Michael Cohen | Bildquelle: JIM LO SCALZO/EPA-EFE/REX

Trumps Ex-Anwalt Der tiefe Fall des Michael Cohen

Stand: 28.02.2019 06:46 Uhr

Cohen war mehr als nur Trumps Anwalt. Zehn Jahre lang diente er ihm als enger Vertrauter, loyaler Geschäftsfreund und zuverlässiger Mann fürs Grobe. Dafür geht er nun ins Gefängnis.

 Von Georg Schwarte, ARD-Studio New York

Die Familie weint im Saal des New Yorker Bundesgerichtes. Michael Cohen ist ebenfalls geschockt. Es ist der 12. Dezember 2018. Drei Jahre Haft für den Fixer, den Ausputzer, wie er sich einst selbst nannte. Donald Trumps Mann fürs Grobe. Ein Pitbull und Rechtsbeistand, der damals alles für seinen Mandaten namens Trump zu tun bereit war:

"Ich würde mich vor ihn stellen, wenn jemand auf Donald Trump schießen würde", so klang das einst. Es war ein enges Vertrauensverhältnis. Die Zeit scheint vorbei. Jetzt schämt sich dieser Michael Dean Cohen, auf Long Island nahe New York als Sohn jüdischer Immigranten aus Polen geboren.

"Ich schäme mich"

Donald Trump, für den er einst durchs Feuer gehen wollte, in dessen Firma er investierte, ist laut Cohen ein Rassist. Ein Betrüger. Ein Hochstapler eben. Er schäme sich für ihn.

Cohen war seit dem Jahr 2006 so nah am heutigen Präsidenten wie kaum jemand. Er war Teil des Trump-Teams, jenes Zirkels, der viel wusste, weil es offenbar viel zu verbergen galt. Jetzt aber ist ihm seine Nähe zum amtierenden Präsidenten zum Verhängnis geworden.

Michael Cohen steht 2016 hinter Donald Trump auf einer Wahlkampfveranstaltung der Republikaner | Bildquelle: REUTERS
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Der Mann hinter Trump: Michael Cohen auf einer Wahlkampfveranstaltung im Jahr 2016 mit dem zukünftigen US-Präsidenten.

Seine Schwäche sei die blinde Loyalität zu Trump gewesen, sagte der damalige Angeklagte im Gerichtssaal kurz vor dem Schuldspruch.

Der 52-Jährige hatte bereits im August eingeräumt, Schweigegeldzahlungen unter anderem an einen Pornostar im Auftrag des damaligen Präsidentschaftskandidaten Trump gezahlt zu haben. Er bekannte sich zudem der illegalen Wahlkampfhilfe, Bankbetruges und der Steuerhinterziehung für schuldig. Insgesamt neun Einzeltaten.

Trump: "Cohen ist eine schwache Person"

Spätestens als das FBI die Büroräume Cohens in New York durchsuchte, war dem Anwalt offenbar klar, dass es eng wird. Und nicht nur für ihn, auch für den Präsidenten, der sich zuletzt öffentlich von Cohen distanzierte: "Ein Lügner, eine schwache Person dieser Cohen", sagt Trump. Er lüge, um eine mildere Strafe zu bekommen. 

Cohen sieht das anders. Er sagt, er habe alles für Trump getan, habe als Rechtsbeistand die Notwendigkeit gesehen, Trumps "schmutzige Taten zu vertuschen." Im November räumte Cohen, der mittlerweile mit dem FBI-Sonderermittler Mueller kooperiert, zudem ein, den Geheimdienstausschuss des Kongresses, der wegen russischer Wahlkampfmanipulation ermittelt, belogen zu haben.

Es folgt eine Drohung in Richtung des US-Präsidenten. Der Anwalt des Pornostars Stormy Daniels, die 2016 von Cohen im Auftrag Trumps Schweigegeld erhielt und derzeit den Präsidenten verklagt, sagt, Cohen sei jetzt verurteilt. Als nächstes folge Trump.

Jetzt hat Micheal Dean Cohen, der gelernte Jurist, ehemalige Ausputzer und rechtskräftig verurteilte Straftäter reumütig erklärt, er schäme sich für seine Handlungen. Am 6. Mai geht Cohen ins Gefängnis. Ein Gang, den Cohen dem heutigen Präsidenten Trump vermutlich auch von Herzen gönnen würde.   

 

Michael Dean Cohen - Trumps Pitbull und Fixer - ein Porträt
Georg Schwarte, ARD New York
28.02.2019 02:27 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. Februar 2019 um 05:25 Uhr.

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