Pedro Sanchez | Bildquelle: REUTERS

Corona-Pandemie Spaniens Regierung mobilisiert Rekordsumme

Stand: 17.03.2020 22:17 Uhr

200 Milliarden Euro: Diese Summe will Spaniens Ministerpräsident Sánchez einsetzen, um Wirtschaft und Arbeitnehmer in der Corona-Krise zu unterstützen. Aber auch andere europäische Länder verschärfen ihre Maßnahmen.

Spanien legt ein gigantisches Rettungspaket über 200 Milliarden Euro auf, um die Folgen der Corona-Krise für die heimische Wirtschaft abzufedern. Das seien etwa 20 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und das größte Maßnahmenbündel, das Spanien in der Geschichte seiner Demokratie verabschiedet habe, sagte Ministerpräsident Pedro Sánchez nach einer Ministerratssitzung in einer Fernsehansprache.

"Dies sind außergewöhnliche Zeiten, die außergewöhnliche Maßnahmen erfordern", erklärte der Regierungschef. Unter anderem solle das Geld dafür verwendet werden, Arbeitslose zu unterstützen, einen Zusammenbruch des Produktionsgefüges zu verhindern und die Liquidität von kleinen und mittleren Unternehmen zu gewährleisten. Dazu sieht das 45-seitige königliche Dekret auch einen Zahlungsaufschub für Hypotheken vor - speziell für Angestellte, die wegen der Krise ihre Arbeit verlieren und Selbstständige, die einen drastischen Einkommensrückgang erleiden.

Großbritannien reagiert auf Krise

Auch Großbritannien reagiert mit massiven Wirtschaftshilfen auf die Krise: Die Regierung gibt Kreditgarantien in Höhe von 330 Milliarden Pfund. Alle, die Zugang zu Bargeld benötigten, würden den erhalten. Und wenn die Nachfrage noch höher sei, werde der Betrag weiter aufgestockt, versicherte Finanzminister Rishi Sunak.

Es sei jetzt nicht die Zeit für Ideologie, sondern die Zeit, mutig zu sein, meinte Sunak. Neben den Kreditgarantien kündigte er auch Steuererleichterungen und andere Hilfsmaßnahmen in Höhe von 20 Milliarden Pfund an. So müssen etwa Betriebe im Gast- und Freizeitgewerbe wie Pubs, Theater und Restaurants für 12 Monate keine Gewerbesteuer zahlen.

An den zunächst vergleichsweise lockeren Maßnahmen von Premierminister Johnson zur Eindämmung der Pandemie hatte es massive Kritik gegeben. So hatte der Premier noch am Montag erklärt, auf Versammlungsverbote oder Schulschließungen wie in anderen Ländern verzichten zu wollen. Nach Warnungen von Wissenschaftlern, wonach bei einer zu laxen Reaktion auf die Pandemie hunderttausende Menschen in Großbritannien und den USA an den Folgen einer Coronavirus-Infektion sterben könnten, zeichnete sich jedoch ein Kurswechsel der Regierung ab.

Belgien beschließt Ausgangssperre

Auch Belgien verschärft seine Maßnahmen, von Mittwoch an gilt eine fast dreiwöchige strenge Ausgangssperre. Ausnahmen gebe es nur für unbedingt nötige Wege, sagte Regierungschefin Sophie Wilmès nach einer stundenlangen Sitzung des Nationalen Sicherheitsrates in Brüssel, wo auch zahlreiche EU-Institutionen ihren Sitz haben.

Alle Unternehmen müssen - wo immer möglich - Telearbeit einführen, sonst drohen hohe Bußgelder. Die Regierung habe die Entscheidung nicht leichtfertig genommen, sagte Wilmès, sondern weil die Entwicklung des Coronavirus sie dazu zwinge. Es gehe darum, "unsere Liebsten zu schützen".

Mit Informationen von Imke Köhler, ARD-Studio London

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 17. März 2020 um 20:00 Uhr.

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