens", sagte Premierminister Boris Johnsons in einer Fernsehansprache. Trotzdem sei es gelungen, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. Daher könne nun in langsamen Schritten mit Lockerungen begonnen werden.

Ab dem 1. Juni könne der Unterricht an Grundschulen schrittweise wieder aufgenommen werden und einige Geschäfte wieder öffnen. Ab dem 1. Juli sollen weitere öffentliche Orte wie Bars und Restaurants wieder öffnen dürfen. Zum Schutz vor dem neuartigen Coronavirus sollen aus dem Ausland eingereiste Fluggäste unter Quarantäne gestellt werden.

Die ersten Lockerungen der Kontaktbeschränkungen kündigte Johnson aber bereits für kommende Woche an. Ab Montag sollten jene, die nicht von zu Hause aus arbeiten könnten, wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren. Ab Mittwoch dürften Menschen mit Angehörigen aus ihrem Hausstand so oft sie wollten im Freien sein, wenn sie sich an die Abstandsregeln hielten. Bislang durften sie nur einmal am Tag ihre Wohnungen verlassen, um Sport zu treiben.

Kritik am Kurs der Regierung

Nach wie vor würden aber die Richtlinien zur sozialen Distanz gelten, mahnte Johnson. Allerdings setze die Regierung nun statt dem Slogan "stay at home" - "bleiben Sie zu Hause" - die britische Regierung auf "stay alert" - "bleiben Sie wachsam". Nach Einschätzung von ARD-Korrespondentin Annette Dittert werde sich für die Briten in den kommenden Wochen nicht viel ändern, da die Zahlen momentan keine weitreichenderen Lockerungen erlaubten. Im Vereinigten Königreich wurden nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität bislang mehr als 220.000 Corona-Infektionen nachgewiesen. Fast 32.000 Infizierte starben nach Behördenangaben - das ist weltweit der zweithöchste Wert. Auch Jonson selbst hatte sich mit dem neuartigen Erreger infiziert und musste deshalb mehrere Tage auf der Intensivstation behandelt werden.

Schottland kritisiert Johnsons Kurs

Johnson stellte zudem ein System von fünf Warnstufen vor, mit denen in Zukunft die Situation in Großbritannien bewertet werden soll. Die Einstufung werde von der Höhe der Übertragungsrate des Virus abhängen, die nun etwas unter eins liege. Weitere Details seines Fahrplans werde er am Montag im Parlament vorstellen, so der konservative Politiker.

Die Lockerungen gelten nicht für Schottland, Wales und Nordirland. Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon rief die Schotten dazu auf, weiterhin zuhause zu bleiben. Die Botschaft der Regierung in London, wachsam zu sein, kritisierte sie als vage. Auch Oppositionschef Keir Starmer von der Labour-Partei kritisierte die Änderungen als unklar.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. Mai 2020 um 20:00 Uhr.