Rettungskräfte in Schutzanzügen stehen in Straßburg an einem offenen Krankenwagen. | Bildquelle: dpa

Coronavirus in Frankreich Armee unterstützt im Elsass

Stand: 18.03.2020 11:00 Uhr

Es fehlt an Betten, Beatmungsgeräten und medizinischem Personal, die Intensivstationen sind überlastet: Das Elsass ist Corona-Brennpunkt in Frankreich. Jetzt soll die Armee helfen.

Von Martin Bohne, ARD-Studio Paris

Keine Region in Frankreich ist so von der Ausbreitung des Coronavirus betroffen wie das Elsass. Rund ein Fünftel der Franzosen, die der Epidemie bisher zum Opfer gefallen sind, kommt aus dem Department Oberrhein um Mühlhausen. Dort hatten sich Ende Februar etliche Gläubige bei einem Kirchentreffen infiziert und dann das Virus in ihre Heimatorte getragen.

Das Elsass sei in der Ausbreitung der Epidemie dem Rest Frankreichs um ein paar Tage voraus, sagt der Präsident der Region Grand Est, Jean Rottner. Das habe dramatische Konsequenzen für die Krankenhäuser. Täglich kommen mehr kranke Menschen, die vom Virus befallen sind. "Die Intensivstation in Mühlhausen ist komplett belegt und auch in den Intensivstationen von Straßburg ist die Situation sehr angespannt", so Rottner.

Hilferufe nach Paris

In den Medien schlagen Ärzte und Pfleger Alarm. Es mangele an Betten, an Beatmungsgeräten, an Masken, an Handschuhen und an medizinischem Personal - zumal auch Ärzte und Krankenpfleger sich bereits angesteckt haben und nicht mehr arbeiten können. Ein Reporter des Fernsehsenders France 2 berichtete von einem Krankenhausmitarbeiter, der ihm anvertraut habe, dass man bald nicht mehr alle Patienten behandeln könne und eine Auswahl treffen müsse.

Die Hilferufe sind in Paris angekommen. Am Montagabend versprach Präsident Macron die Hilfe der Armee: "Ich habe daher entschieden, dass ein Feldlazarett in den nächsten Tagen im Elsass errichtet wird. Die Armee wird auch dabei helfen, Kranke aus den am meisten betroffenen Regionen zu verlagern und so die Überlastung der Krankenhäuser dort zu verringern."

Das Armeekrankenhaus wird in Mühlhausen installiert und soll ab Donnerstag einsatzbereit sein. 30 Betten zur Intensivbehandlung werden dann zur Verfügung stehen.

Inzwischen haben speziell ausgestattete Armeehubschrauber damit begonnen, Kranke aus Mühlhausen nach Toulon im zurzeit noch weniger betroffenen Südwesten des Landes zu überführen.

Medizinischer Notstand im Elsass
Martin Bohne, ARD Paris
18.03.2020 10:24 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 18. März 2020 um 06:19 Uhr.

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