Eine Taube fliegt an Frank DeAngelis, ehemaliger Direktor an der Columbine High School, vorüber, während dieser bei einer Gedenkveranstaltung die Namen der Opfer des Attentats an der Columbine High School vorliest. | Bildquelle: dpa

Gedenken an Columbine-Amoklauf "Ist es wirklich schon 20 Jahre her?"

Stand: 21.04.2019 11:17 Uhr

Zwölf Schüler und ein Lehrer wurden an der Columbine High School erschossen. 20 Jahre danach erinnert eine Gedenkfeier an die Ereignisse - es ist ein Tag des sich gegenseitig Festhaltens.

Von Martina Buttler, ARD-Studio Washington

Viele Menschen legen Blumen an der Gedenkstätte für die Opfer der Schießerei an der Columbine High School nieder - eine halbhohe kreisrunde Mauer, auf der die Namen der zwölf Schüler und des Lehrers stehen, die vor 20 Jahren in der Schule ein paar Meter weiter hinter den Sportfeldern erschossen wurden.

Auf dem Boden eine große Schleife, darauf steht ein Versprechen: "Never Forgotten". Sie werden niemals vergessen. Und bei der Gedenkfeier rufen viele den Schlachtruf ihrer Schule raus: "We are Columbine."

Besucher am "Columbine Memorial" vor Beginn der Gedenkfeier. | Bildquelle: AP
galerie

Eine Gedenkstätte erinnert an die Opfer des Amoklaufs von Columbine.

"Unsere Herzen haben ein riesiges Loch."

Auf der Bühne erzählen Überlebende über ihren Kampf, wieder sprechen, schreiben oder gehen zu lernen, nachdem sie angeschossen wurden. Und die Mutter von Lauren Townsend, die in der Columbine High School getötet wurde, fragt: "Ist es wirklich schon 20 Jahre her?"

Für viele, die damals dabei waren, fühlen sich die Erlebnisse viel näher an, die Erinnerung ist greifbar und lebendig. Es hat sie alle verändert, sagt Dawn Anna: "Unsere Herzen haben ein riesiges Loch. Aber unsere Herzen sind auch größer als noch vor 20 Jahren."

alt Von Polizisten geschützt rennen Schüler am 20. April 1999 in Littleton (Colorado) aus der Columbine High School.

Der Amoklauf an der Columbine High School

Das Massaker vor 20 Jahren an der Columbine High School im US-Bundesstaat Colorado hat sich tief in die kollektive Psyche der Vereinigten Staaten eingebrannt. Am 20. April 1999 erschossen zwei Teenager an der Oberschule in Littleton, einem Vorort von Denver, zwölf Mitschüler und einen Lehrer, 24 weitere Menschen wurden verletzt. Anschließend töteten der 18-jährige Eric Harris und der 17-jährige Dylan Klebold sich selbst. 
Columbine war das bis dahin schlimmste Schulmassaker der US-Geschichte. Es folgte eine lange Serie von Amokläufen an US-Schulen und Hochschulen.

Videobotschaft von Ex-Präsident Clinton

Bill Clinton, der 1999 US-Präsident war, wendet sich in einem Video an die Menschen in Littleton/Colorado: "An diesem 20. Jahrestag hoffe ich, dass Sie weiter stärker werden, durch Ihre Liebe und die Erinnerungen an die 13 Menschen, die wir verloren haben. Wir können sie am Besten ehren, indem wir unsere Leben in einer Art leben, die die Jahre, die sie nicht hatten, kompensieren."

In einer Videoansprache wandte sich Ex-Präsident Bill Clinton an die Anwesenden der Trauerfeier an der Columbine High School. | Bildquelle: AFP
galerie

In einer Videoansprache wandte sich Ex-Präsident Bill Clinton an die Anwesenden der Trauerfeier an der Columbine High School.

Kollegen helfen, die Ähnliches erlebt haben

Frank DeAngelis war vor 20 Jahren der Schulleiter der Columbine High School. Er arbeitet seitdem unermüdlich dafür, Kollegen an anderen Schulen zu helfen, die Ähnliches erlebt haben wie er.

Jeden Morgen sagt er die Namen der zwölf Schüler und seines Kollegen auf, die in der Columbine High School erschossen wurden. Sichtlich bewegt liest er ihre Namen bei der Gedenkfeier. Dabei fliegen weiße Tauben in den Himmel.

Der 20. April ist ein Tag, der das Leben in Littleton/Colorado unterteilt in vor und nach Columbine. Der 20. Jahrestag war einmal mehr ein Tag des Erinnerns und sich gegenseitig Festhaltens.

20. Jahrestag: Gedenken an Opfer des Columbine-Massakers
Martina Buttler, ARD Washington
21.04.2019 10:18 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 21. April 2019 um 08:44 Uhr.

Korrespondentin

Martina Buttler Logo WDR

Martina Buttler, WDR

Darstellung: