Proteste gegen Corona-Beschränkungen in den USA. | Bildquelle: dpa

Corona-Krise in den USA Flickenteppich mit Eskalationspotenzial

Stand: 01.05.2020 16:05 Uhr

In den USA laufen die Richtlinien aus Washington zur Corona-Pandemie aus, viele Staaten suchen jetzt nach einem Weg zurück in den Alltag. In Michigan greifen Demonstranten zu drastischen Mitteln.

Von Torsten Teichmann, ARD-Studio Washington

Abryanna Woodard aus Georgia hat mit ihrer Mutter 40 Stunden lang Autofahren geübt. Das Einparken bereitet ihr Sorge, erzählt Abryanna im Lokalfernsehen. Angst muss Abryanna aber eigentlich keine haben. Denn wegen der Corona-Pandemie hat der Gouverneur von Georgia, Brian Kemp, die praktische Fahrprüfung für Teenager vorübergehend kassiert. Um das Ansteckungsrisiko zu verringern, bekommt Abryanna ihren Führerschein jetzt einfach so.

Neben Georgia suchen acht weitere US-Bundesstaaten seit Tagen einen Weg zurück in den Alltag. Andere wollen folgen, denn die Richtlinien aus Washington zur Corona-Pandemie laufen gerade aus. US-Präsident Trump überlässt es jetzt den Gouverneuren.

"Zeit für eine maßvolle Öffnung"

Fernsehbilder aus Texas, aus Galveston am Golf vom Mexiko zeigen bereits jetzt gut besuchte Strände. "Viele haben Masken, wir haben unsere auch dabei", erzählt ein Besucher. "So sind wir geschützt. Und jeder achtet auf Abstand."

Der Gouverneur von Oklahoma, Kevin Stitt, erklärt im Fernsehsender Fox, es sei einfach an der Zeit, zum Alltag zurückzukehren: "Warum hatten wir denn zugesperrt? Um die Krankenhäuser aufzurüsten, genügend Schutzausrüstung zu besorgen und um den Anstieg der Infektionen zu verlangsamen. Das ist erreicht, deshalb ist es an der Zeit für eine maßvolle Öffnung."

Gesundheitsexperten hatten verlangt, dass die Zahl der Neuinfektionen zwei Wochen lang sinkt, bevor Beschränkungen fallen. Das ist auch in Oklahoma nicht der Fall.

Kaum konkrete Vorgaben aus der Politik

Häufig fehlen konkrete Vorgaben für die Öffnung. Chris Heithaus hat deshalb selbst überlegt, wie er das Gesundheitsrisiko in seiner Filiale des Waffle House in Savannah kleinhalten kann: "Grundsätzlich wenden wir die Sechs-Fuß-Regel an. Wir belegen die Nische an beiden Enden des Raums und die Tische dazwischen bleiben frei. An der Bar bedienen wir nur an zwei von sechs Stühlen. Damit bleibt in alle Richtungen der Abstand gewahrt."

Rod Gates setzt auf Spender mit Desinfektionsmittel und Markierungen auf dem Boden. Im Fernsehsender ABC erzählt Gates, dass die Mitarbeiter seiner Mall in Nebraska neue Aufgaben übernehmen, wenn die Geschäfte dieses Wochenende wieder öffnen: "Wir beschränken den Zugang. Die Kunden werden von den Sicherheitsteams begrüßt, die ihnen Masken überreichen und auch die Körpertemperatur messen können."

Beschränkungen in einigen Staaten weiter in Kraft

Nicht alle machen mit: In Bundesstaaten wie New York, New Jersey oder Utah bleiben bestehende Beschränkungen weiter in Kraft.

Demonstranten belagern Parlament in Michigan

Während einer Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen im US-Bundesstaat Michigan sind bewaffnete Protestierer am Donnerstag ins Parlamentsgebäude in der Hauptstadt Lansing eingedrungen. Zum Teil bewaffnet und Plakate sowie Fahnen schwenkend forderten sie das Ende des Notstands in dem Bundesstaat. "Direkt über mir schreien uns Männer mit Waffen an", schilderte die anwesende Senatorin Dayna Polehanki die Situation in einem Tweet.

Vor dem Gebäude versammelten sich zahlreiche weitere Menschen und hielten Protestschilder hoch. Auf einem der Banner wurde die demokratische Gouverneurin von Michigan, Gretchen Whitmer, als Adolf Hitler dargestellt. Heute unterschrieb Whitmer eine Exekutivorder für eine Ausweitung des Notstands bis zum 28. Mai.

Dieses Patchwork aus Regelungen polarisiert. Damit lässt sich Politik machen. Republikaner in Michigan haben beschlossen, den Notstand, den die Gouverneurin verhängt hatte, zu beenden. Das hatten einzelne Demonstranten und Trump-Anhänger verlangt, die bis ins State House in Lansing vorgedrungen waren. Einige von ihnen waren bewaffnet.

Corona USA: Wildes Patchwork - Bundesstaaten Unterschiede bei Öffnung
Torsten Teichmann, ARD Washington
01.05.2020 14:50 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 01. Mai 2020 um 17:24 Uhr.

Darstellung: