Ein Smartphone mit der französichen StopCovid App | AFP

"StopCovid" geht an den Start Wie Frankreichs Corona-App funktioniert

Stand: 02.06.2020 10:31 Uhr

Wie andere Länder in Europa lockert auch Frankreich zunehmend seine Corona-Beschränkungen. Dabei setzt die Regierung auch auf digitale Unterstützung. Die App "StopCovid" ist allerdings nicht unumstritten.

Von Sabine Wachs, ARD-Studio Paris

Restaurants, Bars und Cafés, Museen und sogar Campingplätze sind in Frankreich wieder offen. Bei den Lockerungen setzt die Regierung nicht nur auf Abstandsregeln und Hygienemaßnahmen, sondern auch auf digitale Unterstützung per App, um das Virus in Schach zu halten: "StopCovid ist keine Wunderwaffe gegen die Pandemie. Aber es ist ein Instrument, das es uns zusammen mit anderen Maßnahmen ermöglicht, gegen diese Pandemie zu kämpfen - noch effizienter, als wir es schon jetzt tun", erklärte Frankreichs Premierminster Edouard Philippe in seiner Rede zu den neuen Lockerungen.

Sabine Wachs ARD-Studio Paris

Zentrale Datenspeicherung

Die App StopCovid ist freiwillig und funktioniert über Bluetooth. Hat man sich über 15 Minuten oder länger in der Nähe einer infizierten Person aufgehalten, erhält man einen Alarm in der eigenen App und kann sich testen lassen oder freiwillig in Quarantäne begeben.

Anders als es für die deutsche App geplant ist, werden die gesammelten Daten in Frankreich zentral auf einem Server gespeichert. Die französische App ist daher aller Voraussicht nach auch nicht mit der deutschen, dezentralen App kompatibel, obwohl viele Kriterien gleich sind: "Es gibt keine Standortbestimmung, die App hat keinen Zugriff auf Ihre Kontakte und auf die der Personen, in deren Nähe Sie waren. Niemand wird erfahren, wer infiziert ist. Weder Sie, noch andere, noch der Staat", versichert Cédric O, Staatssekretär für Digitales in der Debatte um die App im Parlament.

Mit "anderen" meint Staatssekretär O auch Großkonzerne wie Apple und Google. Frankreich habe sich, im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern, bewusst gegen eine Zusammenarbeit mit den beiden großen Firmen entschieden. "Diese Entscheidung ist keine grundsätzliche Entscheidung gegen Apple und Google. Es geht nur darum, dass eine große Firma, welche auch immer es sein mag, keinen Einfluss auf die politischen Entscheidungen eines Staates im Gesundheitswesen haben soll", so O.

Kritik an technischer Umsetzung

Trotzdem bringt diese Entscheidung gegen die beiden großen App-Anbieter auch Nachteile für StopCovid mit sich. Auf Apple-Geräten beispielsweise kann die französische App nicht im Hintergrund laufen. Nur offen sendet und empfängt sie Bluethooth-Signale. Wird eine andere App gestartet, erhält die Tracing-App keinerlei Daten mehr. Das, schätzen Experten, macht die App für iPhone-Nutzer quasi unbrauchbar.

Diesen Punkt kritisiert Jean-Luc Mélenchon von der Linksaußen-Partei La France Insoumise: "Diese App ist nutzlos, denn damit sie läuft, müssen 50 bis 60 Prozent der Menschen die App nutzen. Das wird nicht funktionieren. Und dann gibt es noch die 25 Prozent der Bevölkerung, die keine Smartphones besitzen, es sei denn, sie schenken ihnen welche."

Auch von rechts, aus dem Lager der Konservativen, gibt es heftige Kritik an der App: "Ich will keine Gesellschaft, in der die Freiheitsrechte und der Respekt des Privatlebens hinten angestellt werden. Wir dürfen uns nicht mit einer Gesellschaft abfinden, die unsere Freiheiten unter dem Deckmantel der Gesundheitskrise einschränkt", so Damien Abad, Fraktionsvorsitzender der konservativen Les Républicains.

Die französische Kommission für Datenschutz CNIL hat keine Bedenken. Die App sei freiwillig, die Daten anonymisiert. Diese Garantien hatte die CNIL gefordert. Gut der Hälfte der französischen Bevölkerung scheint das aber nicht zu reichen. 54 Prozent der Französinnen und Franzosen machen sich einer Umfrage von Harris Interactive zufolge Sorgen um ihre Daten. Mehr als 150 IT-Experten warnen in einem offenen Brief unter dem Titel "Attention-StopCovid" vor der Möglichkeit, dass Daten abgefischt und zurückverfolgt werden könnten.