Intensivstation | picture alliance/dpa/dpa-Zentral

Corona-Variante Delta Risiko für Krankenhauseinweisung höher

Stand: 14.06.2021 22:00 Uhr

Laut einer schottischen Studie geht mit der Delta-Variante ein höheres Risiko einher, in eine Klinik zu müssen. Zur Frage, wie dieses Risiko durch eine vollständige Impfung reduziert wird, gibt es aber unterschiedliche Erkenntnisse.

Die zunächst in Indien entdeckte Corona-Variante Delta verdoppelt einer Studie zufolge das Risiko, im Krankenhaus behandelt werden zu müssen. Zudem scheinen Impfungen etwas weniger wirksam gegen die Mutation zu sein. Das geht aus einer im Fachblatt "Lancet" veröffentlichten Untersuchung schottischer Forscher hervor.

Impfstoffe reduzieren das Risiko einer schweren Erkrankung laut dieser Studie immer noch, aber weniger stark. Demnach schützt BioNTech/Pfizer nach der zweiten Impfdosis zu 79 Prozent gegen Delta im Vergleich zu 92 Prozent gegen die zunächst in Großbritannien nachgewiesene Alpha-Variante. Bei AstraZeneca liege der Schutz bei 60 Prozent nach der zweiten Impfdosis im Vergleich zu 73 Prozent.

Englische Studie: Zwei Impfstoffdosen verhindern schwere Verläufe

Allerdings kommt eine englische Studie zu einem anderen Ergebnis. Zwei Dosen des Wirkstoffs von BioNTech/Pfizer verhinderten laut einer Studie der Gesundheitsbehörde Public Health England (PHE) zufolge in 96 Prozent der Fälle eine stationäre Behandlung. Für das Vakzin von AstraZeneca lag die Quote bei 92 Prozent.

Die Wirksamkeit des Impfstoffs für die Delta-Variante sei demnach vergleichbar mit jener für den Alpha-Virusstamm, teilte PHE mit. "Diese enorm wichtigen Ergebnisse bestätigen, dass die Impfstoffe bei der Delta-Variante einen signifikanten Schutz vor Krankenhausaufenthalten bieten", erklärte Mary Ramsay, Leiterin der Abteilung Immunisierung am PHE.

Die Corona-Varianten und ihre Namen

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) setzt ab sofort auf neutrale Bezeichnungen für die Varianten des Coronavirus. Sie sollen nicht mehr nach den Ländern benannt werden, in denen sie zuerst entdeckt wurden. Damit will die WHO Diskriminierung und Stigmatisierung verhindern.

Alpha heißt die zuerst in Großbritannien aufgetauchte Variante B.1.1.7.

Beta lautet der Name für die in Südafrika entdeckte Variante B.1.351.

Gamma steht für die in Brasilien nachgewiesene Variante P.1.

Delta bezeichnet die zunächst in Indien gefundene Variante B.1.617.2.

Schnupfen und Kopfschmerzen als Symptome

Außerdem gibt es neue Erkenntnisse über die Symptomatik der Delta-Variante. Sie verursacht offenbar etwas andere Symptome als frühere Varianten. In einer britischen App zur Überwachung von Corona-Symptomen wurden zuletzt am häufigsten Kopfschmerzen, eine laufende Nase und eine raue Kehle gemeldet, berichtet die BBC.

Tim Spector vom King’s College London, der die entsprechende Studie leitet und die gemeldeten Symptome auswertet, sagte: "Seit Anfang Mai haben wir uns die häufigsten Symptome der App-Nutzer angeschaut - und sie sind nicht mehr dieselben wie zuvor."

Nasenspray und Tschentücher | picture alliance / dpa

Schnupfen scheint für die Delta-Variante ein typischeres Symptom zu sein. Bild: picture alliance / dpa

Zwar gehöre Fieber noch immer dazu, aber der Verlust von Geruchs- und Geschmackssinn, der bislang als typisches Corona-Symptom galt, sei weniger gängig. Zeitlich passe dies mit der Verbreitung der Delta-Variante zusammen. Für einige jüngere Menschen könne sich Covid-19 somit stärker wie eine einfache Erkältung anfühlen, sagte Spector. Er rief Betroffene auf, sich in jedem Fall testen zu lassen.

Lockerungen in Großbritannien verschoben

Wegen der zunehmenden Verbreitung der Delta-Variante in Großbritannien hat Premier Boris Johnson heute angekündigt, die für Montag geplanten Lockerungen um einen Monat zu verschieben. Die als sehr ansteckend geltende Variante macht bereits mehr als 90 Prozent aller Fälle aus.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk "Forschung Aktuell" am 14. Juni 2021 um 16:42 Uhr.