Der Gerichtssaal während der Urteilsverkündung gegen den Christchurch-Attentäter |

Urteil gegen Christchurch-Attentäter Für immer hinter Gitter

Stand: 27.08.2020 07:56 Uhr

So ein hartes Urteil gab es in Neuseeland noch nie: lebenslang ohne Bewährung. Der rassistische Attentäter hatte im März 2019 in zwei Moscheen in Christchurch angegriffen und 51 Menschen getötet.

Von Lena Bodewein, ARD-Studio Singapur

Mit viel Ruhe und Würde, um die Verstorbenen zu ehren und um den Hinterbliebenen und Überlebenden seinen Respekt zu erweisen, trug Richter Cameron Mander zu Beginn seiner Urteilsverkündung noch einmal alle Namen der Getöteten und Verletzten vor - und wie der Attentäter auf sie geschossen hatte. Dann verkündete er das Strafmaß: "In jedem Anklagepunkt des Mordes, 1-51, verurteile ich Sie zu lebenslanger Haft. Diese Strafe ist ohne Bewährung."

Lena Bodewein ARD-Studio Singapur

Lebenslang ohne Aussicht auf vorzeitige Haftentlassung, dieses Strafmaß gab es in Neuseeland noch nie. Er sei eindeutig Neuseelands schrecklichster Mörder, sagte Staatsanwalt Mark Zarifeh am Morgen über den Angeklagten. Er habe seine Taten gründlich geplant, mit dem Ziel, so viele Menschen wie möglich umzubringen. Sein Vergehen sei von einer tief verwurzelten, rassistischen und fremdenfeindlichen Ideologie motiviert und dem Verlangen, Terror in der muslimischen Gemeinschaft und darüber hinaus zu verbreiten.

Eine Welle von Liebe nach der Tat

"Sie haben versagt", sagte der Richter in seinem Urteilsspruch. "Ihre Verbrechen wurden erwidert von einer nie dagewesenen Welle von Liebe und öffentlicher Unterstützung für die Menschen, die Sie angegriffen haben und der weiteren muslimischen Gemeinschaft. Ihre Absicht war es zu spalten, aber die Öffentlichkeit hat zu ihren neuseeländischen Mitbürgern gestanden, um Ihre hasserfüllten Ansichten komplett zurückzuweisen."

Der Attentäter wollte von seinem Rederecht nicht mehr Gebrauch machen, auf mehrfache Nachfrage des Richters sagte er nur: "Nein danke."

Überlebende traten dem Täter gegenüber

Mehr als 90 Angehörige von Opfern und Menschen, die den Terroranschlag überlebt hatten, hatten in den vergangenen drei Tagen Erklärungen verlesen. Viele wandten sich direkt an den Terroristen.

"Ich sah, wie dieser Feigling unsere Schwestern und Brüder erschoss." Abdul Aziz, als Held von Christchurch gefeiert, war auf den Attentäter losgegangen und hatte ihn mit einem Kreditkartenlesegerät angegriffen. So hatte er ihn verjagt und weitere Morde wahrscheinlich verhindert. "Sei dankbar, dass ich dich nicht erwischt habe an jenem Tag. Sonst wäre die Geschichte anders ausgegangen. Und Neuseeland könnte sonst viel Geld sparen. Du wirst diese Augen nie vergessen, vor denen du geflüchtet bist."

Der Richter reagierte ungewöhnlich direkt und wandte sich an Abdul Aziz: "Bevor Sie gehen: Ich habe das Video gesehen und ich möchte Ihren Mut anerkennen. Danke."

Zuspruch der Premierministerin

Premierministerin Jacinda Ardern bewunderte heute die Stärke der Menschen und äußerte die Hoffnung, dass die Neuseeländer ihrer muslimischen Gemeinschaft weiterhin Trost und Zuspruch gäben. Um genau das zu tun, hatte sich heute vor dem Gericht eine Menschenmenge versammelt, singend zeigten sie ihre Unterstützung für die muslimische Gemeinschaft.

Gamal Fouda, der Imam der Al-Noor-Moschee, in die der Attentäter zuerst eingedrungen war, sagte nach der Urteilsverkündung: "Keine Strafe bringt uns unsere Liebsten zurück. Wir respektieren unser Rechtssystem." Die muslimische Gemeinschaft und die nicht-muslimische stünden zusammen, ein Vorbild für die Welt. "Alle Extremisten stehen für Hass. Aber wir sind heute hier und stehen für Liebe und Mitgefühl, Muslime, Nicht-Muslime, Gläubige und Nichtgläubige. Das sind wir Neuseeländer und wir sind stolz, als Muslime in Neuseeland zu sein."

Für den Attentäter hatte Ahad Nabi, der Sohn des 71-jährigen getöteten Daoud, gestern nur Worte der Verachtung übrig. "Wenn du im Gefängnis bist, dann wird dir klar werden, dass du in der Hölle bist und dich nur das Feuer erwartet."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 27. August 2020 um 09:00 Uhr.