Der designierte Premier Italiens Giuseppe Conte. | Bildquelle: RICCARDO ANTIMIANI/EPA-EFE/REX/S

Italiens designierter Premier Der Kandidat aus dem Schatten

Stand: 23.05.2018 21:55 Uhr

Der designierte Premier Conte soll Italiens Regierung durch schwierige Zeiten führen. Wer aber ist der Jurist, dessen Lebenslauf sich über 18 Seiten erstreckt?

Von Jan-Christoph Kitzler, ARD-Studio Rom

Es war eine Szene fast wie in einer Casting-Show, als Luigi di Maio, der Chef der Fünf-Sterne-Bewegung sein Schattenkabinett vorstellte. Es war der 1. März, also wenige Tage vor der Parlamentswahl. Teil der angepeilten Ministerriege war auch ein gewisser Giuseppe Conte.

"Er ist der Minister für die öffentliche Verwaltung, die Entbürokratisierung und Meritokratie", verkündete Di Maio. Conte sei Ordentlicher Professor für Privatrecht der Universität Florenz, war im Präsidium der Verwaltungsjustiz und als Anwalt am Kassationsgerichtshof in Rom zugelassen.    

Doch weil ein Schattenkabinett im Normalfall nie das Licht der Welt erblickt, sahen viele Beobachter zwar den Coup im Wahlkampf, der den Anspruch auf die Regierung Italiens unterstrich - doch Conte geriet bald in Vergessenheit. Einmal durfte er Di Maio noch in eine der zahllosen Talkshows begleiten - aber er hatte offenbar selbst Zweifel, ob er es zum Minister bringt.

Giuseppe Conte auf dem Weg zu Italiens Präsidenten Sergio Mattarella | Bildquelle: AP
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Giuseppe Conte auf dem Weg zu Italiens Präsidenten Sergio Mattarella

Ein etwas aufgeblasener Lebenslauf

"Wenn Sie mich fragen, was meine Aussichten für dieses Amt sind, dann kann ich nur sagen: 'Es würde mir gefallen, mich und meine Kompetenzen einzubringen'", sagte er. Da gebe es sicher viel zu tun. Dann fragte der Moderator noch, auf welcher Seite Conte eigentlich stehe. Und Conte antwortete etwas umständlich: "Traditionell hat mein Herz links geschlagen."

Nun, da er nicht Entbürokatisierungminister wird, sondern den schwierigen Auftrag bekommen hat, die 65. Regierung Italiens seit Kriegsende zu bilden und anzuführen, haben viele italienische und ausländische Medien noch einmal ganz genau hingeschaut. Der Lebenslauf des Juraprofessors mit Lehrstuhl in Florenz ist - wenn man ihn ausdruckt - 18 Seiten lang. Bis ins letzte Detail sind dort auch kürzere Aufenthalte an renommierten ausländischen Universitäten vermerkt, was etwas aufgeblasen wirkt. Doch Conte hat es akademisch recht weit gebracht.

Conte (rechts) bei Staatspräsident Mattarella. | Bildquelle: REUTERS
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Conte (rechts) bei Staatspräsident Mattarella: Auftrag mit Vorbehalt

Staatsmännische Erklärung

Politisch hat der 53-jährige Süditaliener hingegen keine Erfahrung. So stellt sich die Frage, wie er eine Regierung führen will, deren Programm er nicht verhandelt, deren Minister er nicht ausgesucht hat. Am Kabinettstisch sitzen die mächtigen Parteichefs Di Maio und Matteo Salvini, die die Mehrheit im Parlament kontrollieren.

In seiner ersten Erklärung versuchte Conte es staatsmännisch: "Mit dem Staatspräsidenten habe ich über die anstrengende, schwierige Phase gesprochen, die wir durchleben, und über die Herausforderungen", sagte er. Er sei sich bewusst, dass "wir die europäische und internationale Verortung Italiens bestätigen müssen."

Kritische Fragen

Schon bald wird sich der völlig unerfahrene Regierungschef kritischen Fragen stellen müssen - wohin Italien treibt, mit seiner neuen Regierung, die für antieuropäische, rechtsnationale und fremdenfeindliche Töne im Wahlkampf gewählt wurde.

Conte wird von manchen als Strohpuppe bezeichnet. Ob er in einer Koalition mit sehr ungleichen Partnern eigene Akzente setzen kann wird von vielen bezweifelt. Er selbst betonte: Er wolle den Koalitionsvertrag umsetzen: "Was da entsteht, ist die Regierung des Wandels, die die Interessen der Bürger schützt", sagte er. "Ich mache mich jetzt daran, die Interessen aller Italiener zu verteidigen, überall, in Europa und international." 

Ein Politik-Neuling führt Italien also in schwierigen Zeiten - es ist ein Experiment mit ungewissem Ausgang.

Italiens designierter Regierungschef: Wer ist Giuseppe Conte?
Jan-Christoph Kitzler, ARD Rom
23.05.2018 21:22 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. Mai 2018 um 23:19 Uhr.

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