Auf dem Capitol Hill in der US-Hauptstadt Washington protestieren Schülerinnen gegen Waffengewalt. | Bildquelle: AP

US-Schülerproteste Aus der High School auf die Demo

Stand: 20.04.2018 20:38 Uhr

19 Jahre nach dem Schulmassaker von Columbine gehen Schüler in den USA auf die Straßen: Sie demonstrieren gegen Waffengewalt - und dagegen, dass sich auch nach Parkland nichts geändert hat.

Von Torsten Teichmann, ARD-Studio Washington

Mehr als 100 Schüler verließen in Gaithersburg im Bundesstaat Maryland gleich nach zehn Uhr die High School. Mit selbst gemalten Plakaten in den Händen zogen sie zum Sportplatz und dann weiter. Ihr Protest und der von Tausenden anderen Schülern in den USA richtet sich gegen Waffengewalt an Schulen.

Es müsse schwieriger werden in den USA an Waffen zu gelangen, sagte Hiam Baidas, der mit Klassenkameraden nach Washington gekommen ist, um vor dem Weißen Haus zu demonstrieren. Die Protestteilnehmerin Meredith Kappel sagt: "Ich hoffe, das zeigt den Abgeordneten, was wir bereit sind zu tun, damit sich etwas ändert. Ich hoffe, der Druck wächst, so dass die aufwachen. Ihr müsst das beachten und Veränderung verlangen - mit uns gemeinsam."

19 Minuten Schweigen in Washington

In Washington beginnt die Demonstration mit 19 Minuten Schweigen. Damit wird auch an den Amoklauf von Columbine erinnert. Vor 19 Jahren erschossen zwei Schüler der Columbine High School im Bundesstaat Colorado zwölf Mitschüler und einen Lehrer. Alle Kinder, die danach aufwuchsen, sind mit Berichten über Anschläge an Schulen groß geworden.

Die Schüler in Columbine gehen wie jedes Jahr an dem Tag nicht zur Schule, sondern engagieren sich ehrenamtlich. An anderen Schulen wird der Opfer der Amokläufe heute in den Klassenzimmern gedacht. Die Demonstranten, die ihren Protest auf die Straße tragen, müssen einmal mehr erklären, worum es ihnen geht:

"Viele Menschen sagen, wir wollen alle Waffen verbieten. Darum geht es nicht. Aber Waffen der Armee haben nichts in unseren Städten verloren."

Schüler in Chicago dürfen Unterricht nicht verlassen

Anders als noch vor Wochen beim ersten sogenannten School Walkout, einem Protestzug nach dem Amoklauf von Parkland im Bundesstaat Florida, kam dieses Mal offenbar viel mehr Kritik von Lehrer und Rektoren im Land an den Demonstrationen.

Schulen in Chicago haben zum Beispiel Eltern und Schüler informiert, dass es Konsequenzen haben kann, wenn sie den Unterricht unerlaubt verlassen.

Aber es spiele keine Rolle, ob mehr oder weniger Schüler auf die Straße gehen als zuvor, sagte David Hogg. Er ist einer der Organisatoren der Proteste und Überlebender des Amoklaufs von Parkland: "Solange überhaupt Schüler den Unterricht verlassen, in der Schule der Amokläufe gedenken, sich ehrenamtlich engagieren und sich als Wähler registrieren lassen, ist das genau der richtige Weg. Solange Du überhaupt etwas tust und wählen gehst, ist das alles, was zählt."

Aber auch das gehört zum Bild: Seit den letzten Demonstrationen haben Demokraten und Republikaner in Washington keine Neuerung der Waffengesetze in den USA auf den Weg gebracht.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 20. April 2018 um 20:00 Uhr.

Darstellung: