In der Wirtschaftsmetropole Guangzhou leben besonders viele Menschen aus Afrika. | Bildquelle: ALEX PLAVEVSKI/EPA-EFE/Shutterst

Corona-Krise in China Afrikaner berichten von Schikanen

Stand: 13.04.2020 11:35 Uhr

In China häufen sich in der Corona-Krise Berichte über rassistische Vorfälle. Besonders betroffen sind offenbar afrikanische Geschäftsleute. Sie werden aus ihren Wohnungen vertrieben oder unter Hausarrest gestellt.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Anozie Maduabuchi Cyril ist sichtlich aufgebracht. In einem Video, das auf Facebook und Twitter hochgeladen wurde, ist zu sehen, wie der nigerianische Top-Diplomat einen chinesischen Behördenvertreter anbrüllt. Aufgenommen wurde die Szene in der südchinesischen Wirtschaftsmetropole Guangzhou, offenbar vor einem Gebäude, in dem Menschen in Zwangs-Quarantäne untergebracht sind.

Er sei gekommen, um nigerianische Staatsbürger zu beschützen, ruft der Generalkonsul. "Warum schikanieren Sie unsere Staatsbürger?", will er von dem chinesischen Behördenvertreter wissen.

Kündigungen und Testzwang

Hintergrund für die verbale Auseinandersetzung sind zahlreiche offen ausländerfeindliche und rassistische Vorfälle in Guangzhou, die mit dem Kampf der chinesischen Behörden gegen das Coronavirus zu tun haben.

Seit in Guangzhou mehrere Nigerianer positiv auf das Corona-Lungenvirus getestet wurden, beklagen sich Ausländer in der Millionenstadt über massive Diskriminierungen. So berichten vor allem Menschen mit schwarzer Hautfarbe, dass sie von den Behörden willkürlich unter Hausarrest gestellt und zu Virus-Tests gezwungen wurden. Andere wurden von ihren Vermietern aus der Wohnung geworfen.

Bei den Betroffenen handelt es sich größtenteils um Menschen, die seit vielen Jahren in Guangzhou leben und arbeiten.

Staatsführung spielt Vorfälle herunter

Die Vorfälle sorgen inzwischen für diplomatische Verstimmungen. Die Afrikanische Union bestellte aus Protest den chinesischen Botschafter, Liu Yuxi, ein. Die US-Regierung warnte Staatsbürger mit schwarzer Hautfarbe vor Reisen nach Guangzhou.

Chinas Staats- und Parteiführung versucht inzwischen, die Vorfälle herunterzuspielen. Liu Baochun vom Außenamt der Stadt Guangzhou sprach von "einzelnen Missverständnissen und unverhältnismäßigen Aktionen" bei der Umsetzung der Gesundheitsvorgaben. Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums sagte, es gebe keine Diskriminierung gegen "afrikanische Brüder". Die Warnung aus Washington, in Guangzhou hätten Behörden verstärkt Maßnahmen gegen Afrikaner ergriffen, wies er als Versuch zurück, Pekings Beziehungen zu afrikanischen Staaten zu schaden.

Händler und Passanten meiden Ausländer

Tatsächlich aber haben in ganz China ausländerfeindliche und rassistische Vorfälle in den vergangenen Wochen spürbar zugenommen. Wichtigster Grund dürfte sein, dass die chinesische Führung betont, bei den meisten neu gemeldeten Coronavirus-Fällen handle es sich um aus dem Ausland importierte Fälle. Entsprechend misstrauisch beäugt werden vielerorts nicht-chinesische aussehende Menschen in China.

"Natürlich habe ich zur Zeit etwas Angst, wenn ich Ausländer sehe," sagt eine Händlerin in einer Markthalle in Shanghai. "Normalerweise sehe ich das nicht so, aber inzwischen finde ich es gut, wenn keine Ausländer mehr ins Land gelassen werden." Sie gehe Ausländern wegen des Virus aus dem Weg. Da verzichte sie auch gerne auf die Einnahmen.

"Als Chinese versuche ich jetzt, Ausländern aus dem Weg zu gehen," sagt ein anderer Shanghaier. "Ich halte zwei Meter Sicherheitsabstand."

Vor allem Chinesen importieren den Virus

In Shanghai und anderen chinesischen Städten gibt es einzelne Wohnviertel, in die Ausländer nicht mehr reingelassen werden. Auch viele Hotels in China nehmen grundsätzlich keine Ausländer mehr auf, selbst wenn diese seit Monaten das Land nicht verlassen haben.

Dass es sich bei den importierten Coronavirus-Fällen zu 90 Prozent um zurückgekehrte Chinesen handelt, wird in den staatlich kontrollierten chinesischen Medien kaum thematisiert.

Diskriminierung und Rassismus gegen vermeintlich infektiöse Ausländer
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
13.04.2020 10:18 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 13. April 2020 um 11:12 Uhr.

Darstellung: