Michael Cohen | Bildquelle: JIM LO SCALZO/EPA-EFE/REX

Anhörung vor US-Kongress Trumps Ex-Anwalt verspricht Wahrheit

Stand: 27.02.2019 11:54 Uhr

Präsident Trump trifft sich mit Nordkoreas Machthaber Kim in Vietnam. In den USA braut sich derweil eine politische Krise zusammen: Trumps Ex-Anwalt Cohen will im Kongress reinen Tisch machen.

 Von Jan Bösche, ARD-Studio Washington

Es ist die Woche von Michael Cohen im Kongress. Der frühere Trump-Anwalt und Problem-Beseitiger wird gleich dreimal angehört, heute gibt es die zweite Anhörung. Das Besondere: Es ist die einzige, die öffentlich ist. Cohen sagte: "Ich bin dankbar für die Gelegenheit, Dinge klarzustellen, die Wahrheit zu sagen. Und ich freue mich, dass ich den Amerikanern meine Geschichte erzählen kann. Ich werde die Amerikaner entscheiden lassen, wer die Wahrheit sagt."

Medienberichten zufolge will der frühere Trump-Anwalt neue Beweise vorlegen. Es gehe um Lügen des Präsidenten, um Rassismus und Betrügereien.

Die Anhörung wird ein Spektakel: Vorgeladen wurde Cohen von den Demokraten, die jetzt im Repräsentantenhaus die Mehrheit haben. Trumps Republikaner bezweifelten schon vorher Cohens Glaubwürdigkeit. Sie verwiesen darauf, dass er bereits verurteilt ist, unter anderem, weil er vor dem Kongress gelogen haben soll. Ihm steht eine dreijährige Haftstrafe bevor.

Debatte um Glaubwürdigkeit Cohens

Cohen hatte jahrelang als Anwalt für Donald Trump gearbeitet. Er galt als Trumps "Ausputzer", der Probleme aus dem Weg räumte. Dazu gehörte zum Beispiel, dass er Schweigegeld-Zahlungen organisierte, an zwei Frauen, mit denen Trump Affären gehabt haben soll. Weil das kurz vor den Wahlen stattfand, hatte Cohen damit gegen Wahlfinanzierungs-Regeln verstoßen.

Gerade weil er so eng mit Trump zusammengearbeitet hat, erhoffen sich die Demokraten von Cohen neue Beweise gegen den Präsidenten. Seine früheren Lügen sind für sie kein Problem. Die Demokratin Eleanor Holmes Norton sagte: "Er kann es sich nicht leisten, sich weiter 'reinzureiten. Er ist bereits zu drei Jahren verurteilt." Die Vorstellung sei absurd, er könnte es noch schlimmer machen, fügte sie hinzu. "Das Weiße Haus ist in die Offensive gegangen, hat ihn als unglaubwürdig dargestellt, weil er es vorher war. Fakt ist: Er hat jeden Anreiz, jetzt die Wahrheit zu sagen."

Trumps Sprecherin Sarah Sanders meinte, es sei lachhaft, wenn jemand einem verurteilten Lügner wie Cohen glauben werde. Der Republikaner Clay Higgins sagte bei CNN: "Seine Glaubwürdigkeit ist null. Er ist verurteilt, wird ins Gefängnis gehen, weil er den Kongress angelogen hat. Und er ist der erste wichtige Zeuge, der vor dem Ausschuss aussagt. Wir werden weniger Wahrheit sehen und mehr Theater."

Fakten finden ist ein Ziel

In der Anhörung werden die Demokraten also versuchen, Cohen neue Fakten zu entlocken, während die Republikaner seine Glaubwürdigkeit testen werden. Der Republikaner und Trump-Unterstützer Matt Gaetz versuchte das gestern schon per Twitter: Er forderte Cohen auf, seiner Familie mögliche Freundinnen zu beichten - und bezweifelte, ob seine Frau ihm treu bleiben werde. Gaetz verteidigte den Tweet: "Wir wissen, dass er Kongress und Ermittler anlügt. Nun werden wir erfahren, ob er auch nahestehende Personen anlügt. Das wird zeigen, ob er die Wahrheit sagen kann."

Kritiker sprachen dagegen von einer unwürdigen Aktion, die auch als Bedrohung eines Zeugens gewertet werden könne.

Die spannende Frage bleibt: Wie glaubwürdig und belastend werden die neuen Beweise sein, die Cohen vorlegen will? Eigentlich hatte er in vergangenen Befragungen im Kongress und bei Sonderermittler Robert Mueller genügend Gelegenheiten, Beweise vorzulegen, die für ihn entlastend sein könnten.

Trumps Mann fürs Grobe - Ex-Anwalt Cohen packt im Kongress aus
Jan Bösche, ARD Washington
27.02.2019 06:45 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. Februar 2019 um 05:25 Uhr.

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