Ein Fan des FC Minsk mit Mundschutz während eines Spiels am 28. März | Bildquelle: AFP

Belarus und Corona Fußballfans besorgt, der Präsident nicht

Stand: 01.04.2020 20:44 Uhr

In Südamerika ist es Brasiliens Präsident Bolsonaro, der Corona noch immer nicht ernst nimmt. Und in Europa? Da ist es der Präsident von Belarus, Lukaschenko. Das beunruhigt die Nachbarländer - und Fußballfans in Belarus.

In Litauen wächst die Sorge über die fehlenden Maßnahmen gegen die Corona-Epidemie im Nachbarland Belarus (Weißrussland). "Wir sehen, dass es sich um einen nicht verwalteten, unkontrollierten Krisenherd handeln könnte", sagte Regierungschef Saulius Skvernelis. Sollte die autoritäre Führung in Minsk keine "angemessene" Reaktion auf die Coronavirus-Krise zeigen, werde das baltische EU-Land seine Grenzen komplett dicht machen und die Grenzsicherung verstärken.

Anders als in Litauen gelten in Belarus kaum Einschränkungen des öffentlichen Lebens wegen der Ausbreitung des Coronavirus. Schulen, Geschäfte und Restaurants sind geöffnet.

Der belarussischen Präsident Alexander Lukaschenko (Archivbild) | Bildquelle: AP
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Präsident Lukaschenko wettert fast täglich gegen die "Corona-Panik".

"Wir kümmern uns - ohne Lärm"

Präsident Alexander Lukaschenko hatte wiederholt gegen die "Corona-Panik" gewettert und die Gefahr heruntergespielt. Nach seiner Darstellung werde mithilfe von Polizei, KGB-Geheimdienst und Videokameras jeder ausfindig gemacht, der mit einem Infizierten Kontakt hatte. "Wir kümmern uns. Aber ohne Lärm und ohne Staubaufwirbeln", sagt der Staatschef.

Offiziell 163 Infizierte und zwei Todesfälle

In Belarus starben nach offiziellen Angaben bisher zwei Menschen an dem Coronavirus, die Zahl der Infektionen liegt bei 163. Allerdings ist nicht klar, wie sehr Daten aus dem autoritär regieren Land zu trauen ist.

Noch immer Flüge von Minsk nach Vilnius

Litauen verzeichnete bislang 581 bestätigte Coronavirus-Infektionen und acht Todesfälle. Die Regierung in Vilnius beschloss, den internationalen Flug- und Fährverkehr vom 4. April an auszusetzen. Sie hatte zuvor bereits den Notstand ausgerufen und das Land bis zum 13. April unter Quarantäne gestellt.

Nach Angaben von Skvernelis fliegt die belarussische Fluglinie Belavia immer noch regelmäßig von Minsk nach Vilnius. Auch passierten "einige wenige" Menschen weiterhin die Landgrenze zwischen den beiden Nachbarländern.

Fans von FC Dinamo-Minsk während eines Spiels am 28. März | Bildquelle: AFP
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Noch wird in Belarus Fußball gespielt und geschaut, als gäbe es kein Corona - wie hier am vergangenen Samstag. Doch unter den Fans wächst die Sorge.

Fangruppen rufen zu Boykott der Spiele auf

Auch in Belarus selber gibt es zunehmend Kritik an der Politik Lukaschenkos - nicht nur von der Opposition, die dem Präsidenten Fahrlässigkeit vorwirft. Fangruppen zweier Fußballvereine des Landes riefen ihre Anhänger dazu auf, wegen der Corona-Pandemie nicht mehr zu den Spielen zu gehen. Anders als im übrigen Europa pausieren in der Ex-Sowjetrepublik weder der Fußball noch andere Sportarten. Die Stadien waren auch zuletzt noch gut besucht.

Die Unterstützer des Vereins FK Njoman Hrodna schrieben bei Instagram: "Uns fällt die Entscheidung sichtlich schwer, das Team nicht weiter unterstützen zu können. Aber die Gesundheit der Menschen ist das Wichtigste." Ähnlich äußerte sich die Fangruppe von FK Schachzjor Salihorsk. Die Spiele sollten erst dann wieder besucht werden, wenn es die epidemiologische Situation zulasse.

Die Vereinsführung von Schachzjor Salihorsk sprach zumindest eine Empfehlung an die Fans aus. Zum Spiel am kommenden Samstag sollten keine Rentner, Kinder und kranke Menschen kommen. Und für die andere gelte: "Versuchen Sie, auf der Tribüne mindestens einen Platz Abstand zu halten."

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