Der venezolanische Präsident, Nicolás Maduro. | Bildquelle: REUTERS

Krise in Venezuela China bangt um seine Milliarden

Stand: 14.02.2019 09:48 Uhr

Offiziell will sich Peking in Venezuela nicht einmischen und unterstützt Staatschef Maduro. Der größte Kreditgeber des Landes pocht aber darauf, dass sich die Lage bald stabilisiert - egal wie.

Von Axel Dorloff, ARD-Studio Peking

Für China steht in Venezuela viel auf dem Spiel: Milliardenkredite und Investitionen, strategische Großprojekte im Namen der Neuen Seidenstraße. In den vergangenen Jahren hat China massiv in das Land investiert - und gilt als größter Gläubiger Venezuelas. Experten schätzen die Höhe der chinesischen Kredite zwischen 2007 und 2017 auf über 60 Milliarden Dollar. Venezuela sollte das zum Teil durch Öl-Lieferungen zurückzahlen, kann aber seine Verpflichtungen wegen hoher Produktionsausfälle nicht erfüllen. Rund 20 Milliarden Dollar seien noch fällig, schreibt das chinesische Finanzmagazin Caixin. Andere Experten schätzen, die Zahl sei noch höher. China bangt also um seine Milliarden und setzt deshalb weiter auf Staatschef Maduro. Der Sprecher des Außenministeriums in Peking, Geng Shuang, kritisiert beides, Einmischung und Sanktionen:

"China steht fest zum Prinzip der Nicht-Einmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Länder. Für uns bleibt es dabei: Nur das venezolanische Volk selbst kann über seine Zukunft bestimmen. Wir sind auch gegen einseitige Sanktionen, sie machen die Situation nur komplizierter und helfen nicht dabei, die praktischen Probleme zu lösen. Sie führen lediglich zu einer Verschlechterung der Lebensumstände der Menschen in Venezuela. Dafür müssen die Länder, die Sanktionen verhängen, Verantwortung übernehmen."

China und Russland erkennen Guaidó nicht an

Diese Haltung hat die Volksrepublik auch im UN-Sicherheitsrat bekräftigt. Gemeinsam mit Russland hat China eine Erklärung zur Unterstützung des selbsternannten venezolanischen Interimspräsidenten Juan Guaidó blockiert. Zur Begründung sagte der chinesische UN-Botschafter in New York, Ma Zhaoxu, China sei schon immer aus Prinzip gegen die Einmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten gewesen. Auch im Fall Venezuelas sei dies nun nicht anders.

"Die Vorkommnisse dort stellen keine Bedrohung der internationalen Sicherheit oder des internationalen Friedens dar," sagte Zhaoxu. "Das Thema steht nicht auf der Agenda des UN-Sicherheitsrates - und es gehört auch nicht dort hin."

Tausche Kredite gegen Öl

Das besondere Verhältnis zwischen Venezuela und China begann bereits unter Staatschef Hugo Chávez. Der 2013 verstorbene Präsident und Vorgänger Maduros war ein Bewunderer des chinesischen Revolutionsführers und Staatsgründers, Mao Zedong. Das schmeichelte den Chinesen. Unter Chávez erhielt Venezuela einen Großteil der chinesischen Kredite. Im Gegenzug gab es für Peking Öl aber auch andere Rohstoffe wie Coltan, wichtig für die Produktion von Smartphones. Mit Venezuela ging es derweil immer weiter bergab. Im September 2018 war Staatschef Maduro zuletzt in Peking, um weitere Milliarden-Kredite einzuwerben. Außenamtssprecher Geng Shuang hat vor wenigen Tagen noch einmal bestätigt: China hält weiter zu Maduro.

"Staatspräsident Xi Jinping hat einen Sondergesandten zur Amtseinführung von Präsident Maduro geschickt. Wenn wir ihn nicht anerkennen würden - warum wären wir dann bei seiner Amtseinführung dabei gewesen? Das wäre doch unlogisch. Und an dieser Haltung hat sich auch nichts geändert."

Aber auch der selbst ernannte Übergangspräsident Juan Guaidó wirbt um Chinas Unterstützung. Anfang Februar rief er die chinesische Führung in der Hongkonger Tageszeitung "South China Morning Post" dazu auf, ihn als Staatschef anzuerkennen. China werde auch unter seiner Führung eine wichtige Rolle in Venezuela spielen, so seine Botschaft.

Schon 2017 Treffen mit Opposition

Er kündigte aber auch an, alle Vereinbarungen mit China zu überprüfen, ob sie nach geltenden Regeln zustande gekommen seien. Denn viele der mit chinesischen Krediten finanzierten Projekte in Venezuela wurden bislang nie fertig gestellt. Schuld daran sei die Korruption unter der Maduro-Regierung, behauptet Guaidó in dem Interview mit der "South China Morning Post". In Peking waren die Reaktionen darauf zurückhaltend. Man sei mit allen Seiten in Gesprächen, sagte Außenamtssprecher Geng Shuang lediglich. Man sei bereit, mit allen Parteien gemeinsame Anstrengungen zu unternehmen, die zur "Aussöhnung und friedlichen Verhandlungen" führten.

Und dennoch: Bei aller offiziellen Loyalität zu Maduro - China gilt als pragmatisch. Es ist kein Geheimnis, dass es schon 2017 in Peking ein Treffen mit der venezolanischen Opposition gab. Thema dürfte dabei auch gewesen sein, ob und wie sich die Opposition im Falle einer Machtübernahme an bestehende Kreditverträge und Projekt-Vereinbarungen mit China halten würde. Was geschieht mit Chinas Milliarden und Chinas Einfluss - das ist das, wofür sie sich in Peking am meisten interessieren.

Krise in Venezuela: China bangt um seine Milliarden
Axel Dorloff, ARD Peking
14.02.2019 08:48 Uhr

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Über dieses Thema berichteten am 14. Februar 2019 Deutschlandfunk um 05:43 Uhr und B5 aktuell um 06:05 Uhr sowie um 07:40 Uhr.

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