Der Riesenfrachter "MSC Zoe" hat im Sturm 270 Container verloren. | Bildquelle: dpa

Frachter verliert Ladung Hunderte Container dümpeln in der Nordsee

Stand: 03.01.2019 14:04 Uhr

Strandlatschen und Spielzeug: Treibgutjäger kommen an den Stränden der niederländischen Nordseeinseln gerade voll auf ihre Kosten. 270 Container hat ein riesiger Frachter verloren, auch Gefahrgut ist dabei.

Von Ralf Lachmann, ARD-Studio Kleve

Die Reederei Mediterranean Shipping Company, kurz MSC, hat nun auch Spezialschiffe in die Nordsee beordert. Sie wollen im offenen Meer mit Sonar nach den herumtreibenden Containern und der teils lose herumschwimmenden Ladung suchen. Auch die niederländische Küstenwache, unterstützt von deutschen Einsatzkräften, sucht nach der über Bord gegangenen Fracht. Die Schifffahrt wurde vor den umhertreibenden Containern gewarnt. Vorsorglich blieb deshalb auch der Emshafen bis Sonnenaufgang gesperrt. Besondere Wachsamkeit herrscht an der ostfriesischen Küste, für die Insel Borkum wurde eine Warnmeldung abgesetzt.

Die meisten der 270 Container schwimmen weiterhin in der aufgewühlten See vor den niederländischen Inseln. Mindestens drei von ihnen enthalten gefährliche Fracht, darunter organische Peroxide. Das giftige Pulver wird benötigt, um Kunststoff herzustellen.

Sack mit giftigem Pulver angespült

An der niederländischen Wattenmeer-Insel Schiermonnikoog wurde inzwischen ein Sack mit einem giftigen Pulver angespült. Nach ersten Erkenntnissen handelt es sich um einen Stoff aus der Gruppe der Peroxide, meldeten die Behörden der Provinz Friesland. Die Substanz werde nun untersucht. In dem Sack seien etwa 25 Kilo Puder. Tests sollen ergeben, welcher Stoff genau es ist. Erst dann wisse man, wie stark giftig das Pulver ist.

Spezialschiffe suchen nach versunkenen Containern
tagesschau 17:00 Uhr, 03.01.2019, Christina Gerlach, NDR

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Der Frachter "MSC Zoe" ist eines der größten Containerschiffe der Welt. Insgesamt 19.000 Container kann er laden - in acht Reihen übereinander gestapelt. Fast 300 gingen gestern bei hohem Wellengang und Windstärke 8 bis 9 über Bord - kurz vor dem Ziel Bremerhaven. Inzwischen ist der Frachter angekommen.

Jede Menge einzelne Strandlatschen

Einige Container mit Gebrauchsgütern wurden an den niederländischen Nordseeinseln Texel, Vlieland, Terschelling und Ameland angespült. Sie sind teils zerbrochen, so dass die Strände übersät waren unter anderem mit Stühlen, Fernsehern, Kinderkleidung und Glühbirnen. Inselbewohner und Touristen machten sich über das Treibgut her. Ein Mann hat sich auf die angespülten Strandlatschen spezialisiert. "Da hab ich 50 einzelne von gefunden. Ich muss mal schauen, ob da welche zusammen passen." Auch Ikea-Spielzeug ist dabei. "Ich glaube, da hinten liegen noch Kuscheltiere - für unsere Enkel."

Bewohner und Touristen dürfen die Fundstücke zwar mitnehmen, so die Behörden. Aber vieles sei durch den Kontakt mit Meereswasser wertlos geworden. Das Aufbrechen der Container sei aber strengstens verboten. Niederländische Behörden haben die Registernummern der drei mit Gefahrgut beladenen Container inzwischen veröffentlicht. Wer sie entdeckt, solle die Notrufnummer 112 anrufen.

Darf man angespültes Strandgut behalten?

Ob man Strandgut behalten darf, ist weltweit unterschiedlich geregelt. In den Niederlanden ist es nicht strafbar. Nur geschlossene Container dürfen nicht geöffnet werden.
Wer in Deutschland angespülte Gegenstände mitnimmt, riskiert eine Anzeige wegen Fundunterschlagung. Denn nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch müssen Fundsachen im Wert von mehr als zehn Euro dem Eigentümer oder der zuständigen Behörde gemeldet werden.

Plastik in den Dünen - und bis zum Nordpol?

Der Bürgermeister von Terschelling, Bert Wassink, hofft, dass sich heute Soldaten am Einsammeln des Treibguts beteiligen. Er fürchtet vor allem das viele Plastik. Die Aufräumarbeiten dürften noch Tage dauern: "Die Schiffskatastrophe hatte sich schnell herumgesprochen. Es war den ganzen Tag viel los am Strand. Wenn man aber drüber nachdenkt, ist es eigentlich nur traurig. Denn es ist eine enorme Umweltbelastung. Und das Zeug wird bis in die Dünen und darüber geweht. Ich bin sehr frustriert."

Ein Experte warnt, dass die im aufgewühlten Meer schwimmenden Container aufspringen können; ihre Ladung treibe dann mit der starken Strömung vorbei an Dänemark und Norwegen bis zum Nordpol und würde auch dort für eine Umweltkatastrophe sorgen.

Container-Suche in der Nordsee geht weiter
Ralf Lachmann, ARD Den Haag
03.01.2019 09:30 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 03. Januar 2019 um 10:00 Uhr.

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