Screenshot eines Videos zeigt Soldaten der chinesischen Armee bei einer Übung auf einem Boot vor Hongkong. | Bildquelle: AFP

Hongkong China provoziert mit Militärvideo

Stand: 01.08.2019 15:04 Uhr

Die Stimmung in Hongkong ist schon aufgeheizt - nun sorgt ein chinesisches Militärvideo für Aufsehen: Es zeigt Soldaten, die bei einer Übung Demonstranten bekämpfen - eine Warnung an die Regierungskritiker?

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Es ist ein drei Minuten langes Video, über das in Hongkong heftig diskutiert wird: Zu sehen sind Soldaten des chinesischen Militärs bei verschiedenen Kampfübungen. Schnell geschnitten und mit dramatischer Musik unterlegt erinnert es vom Stil an Hollywood-Action-Filme.

Die Soldaten sind in Kampfmontur und mit schweren Kriegswaffen unterwegs: Maschinengewehre, gepanzerte Fahrzeuge. Und in einigen Szenen ist auch klar zu erkennen: Es geht hier offensichtlich nicht in erster Linie um die Bekämpfung äußerer Feinde, sondern um die Niederschlagung von Aufständen.

So sind Soldaten zu sehen, die Wohnungen stürmen und auf breiten Straßen mit Schutzschilden und Gewehren auf Demonstranten losmarschieren. Schützenpanzer schieben Barrikaden beiseite und vermeintliche Protestierer werden festgenommen.

Implizit an Hongkong gerichtet

Zwar taucht in dem Video nirgendwo das Wort Hongkong auf, aber die Verweise auf die autonom regierte chinesische Sonderverwaltungsregion sind eindeutig: So verwenden die chinesischen Soldaten im Video Transparente, um die Protestierer zu warnen. Beschriftet sind diese Hinweistafeln auf Englisch und mit traditionellen chinesischen Schriftzeichen. Die frühere britische Kolonie Hongkong ist quasi der einzige Ort in China, an dem diese Schriftzeichen noch verwendet werden.

Für viele in Hongkong ist das Propaganda-Video entsprechend eine Provokation. Am Abend äußerte sich erstmals auch der Kommandeur der in Hongkong stationierten chinesischen Soldaten, Chen Daoxiang, öffentlich zu den Massendemos gegen die Regierung.

Er sprach von radikalen Protesten, die die Stabilität Hongkongs ernsthaft gefährdeten. Die chinesische Armee sei entschlossen, die nationale Sicherheit zu verteidigen.

"Beispiel für klassische Angst-Mach-Taktik"

Harsche Worte, die man aber nicht zu ernst nehmen sollte, sagt Nathan Law, pro-demokratischer Politiker der Hongkonger Partei Demosisto und früherer Mitanführer der sogenannten Regenschirmproteste von vor fünf Jahren: "Das ist ein Beispiel für die klassische Angst-Mach-Taktik der chinesischen Staatsführung. Nichts Neues. Ich denke, dass die Wahrscheinlichkeit, dass das chinesische Militär einmarschiert und die Massendemos zerschlägt, sehr gering ist."

Seit Anfang Juni gehen in Hongkong Woche für Woche Hunderttausende Menschen auf die Straßen. Zunächst richtete sich der Protest gegen ein geplantes Auslieferungsgesetz der pekingfreundlichen Hongkonger Regierungschefin. Inzwischen ist dieses Gesetz gestoppt. Die regierungskritischen Demos gehen aber weiter. Immer wieder kam es dabei auch zu Ausschreitungen und Gewalt.

Beschäftigte der Bankenbranche protestieren mit Regenschirmen in Hongkong. | Bildquelle: AFP
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Hunderte Beschäftigte der Finanzbranche in Hongkong haben sich mit den Regierungskritikern solidarisiert. Bei strömendem Regen versammelten sie sich zu einer Demonstration im Finanzdistrikt. In Sprechchören bekundeten sie ihre Unterstützung für die seit Wochen andauernden Großdemonstrationen.

China provoziert mit Militärvideo
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
01.08.2019 14:19 Uhr

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Über dieses Thema berichtete WDR 5 am 01. August 2019 um 13:17 Uhr im Mittagsecho.

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