Jeremy Corbyn, ehemaliger Vorsitzender der Labour Partei, kommt zu seinem Haus in Nordlondon (Archivbild). | Bildquelle: dpa

Nach Suspendierung Corbyn wieder Labour-Mitglied

Stand: 18.11.2020 03:38 Uhr

Der frühere Chef der britischen Labour-Partei ist drei Wochen nach seiner Suspendierung wieder Mitglied. Ihm waren schwere Versäumnisse im Umgang mit Antisemitismus-Vorwürfen unterstellt worden.

Drei Wochen nach seiner Suspendierung ist der frühere Chef der britischen Labour-Partei wieder als Mitglied zugelassen worden. Corbyn war suspendiert worden, nachdem er erklärt hatte, das Problem des Antisemitismus in der Partei sei aus politischem Gründen "dramatisch übertrieben" worden.

Das sagte er nach einem Bericht der britischen Gleichberechtigungs- und Menschenrechtskommission, in dem der seinerzeit von ihm geführten linken Oppositionspartei schwerwiegende Fehler und ihm selbst ein "Mangel an Führung" angesichts Vorwürfen bescheinigt wurde, wie die Partei mit Antisemitismus in ihren Reihen umgehe.

Corbyn schlägt anderen Ton an

Vor dem Treffen des Nationalen Exekutivkomitees der Partei veröffentlichte Corbyn eine Erklärung, der zufolge Besorgnis wegen Antisemitismus in der Labour-Partei weder überbetont noch übertrieben worden seien. Die Partei dürfe "niemals Antisemitismus tolerieren und Sorgen deswegen verharmlosen". Die Labour-Bewegung müsse sich nun darauf konzentrieren, "diese zutiefst schädigende konservative Regierung zu besiegen", twitterte Corbyn, der die Partei von 2015 bis April dieses Jahres führte.

Sein Nachfolger als Parteichef, Keir Starmer, hatte nach dem Bericht der Kommission "einen Kulturwandel in der Labour-Partei" angekündigt. Es werde kein Leugnen und keine Ausreden mehr geben. Jüdische Mitglieder in der Partei, die Jewish Labour Movement, reagierten entsetzt auf Corbyns Wiederaufnahme. "Wieder einmal sehen wir uns veranlasst, die Labour-Partei daran zu erinnern, dass nicht Jeremy Corbyn das Opfer von Labour-Antisemitismus ist - die jüdischen Mitglieder sind es." Die Labour-Abgeordnete Margaret Hodge twitterte: "Das ist ein kaputtes Ergebnis aus einem kaputten System."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. November 2020 um 06:00 Uhr.

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