Aus den Schornsteinen eines Blockheizkraftwerkes steigt Qualm auf.

Anstrengung für Klimaziele "Wir nähren das Feuer"

Stand: 27.11.2018 18:03 Uhr

Kurz vor der UN-Klimakonferenz warnen Forscher: Die Staaten müssen ihre Bemühungen verdreifachen, wenn sie die Klimaziele erreichen wollen. Immerhin: Noch sei das möglich.

Um die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen, müssen die Länder ihre Anstrengungen laut Experten mindestens verdreifachen. Theoretisch ist es zwar dem UN-Umweltprogramm (UNEP) zufolge immer noch möglich, das Ziel von höchstens zwei Grad durchschnittlicher Erwärmung bis zum Jahr 2100 einzuhalten. Wenn die Länder allerdings so weitermachten wie bisher, werde sich die Erdtemperatur um etwa 3,2 Grad im Vergleich zur Zeit vor der Industrialisierung erhöhen - und dann noch weiter steigen, heißt es in dem sogenannten Emissions Gap Report, den das Umweltprogramm vorstellte.

Grundlage für Klimakonferenz

Das Zwischenzeugnis der UNEP-Experten soll aufzeigen, inwiefern die Klimaschutzziele im Pariser Abkommen mit bisherigen Versprechungen der Staaten zur Reduzierung der Treibhausgase erreicht werden können. Ihre Erkenntnisse dienen auch als Grundlage für die 24. UN-Klimakonferenz vom 3. bis 14. Dezember im polnischen Kattowitz.

In ihrem Bericht warnen die Autoren: "Mehr als jemals zuvor müssen die Länder jetzt handeln." Das Ziel von höchstens zwei Grad durchschnittlicher Erwärmung der Erdtemperatur gilt als äußerste Grenze, um katastrophale Klimafolgen abzuwenden. Wenn möglich, sollte die Erderwärmung dem Pariser Abkommen zufolge aber schon bei 1,5 Grad begrenzt werden.

Der Weltklimarat IPCC hatte in einem Sonderbericht zum 1,5-Grad-Ziel Anfang Oktober dargelegt, nötig seien "schnelle, weitreichende und beispiellose Änderungen in allen gesellschaftlichen Bereichen", um dieses Ziel noch zu erreichen. "Wenn der IPCC-Bericht ein globaler Feueralarm war, dann ist dieser Bericht die Brandermittlung", erklärte UNEP-Vizechefin Joyce Msuya. Die Regierungen in aller Welt müssten schneller und entschlossener handeln. "Wir nähren dieses Feuer, obwohl die Mittel, es zu löschen, in Reichweite sind", kritisierte sie.

Kohlekraftwerk | Bildquelle: dpa
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Klimakiller fossile Brennstoffe - Forscher machen vor allem die Nutzung von Kohle, Gas und Öl für die Zunahme der CO2-Konzentration verantwortlich.

"Ausstoß alarmierend hoch"

Nach drei relativ stabilen Jahren sei der weltweite CO2-Ausstoß 2017 wieder gestiegen, schreiben die Wissenschaftler in ihrem Bericht. Mit 53,5 Gigatonnen (eine Gigatonne entspricht einer Milliarde Tonnen) CO2 sei der Ausstoß alarmierend hoch und die Spitze noch längst nicht erreicht. Hauptgründe dafür seien ein höheres Wirtschaftswachstum bei langsamerer Abnahme des Energieverbrauchs - vor allem mit Blick auf Kohle.

"Deutschland und Europa könnten hier Führungsstärke zeigen, indem sie die vollständige Treibhausgasneutralität bis 2050 und eine deutliche Stärkung der Emissionsminderungsziele für 2030 festschreiben", fordert Gunnar Luderer, ein Autor des Berichts und Wissenschaftler am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.

"Seit das Pariser Klimaabkommen verabschiedet wurde, sind die Kosten für erneuerbare Energien um grob ein Drittel weiter gesunken. Deutlich mehr ist heute machbar, als damals möglich erschien", mahnte Niklas Höhne, der den Bericht mitverfasst hat.

Fiskalpolitik nutzen

Die Autoren riefen dazu auf, technische Innovationen sowie eine geschickte Fiskalpolitik zu nutzen. Wenn Regierungen die Steuerpolitik nutzten, um "Alternativen mit geringen Emissionen zu subventionieren" und fossile Energieträger zu verteuern, könnten sie damit "die richtigen Investitionen im Energiesektor stimulieren und die Kohlendioxidemissionen deutlich verringern", erklärte UNEP-Chefwissenschaftler Jian Liu. Auch eine angemessene CO2-Bepreisung sei entscheidend.

Der klimapolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Deutschen Bundestag, Lukas Köhler, rief die Bundesregierung dazu auf, sich beim nächsten G20-Gipfel und auf der Klimakonferenz in Kattowitz für eine internationale CO2-Bepreisung durch den Emissionshandel einzusetzen.

Die Naturschutzorganisation WWF Deutschland erwartet von der deutschen Regierung, die Kohlekommission nicht weiter zu behindern. Sie müsse "einen schnellen und großen ersten Schritt beim Kohleausstieg einfordern und ausreichend Mittel für den Strukturwandel bereitstellen", so der Leiter Klimaschutz und Energiepolitik, Michael Schäfer.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. November 2018 um 17:30 Uhr.

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