Eingangsbereich der Colonia Dignidad in den 1980er-Jahren | Bildquelle: dpa

Sekte in Chile Unterstützung für Opfer von "Colonia Dignidad"

Stand: 17.05.2019 10:55 Uhr

Nun soll es eine zügige Unterstützung für die Opfer der "Colonia Dignidad" geben. Eine Kommission in Berlin entschied, bis zu 10.000 Euro pro Person zu zahlen. Doch nicht nur Geld soll fließen.

Die deutsche Kommission wollte eigentlich bereits am 13. Mai ein Hilfesystem für Opfer der "Colonia Dignidad" in Chile vorstellen. Vier Tage später haben Mitglieder aus Bundestag und Bundesregierung nun ihre Pläne verkündet: Es wird ein Hilfsfonds für Betroffene eingerichtet. Bis zu 10.000 Euro sind pro Person vorgesehen. Zuvor war von rund 5000 Euro Entschädigung berichtet worden. Die Opfer der Sekte sollen damit erstmals eine finanzielle Unterstützung erhalten. In diesem Jahr noch sollen die Zahlungen beginnen, eine Million Euro wurden dafür bereits im Haushalt eingestellt. In Summe gehen die Kommissionsmitglieder von einem Finanzierungsbedarf in Höhe von rund 3,5 Millionen Euro aus.

Zudem sollen Anlauf- und Beratungsstellen für die Opfer ebenfalls eingerichtet werden. Ein Fonds "Pflege und Alter" soll den Betroffenen zugute kommen, die keinen Zugang zum deutschen Sozialsystem haben. Nach Angaben der Kommission gibt es noch etwa 240 ehemalige Sektenmitglieder, etwa 80 von ihnen leben in Deutschland. Die "Internationale Migration Organization" (IOM) soll beauftragt werden, sich um die Umsetzung des Hilfsfonds zu kümmern.

Opfer der "Colonia Dignidad" werden entschädigt
tagesschau 17:00 Uhr, 17.05.2019, Matthias Ebert, ARD Rio de Janeiro

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"Moralische Schuld"

"Wir haben einen Weg gefunden, unsere Möglichkeiten auszuschöpfen", erklärte der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Niels Annen. Er ist Mitglied der Kommission. Die Bundesregierung trage "keine direkte Verantwortung" an den Geschehnissen in der "Colonia Dignidad", sie habe aber eine moralische Schuld.

"Colonia Dignidad" in Chile

Die "Colonia Dignidad" war eine Siedlung deutscher Auswanderer in Chile. Einstige Mitglieder berichten von jahrzehntelangem systematischem Kindesmissbrauch und Folterungen auf dem hermetisch abgeriegelten Areal, das sich rund 350 Kilometer südlich der Hauptstadt Santiago befand. Der Bonner Paul Schäfer gründete die Sekte im Jahr 1961. Er stammte aus einem freikirchlichen Umfeld. In der Sekte führte er ein diktatorisches Regime. Das Leben war geprägt von Abschottung von der Außenwelt. Das landwirtschaftliche Anwesen bot den Armen der Region medizinische Versorgung und Schulbildung. Bauern schickten ihre Kinder in die angebliche "Kolonie der Würde" - doch die Kinder wurden zu Hunderten misshandelt und missbraucht. Während der 17-jährigen Militärdiktatur in Chile ab 1973 steht die Colonia unter besonderem Schutz des Junta-Chefs Augusto Pinochet. Nach dem Ende der Diktatur im Jahr 1990 begann die chilenische Justiz, gegen die Siedlung vorzugehen.

Der menschenrechtspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Michael Brand, sprach von einem "Versagen und Skandal" in der Vergangenheit. Die "Colonia Dignidad" sei eine "Horrorkolonie mit einem pädophilen Sadisten an der Spitze" gewesen. Die Grünen-Abgeordnete Renate Künast betonte, das Ergebnis sei "akzeptabel". Deutschland habe Schuld auf sich geladen, zumindest die Strukturen der "Colonia Dignidad" seien unterstützt worden.

Landarbeit in der Colonia Dignidad | Bildquelle: dpa
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Landarbeit in der Colonia Dignidad. Die Sekte wurde Anfang der 1960er Jahre von dem gebürtigen Bonner Paul Schäfer (1921-2010) in Chile gegründet.

Diktatorisches Regime innerhalb der Sekte

Der Bonner Paul Schäfer gründete die "Colonia Dignidad" Anfang der 1960er-Jahre in Chile. Die Anlage der Sekte befand sich rund 350 Kilometer südlich der Hauptstadt Santiago. Schäfer stammte aus einem freikirchlichen Umfeld und versprach als Laienprediger seinen Anhängern ein "urchristliches Leben im gelobten Land".

Das Leben in der Sekte war geprägt von Abschottung von der Außenwelt. Schäfer führte ein diktatorisches Regime. Freiheitsberaubung, Zwangsarbeit, Sklaverei, Kindesmissbrauch, Körperverletzung, Folter und Verabreichung von Psychopharmaka ohne medizinische Indikation zählen zu Verbrechen innerhalb der "Colonia Dignidad". In den Jahren 1973 bis 1990 wurden während der Militärdiktatur zudem in der Sekte Hunderte Regimegegner des chilenischen Geheimdienstes gefoltert, Dutzende wurden ermordet.

Chilenische Justiz ging gegen Siedlung vor

Nach dem Ende der Diktatur von Augusto Pinochet im Jahr 1990 begann die chilenische Justiz, gegen die Siedlung vorzugehen. Später wurde sie in "Villa Baviera" umbenannt. Zudem sagten sich die Mitglieder von Schäfer los. Dieser wurde 2006 wegen Kindesmissbrauchs in Chile zu 20 Jahren Haft verurteilt.

Paul Schäfer, der Gründer der Colonia Dignidad, im Jahr 2005 | Bildquelle: picture-alliance/ dpa/dpaweb
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Paul Schäfer, der Gründer der Colonia Dignidad, brachte seine Anhänger teils unter Zwang dazu, ihm nach Südamerika zu folgen.

Vor gut einer Woche war bekannt geworden, dass die Ermittlungen in Deutschland gegen den einstigen Arzt der Sekte, eingestellt worden sind. Es habe sich trotz erheblichen Aufwands kein hinreichender Tatverdacht Hartmut Hopp ergeben, teilte die Staatsanwaltschaft Krefeld mit. Konkrete Hinweise auf Hopps Mitwirkung an Straftaten seien nicht festzustellen gewesen, erklärte Oberstaatsanwalt Axel Stahl. Eine Opferanwältin hat bereits Beschwerde gegen die Einstellung der Ermittlungen angekündigt.

Colonia Dignidad - Hilfe für Opfer der deutschen Sekte in Chile
Vera Wolfskämpf, ARD Berlin
17.05.2019 11:15 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 17. Mai 2019 um 14:00 und NDR Info um 10:45 Uhr.

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