Sanitäter transportieren eine Patientin | Bildquelle: ACHILLEAS CHIRAS/EPA-EFE/Shutter

Coronavirus in Griechenland "Die Zahlen machen Angst"

Stand: 24.11.2020 11:31 Uhr

Im September hatte Griechenland noch um Urlauber geworben, es gab sehr wenige Corona-Infizierte. Jetzt ist die Zahl heftig angestiegen, und das trotz Ausgangssperre. Die Krankenhäuser stoßen an ihre Grenzen.

Von Thomas Bormann, ARD-Studio Athen

Hektik in der Intensivstation eines Krankenhauses in Thessaloniki. Eine Krankenschwester in weißem Schutzanzug erklärt einem Patienten, der gerade aus der Narkose erwacht, dass er an ein Beatmungsgerät angeschlossen ist und deshalb nicht sprechen kann.

Die Krankenschwester hält die Hand des Patienten und nickt ihm aufmunternd zu - soweit das hinter der Maske und der Schutzbrille geht. Die Betten auf der Intensivstation sind alle belegt - wie in den anderen Krankenhäusern Thessalonikis auch.

Medizinisches Personal entnimmt einen Nasenabstrich für einen Corona-Schnelltest bei einer älteren Frau. | Bildquelle: dpa
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Das griechische Gesundheitssystem gerät derzeit wegen der steigenden Corona-Zahlen stark unter Druck.

Mehr und jüngere Patienten

In der zweitgrößten Stadt Griechenlands ist die Zahl der Corona-Patienten jetzt sieben Mal höher als bei der ersten Welle im Frühjahr:

"Ich bin sehr besorgt, wie sich das entwickelt. Die Zahlen machen Angst", sagt der Arzt des Krankenhauses, Vassilis Voutsas. "Der Unterschied ist, dass die Zahl der Patienten diesmal deutlich höher ist. Der Druck auf die Krankenhäuser und auf die Intensivstationen ist größer. Und die Patienten in den Intensivstationen sind jünger. Statt 80-Jährige haben wir Patienten, die 40, 50 oder 60 Jahre alt sind."

Soldaten stehen vor einem Militärkrankenhaus in Thessaloniki | Bildquelle: NIKOS ARVANITIDIS/EPA-EFE/Shutte
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In der griechischen Stadt Thessaloniki ist ein Notkrankenhaus aufgebaut.

Sonderzug für Patienten

In Thessaloniki hat die Armee ein Notkrankenhaus aus Containern und Zelten mit 50 Betten aufgebaut. Mit einem Sonderzug wurden Patienten in andere Städte Griechenlands gebracht, die noch Intensivbetten frei haben. Aber es wird überall eng.

Bis zum Spätsommer war Griechenland glimpflich durch die Corona-Krise gekommen. Im ersten Halbjahr der Pandemie, von Februar bis Ende August, starben in Griechenland insgesamt 210 Personen an oder mit Corona. Allein am vergangenen Wochenende waren es genauso viele: 210 Tote in zwei Tagen. Für Griechenland mit elf Millionen Einwohnern ist das eine hohe Zahl.

"Virus lauert auch in Wohnungen"

Gestern Abend im staatlichen Fernsehen: Die Ärztin Vana Papaevangelou vom Krisenstab der Regierung mahnt alle Bürger, es reiche nicht, nur die Regeln der Ausgangssperre zu beachten. Das Virus lauere auch in den Wohnungen:

"Es kommen immer noch zu viele Menschen in Privatwohnungen zusammen - trotz des Lockdowns. Davon geht eine große Gefahr aus. Jeder von uns muss seinen persönlichen Lockdown machen, jeder muss seine Kontakte auf eine kleine Gruppe von Verwandten oder Bekannten beschränken."

Verbote, Einschränkungen und Mahnungen - viele Griechen sind mit den Nerven am Ende, aber es gibt keine Demonstrationen gegen die Corona-Auflagen.

Lockdown wird verlängert

Alle Schulen sind geschlossen, ebenso alle Läden bis auf Lebensmittelgeschäfte, die Restaurants sind sowieso zu. Nach 21 Uhr darf niemand vor die Tür und vorher nur aus wichtigem Grund. Der Lockdown in Griechenland wird in den Dezember verlängert, damit das Virus sich nicht weiter ausbreitet und die Krankenhäuser es schaffen, alle Patienten zu behandeln.

"Wir hoffen, das gerät hier nicht außer Kontrolle", sagt die Ärztin Georgia Vassiliádou aus Thessaloniki. Sie will aber keine Angst schüren und versichert sogleich: "Wir wären auch darauf vorbereitet. Wir bleiben hier. Wir gehen nicht nach Hause", vespricht sie. Sie kämpft rund um die Uhr gegen das Coronavirus und hofft, allen Patienten, die Hilfe brauchen, die nötige Hilfe auch geben zu können.

Griechenland plötzlich Corona-Hotspot
Thomas Bormann, ARD Istanbul
24.11.2020 10:43 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 24. November 2020 um 11:29 Uhr.

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