Pendler in Peking tragen Gesichtsmasken zum Schutz vor der Coronavirus-Pandemie während sie mit einem U-Bahn-Zug fahren.  | Bildquelle: dpa

China Corona-Warn-App als Dauerzustand?

Stand: 21.08.2020 08:05 Uhr

Jede Provinz in China hat eine eigene Corona-Warn-App. Peking ist besonders streng: Restaurantbesuche oder Spaziergänge im Park sind nur erlaubt, wenn sie auf Grün springt. Einige sind sich sicher: Die App wird bleiben.

Von Axel Dorloff, ARD-Studio Peking

Wärmebildkamera, QR-Code zum Scannen, danach die Anweisung: Zutritt erlaubt. Das gehört zum Alltag in Peking. Egal, ob es zur Bank geht, in die Shopping Mall oder ins Nudelrestaurant, die Bürger scannen mit ihrem Handy dutzende Male pro Tag den gleichen Code, erklärt Zhou Lin Na, Professorin an der Pekinger Jiaotong Universität.

"Wo immer wir auch hingehen, müssen wir diesen Gesundheits-Code scannen. Unsere Corona-Warn-App ist in WeChat und auch in die App von Bezahldienstanbieter Alibaba integriert. Man kann also mit den am meisten benutzten Apps in China diesen QR-Code scannen - und braucht dazu nicht mal eine eigene App", so die Pekinger Professorin.

Jede Provinz hat eine eigene App

WeChat und Alipay arbeiten mit integrierten Miniprogrammen: Eins davon ist die Pekinger Corona-App. Auch der Corona-Test ist mittlerweile integriert. Jede Provinz in China hat eine eigene App. Dazu gibt es die der chinesischen Zentralregierung, die das Bewegungsprofil der Bürger im ganzen Land genau aufzeichnet.

Ein Zustand, der bleiben wird, vermutet der 40-jährige Li Hanjun aus Pekings: "Ich glaube, das wird zur Normalität. Ich kann mich auch ohne Probleme daran gewöhnen. Wir sind doch längst in der Zeit von Big Data angekommen. Für mich ist das gut, nicht kompliziert. Überall kann man diesen QR-Code sannen, das ist bequem.“

Kaum Sorgen um Datensicherheit

Fragt man Chinesen auf der Straße, kommt fast immer eine ähnliche Antwort. Die Sorge um die Sicherheit der eigenen Daten ist kaum vorhanden. Eine grundsätzlich andere Haltung als im Westen, sagt Professorin Zhou Lin Na:

"Aus meiner Sicht ist das eine kulturelle Frage. Die Chinesen legen nicht so viel Wert auf Datensicherheit und Privatheit. Nicht so wie die Ausländer. China war immer eine riesige Gesellschaft. Die Leute haben deshalb zu Autoritäten und Regierungsinstitutionen mehr Vertrauen. Die Menschen kooperieren bereitwillig mit den Apps der Regierung. Debatten darum sind hier in China nicht im Fokus.“

Sondern es geht darum, die Gesellschaft sicherer zu machen. Die chinesische Regierung nutzt die niedrigen Infektionszahlen als Beleg für den Erfolg dieser Strategie. Einzelne Kritiker warnen zwar vor digitaler Willkür, Überwachung und Stigmatisierung, aber es bleiben Ausnahmen.

Ein Modell für die Zukunft?

Die große Mehrheit in China sieht darin ein Modell für die Zukunft, sagt der 18-jährige Student Li Chenghan: "Ich finde es gut, wenn das zur Normalität wird, es schützt die persönliche Sicherheit der Bürger. Die Maßnahmen können bleiben. Die Corona-App könnte später zur allgemeinen Gesundheits-App der Bürger werden. Das wäre doch gut."

Eine App, in der zum Beispiel der Impfpass abgelegt ist. Ohne Corona-Impfung keinen Zutritt: weder in die Bank, noch in die Shopping Mall, noch ins Nudelrestaurant. Eine App, gekommen, um zu bleiben.

Corona-App in China
Axel Dorloff, ARD Peking
21.08.2020 06:47 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. August 2020 um 05:49 Uhr in der Sendung "Informationen am Morgen".

Darstellung: